Einkaufswagen im Supermarkt. (Foto: imago images / Panthermedia)

Gestreckter Honig, gepanschtes Olivenöl

Eva Lippold   11.09.2019 | 11:00 Uhr

Pangasius statt Seezunge, gefärbtes Fleisch, Konventionelles in der Bioverpackung: Oft werden Verbraucher getäuscht, denn Lebensmittelfälschung lohnt sich. Am häufigsten fälschen die Betrüger bei Honig und Olivenöl - denn hier erzielen sie fast so hohe Gewinnmargen wie beim Drogenhandel. Wie können sich Verbraucher vor solchem Lebensmittelbetrug schützen? Der SR 3-Verbrauchertipp.

Das Siegel „nativ extra“ - Garant für höchste Qualität?

Bei Olivenöl lautet das höchste Qualitätssiegel der EU „nativ extra“ oder „extra vergine“. Beides steht für Olivenöl der Extraklasse - und doch entlarven Lebensmittelkontrolleure bei Stichproben immer wieder auch als „nativ extra“ ausgezeichnetes Olivenöl als minderwertig oder sogar gefälscht. So zogen die saarländischen Kontrolleure im Jahr 2017 ein als „nativ extra“ ausgezeichnetes Öl aus dem Verkehr, da es zu großen Teilen aus Sonnenblumenöl bestand. Und bei Kontrollen im Jahr 2016 mussten sie jedes zweite Öl beanstanden: teils weil die Proben mit minderwertigem Öl gestreckt, teils weil die Öle falsch gekennzeichnet waren. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale Saarland. „Das Einzige was gegen diesen Betrug hilft, sind Kontrollen und Sanktionen. Wir brauchen viel mehr Lebensmittelkontrolleure.“

Honig aus dem Supermarkt - ein Naturprodukt?

Auch bei Honig stoßen die Kontrolleure immer wieder auf Fälschungen. „Überall dort, wo Lebensmittel teuer sind, ist der Anreiz für Betrüger hoch“, so Weimar-Ehl. „Wenn ich da nur ein Prozent Fremdzutat beimische, kann ich in der Masse hohe Gewinne erzielen.“ 6.000 Tonnen Honig werden in Deutschland produziert, doch insgesamt verzehren wir 90.000 Tonnen pro Jahr - das meiste wird also importiert. „Und chinesischer Honig kostet gerade einmal die Hälfte von europäischem Honig“, sagt Weimar-Ehl. Wie das geht? „Häufig wird dort der Honig unreif geerntet und maschinell durch Erhitzen zur Reife gebracht“, erklärt die Ernährungsexpertin. Mit anderen Worten: Der Honig wird nicht von den Bienen sondern von Maschinen getrocknet. Und auch bei Honig wird im Produktionsprozess häufig gepanscht: Meist wird dabei der Honig durch Beimischen von billigem Zuckersirup einfach gestreckt.

Wie können sich Verbraucher schützen?

Ernährungsexpertin Weimar-Ehl empfiehlt, den Honig direkt beim regionalen Imker zu kaufen. Bei Olivenöl ist das meist nicht so einfach: Die globalen Lieferketten sind so kompliziert, dass selbst die Hersteller nicht mehr exakt nachvollziehen können, von welchem Olivenbauern ihre jeweiligen Chargen kommen. Dennoch gibt es ein paar Indizien, die Verbraucher beachten können.

Guter Geschmack = Gute Qualität?

Doch selbst für Experten ist es manchmal schwer, festzustellen, ob ein Öl gestreckt oder gepanscht wurde. Selbst minderwertiges Lamptanöl lässt sich mit ein paar Eingriffen so modifizieren, dass es nicht mehr muffig oder ranzig riecht, und mischt man das unter hochwertiges Olivenöl, schmeckt es sogar ganz passabel. Auch ob beim Honig nachträglich Zuckersirup beigemischt wurde, ist für den Verbraucher geschmacklich kaum erkennbar. Hochwertiger Honig sollte intensiv nach der jeweiligen Blüte schmecken. Hochwertiges Olivenöl schmeckt bitter, leicht scharf und sollte fruchtig riechen.

Der Preis als Indiz für gute Qualität

„Wenn man den Liter schon für 3 oder 5 Euro bekommt, sollte das stutzig machen“, sagt Theresia Weimar-Ehl. Ein hochwertiges Olivenöl hat seinen Preis. „Wenn ich davon ausgehe, dass der Produzent 3 Euro bekommt, muss ich mit mindestens 10, eher 13 Euro für einen Liter hochwertigen Olivenöls rechnen.“ Der Preis kann also ein Indiz für hohe Qualität sein - eine Garantie ist er aber nicht. 

Auf Etiketten und Siegel achten: „D.O.P.“ und „g.U.“

Je eindeutiger und aussagekräftiger die Herkunftsbezeichnung auf dem Etikett ist, desto besser. Für „natives Olivenöl extra" werden zusätzlich zwei Herkunftssiegel ausgegeben: Das blaue Gütesiegel I.G.P. (Indicazione Geografica Protetta) bedeutet lediglich, dass einer der drei Produktionsschritte - also Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung - innerhalb des dort angegebenen Gebietes stattgefunden haben muss. Das rote Gütesiegel D.O.P. - „Denominazione d'Origine Protetta“ (in Deutschland „g.U.“, also „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und in Frankreich AOP : „appellation d'origine protégée“) gibt Auskunft darüber, dass in dem angegebenen Gebiet, also z.B. der Provence, alle drei Arbeitsschritte zur Produktion des Öls stattgefunden haben: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung. 

Honig-Mischungen vermeiden

Auch bei Honig sollte man darauf achten, dass der Honig in einer genau angegebenen Region geerntet wurde. Wenn stattdessen im Kleingedruckten auf der Rückseite „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern” zu lesen ist, handelt es sich um ein Industrieprodukt. Und das hat sehr wahrscheinlich viele gesundheitsfördernde Eigenschaften von Honig eingebüßt. 

Keine Gesundheitsgefahr?

Immerhin: Ein echtes Risiko für den Verbraucher stellen die Fälschungen nicht dar. „Mit Zucker gestreckter Honig oder mit Rapsöl gemischtes Olivenöl bergen keine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher“, sagt Weimar-Ehl. „Aber es ist Betrug - denn der Verbraucher erwartet ein anderes Produkt.“ Und um diesen Betrug einzudämmen, bräuchten wir weit mehr Kontrollen für die Lebensmittelindustrie, fordert die Verbraucherschützerin. 

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.