Heizöl (Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Klimafreundlich heizen

Karin Meyer   25.09.2019 | 11:35 Uhr

Heizen soll teurer werden. Ob Öl oder Gas – ab 2021 fallen zusätzliche CO2 Kosten an. So steht es im Klimaschutzpaket der Bundesregierung. Was das heißt und wie sie jetzt schon klimafreundliche heizen können, erfahren sie im SR3-Verbrauchertipp.

Ab 2026 soll der Einbau neuer Ölheizungen komplett verboten. Das gilt sowohl im Neubau als auch bei der Renovierung von Altbauten. Das bestätigt ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Wer allerdings eine Ölheizung betreibt, kann das auch in Zukunft tun. „Es handelt sich nur um eine Sanierungsvorgabe“, sagt Energieberater Reinhard Schneeweiss von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Zusätzliche Kosten für CO2?

Ab 2021 werden auf Öl und Gas über den Zertifikatehandel zusätzliche Kosten anfallen. Zunächst sollen die Zertifikate 10 Euro kosten, der Preis soll aber auf 35 Euro steigen. Im ersten Schritt ist die Belastung gering, so Energieberater Reinhard Schneeweis. Die Kilowattstunde aus der Ölheizung wird mit 0,3 Cent belastet. Zu wenig, sagt der Energieberater. Er spricht von Null-Wirkung fürs Klima.

SR 3-Verbrauchertipp: Klimafreundlich heizen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 25.09.2019, Länge: 06:46 Min.]
SR 3-Verbrauchertipp: Klimafreundlich heizen

Wer klimafreundlich heizen will, dem empfiehlt Reinhard Schneeweiss eine Pelletheizung. Dafür gebe es genügend Holz. In Deutschland und Europa gebe es derzeit einen Holzüberschuss. Pellets seien ein Abfallprodukt, bei dem man keine ökologischen Bedenken haben müsse. Für eine Hollpelletheizung wird ein Lagerraum gebraucht, betont Ralph Schmidt von der ARGE Solar. Die Heizung sei etwas störanfälliger als eine Gasheizung. Wichtig sei deshalb auf ausgereifte Technik zu setzen.

Klimaschonende Wärmepumpen

Empfehlenswert und klimaschonend sind Wärmepumpen mit Tiefenbohrung. Sie nutzen Erdwärme, können aber nicht überall eingesetzt werden. Weniger effizient sind Luftwärmepumpen, können aber immer noch günstiger sein als Ölheizungen, so Reinhard Schneeweiss. Allerdings: Wärmepumpen werden mit Strom betrieben. Auch hier fallen Kosten und CO2 Emissionen an. Vor allem bei Erdwärme sind die Anschaffungskosten hoch.

Etwas effizienter als eine Ölheizung ist Gas. Aber genau wie Öl ist Erdgas ein fossiler Brennstoff. Mit Biogas oder synthetischen Brennstoffen betrieben, kann die Gasheizung in Zukunft auch dazu beitragen, den Anteil der Erneuerbaren Energien zu steigern.

Bei Solarthermie ist Energieberater Reinhard Schneeweiss skeptisch. Die Verbraucherzentrale habe festgestellt, dass ein Großteil der solarthermischen Anlagen Mängel aufweise. De facto lieferten sie dann einen sehr geringen Beitrag zur Heizung. Es komme darauf an, wie gut die Installation gemacht sei. Die Anlagen müssten sehr gut eingestellt sein. Ralph Schmidt von der ARGE Solar hält Sonnenwärme als Heizungsergänzung dennoch für sinnvoll.

Die Brenstoffzelle zum Heizen arbeitet derzeit auf Gasbasis. Wenn Erdgas verwendet wird, ist der Brennstoff weiter fossil. Interessant und damit klimafreundlich ist die Brennstoffzelle erst, wenn Wasserstoff aus Wasser verwendet wird.

Rechtzeitig planen

Wer klimafreundlich heizen und eine neue Heizung einbauen will, der sollte rechtzeitig planen und sich beraten lassen, sagt Ralph Schmidt von der ARGE Solar. Er rät Hausbesitzern, Heizsysteme zu kombinieren. Etwa Gaskessel mit Kraft-Wärmekopplung, Wärmepumpe oder Solarthermie. Solche Hybridanlagen können erneuerbare und fossile Brennstoffe kombinieren. Vor allem die Wärmepumpe sieht Ralph Schmidt als Übergangstechnologie für die nächsten Jahre.

Hintergrund: der Anteil der Erneuerbaren Energien beim Heizen liegt in Deutschland bei rund 14 Prozent. Bei der Stromerzeugung bereits bei etwa 40 Prozent.

Energiesparen hilft

Dem Klima und dem Geldbeutel zuliebe macht Energiesparen Sinn. Dafür gibt es viele kleine Maßnahmen, die man schnell umsetzen kann. Tipps von Reinhard Schneeweiss:

  • Die Heizung optimieren mit dem hydraulischen Abgleich: Der Durchfluss des Wassers durch die Heizung wird so eingestellt, dass die Heizkörper optimal versorgt werden. Dadurch kann man bis zu 15 Prozent Energie einsparen.
  • Raumtemperatur richtig regeln, einen Außentemperaturfühler anbringen
  • Heizkörpernischen dämmen

Über Energiesparen werde bisher zu wenig gesprochen, so Reinhard Schneeweiss. Für ihn gehört dazu auch, das Haus zu dämmen, Fenster austauschen, Dach zu isolieren. Diese Maßnahmen finanzieren sich durch die eingesparten Kosten. Allerdings nur über viele Jahre.

Förderung für Heizungstausch

Wer eine alte Ölheizung durch eine moderne Brennwertheizung ersetzt, kann von der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Zuschuss von mindestens 10 Prozent bekommen. Wenn man zusätzlich einen hydraulischen Abgleich durchführt, erhält man sogar einen Zuschuss von 15 Prozent.

Das Klimaschutzprogramm sieht Zuschüsse von 40 Prozent beim Tausch einer Ölheizung vor. Ab wann sie gezahlt werden und wer sie erhält, steht noch nicht fest.

Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten der KfW und der Bundesregierung.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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