Handwerker beim Renovieren einer Wohnung (Foto: dpa)

Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit?

Sarah Sassou   21.08.2019 | 11:00 Uhr

Private Bauherren wissen sie zu schätzen, die Hilfe von Freunden und Bekannten. Auch die nette Nachbarin, die die Kinder hütet oder der Kfz-Mechaniker aus der Parallelstraße, der die Sommerreifen wechselt, sind oft ein Segen. Damit ein „Freundschaftsdienst“ aber nicht zur Schwarzarbeit wird, sollte man ein paar Regeln beachten.

Wann Nachbarschaftshilfe keine Schwarzarbeit ist

Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit?
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 21.08.2019, Länge: 06:06 Min.]
Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit?

Sich in einem Notfall vom Nachbarn helfen lassen, sei in jedem Fall in Ordnung, so die Aussage von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Saarbrücker Hauptzollamt. Die Behörde kontrolliert auf Baustellen, ob die Arbeiter dort legal beschäftigt sind. Das macht sie auch auf privaten Baustellen.

Wenn beispielsweise die Klospülung defekt ist und auf die Schnelle kein Klempner erreichbar, dann ist es in Ordnung, den Nachbar die Reparatur vornehmen zu lassen – auch wenn man ihm dafür ein geringes Entgelt gibt. Denn eigentlich wird laut Definition bei der Nachbarschaftshilfe auf eine Bezahlung verzichtet. Stattdessen bietet man dem Nachbarn für dessen Leistung die eigene tatkräftige Unterstützung an, wenn der sie braucht. Zum Beispiel, wenn er erkrankt ist und seine Hecke nicht selbst schneiden kann, übernimmt man diese Arbeit ausnahmsweise mal.

Grundlegende Kriterien der Nachbarschaftshilfe

Und das ist auch ein Hauptunterscheidungsmerkmal: Nachbarschaftshilfe findet nicht regelmäßig und nachhaltig statt und es geht nicht darum, einen Gewinn zu erzielen. Zudem wird dadurch kein Unternehmen geschädigt, weil ihm ein Auftrag entgangen ist. Diese Kriterien seien aber nur Anhaltspunkte für die Kontrolleure, um Schwarzarbeit festzustellen, sagt ein Sprecher vom Zoll. Um herauszufinden, ob private Hilfe in Ordnung oder illegal sei, müssten die Beamten jeden einzelnen Fall genau analysieren.

Auch Babysitting und Nachhilfe von Jugendlichen aus der Nachbarschaft sind aus Sicht der Schwarzarbeitkontrolle in Ordnung. Ebenso, wenn der Onkel das Wohnzimmer streicht oder das Bad fliest – vorausgesetzt, er bestreitet mit der Entlohnung für die Arbeit nicht seinen Lebensunterhalt.  

Worauf man bei Handwerkern achten sollte

Wer einen Handwerker beauftragt hat, sollte nach Ausführung der Arbeiten auf eine Rechnung bestehen. Denn nur mit einer Rechnung hat man innerhalb von zwei Jahren auch Anspruch auf die Behebung von Mängeln. Außerdem muss die Rechnung den Angaben zufolge auch so lange aufbewahrt werden, falls der Zoll etwas nachprüfen möchte.

Wer bei einer Kontrolle keine Rechnung vorweisen kann, muss mit einer Geldbuße bis zu 500 Euro rechnen. Deswegen sollte man einer Firma Druck machen, wenn sie keine Rechnung ausstellt. Denn das muss sie innerhalb von sechs Monaten nach dem Ende der Arbeiten tun.

Kunde muss nicht zahlen

Auch für den Handwerker, der ohne Rechnung arbeitet, ist dieses Geschäft mit einem Risiko verbunden: Wenn der Kunde die Rechnung nur teilweise oder gar nicht bezahlt, hat er nichts gegen ihn in der Hand. Denn ein mündlicher Vertrag über Schwarzarbeit ist ungültig.

Um Schwarzarbeit in Privathaushalten kümmern sich nicht nur der Zoll sondern auch die Bußgeldstellen der Kommunen und Handwerkskammern. Wenn sie den Tatbestand der Schwarzarbeit auf einer privaten Baustelle als erwiesen sehen, dann kann das den Bauherren und Auftraggeber sehr teuer zu stehen kommen. Bis zu 50.000 Euro werden für die Ordnungswidrigkeit fällig.

Teure Argumente, die einen privaten Bauherrn oder Renovierer darüber nachdenken lassen sollten, ob es sich wirklich lohnt, die Steuer einzusparen. Denn spätestens wenn ein Schaden auftritt, ist die Ersparnis schnell dahin. 

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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