Eine Pflegekraft misst Blutdruck bei einer älteren Dame zu Hause (Foto: dpa/Angelika Warmuth)

24-Stunden-Betreuung

Sarah Sassou   18.09.2019 | 11:00 Uhr

Wenn die betagten Eltern zum Pflegefall werden und nicht mehr alleine bleiben können, dann stellt das die Kinder oft ein Problem: Wie lässt sich die Berufstätigkeit mit der Betreuung vereinbaren? Eine Lösung könnte die Unterbringung in einem Pflegeheim sein, aber viele Senioren wollen zuhause bleiben und dort betreut werden.

SR 3-Verbrauchertipp: 24-Stunden-Betreuung
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 18.09.2019, Länge: 05:51 Min.]
SR 3-Verbrauchertipp: 24-Stunden-Betreuung

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat die Bundesverbraucherzentrale einen deutlichen Anstieg der Vermittlungsagenturen für 24-Stunden-Betreuung beobachtet. Die Betreuungskräfte, die vermittelt werden, sind meist Frauen aus osteuropäischen EU-Ländern wie Polen, Bulgarien und Rumänien. In ihren Heimatländern gibt es kaum Arbeit und ist zudem schlecht bezahlt. Mit den Einkünften einer Betreuungsstelle in Deutschland können sie ihre Familien dagegen ernähren.

Seriöse Agenturen erkennen

Die Hilfslosigkeit der pflegenden Angehörigen einerseits und die wirtschaftliche Notlage der Betreuungskräfte aus Osteuropa auf der anderen Seite nutzten viele Vermittlungsagenturen aus, kritisieren sowohl Verbrauchschützer als auch Pflegefachkräfte.

Wer sich bei der Suche nach einer Betreuungskraft an eine Agentur wendet, hat in der Regel nur wenig Anhaltspunkte, ob die Firma seriös ist. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es derzeit keine aussagekräftige Zertifizierung gebe, auch wenn viele Agenturen mit TÜV-Zertifikaten oder ähnlichem werben würden. Sie rät dazu, sich die Musterverträge zur Vermittlung genau anzusehen.

Prinzipiell sollte man bei einem Betreuungsvertrag auf folgendes achten:

  • Ein Vertrag mit einer Agentur sollte auf jeden Fall schriftlich vorliegen.
  • Pflegebedürftige sollten den Vertrag jederzeit kündigen können.
  • Von Pflegerseite aus sollte die Kündigungsfrist möglichst lange sein.
  • Es sollte sichergestellt sein, dass sich die ausländische Betreuungskraft in Deutsch verständigen kann.
  • Preise und Leistungen sollten genau aufgeführt sein.
  • Auch sollte geregelt sein, wer die Heimfahrten der Betreuungskraft zahlt.

Ausländische Firma, deutsche Vermittler

Häufig sind die 24-Stunden-Kräfte bei einer Firma mit Sitz im Ausland angestellt. Mit diesen Firmen haben die deutschen Verbraucher, die eine Betreuungskraft beschäftigen, einen Betreuungsvertrag - und nicht etwa mit der Vermittlungsagentur vor Ort, wie viele Verbraucher glauben.

Gibt es Probleme, kann die Vermittlungsagentur oftmals nicht weiterhelfen. Sie ist auch nicht haftbar und für die Sicherstellung der Arbeitsqualität verantwortlich.

Wer eine 24-Stunden-Betreuung beschäftigt, der sollte sich zudem genau erkundigen, ob die Pflegekraft tatsächlich angestellt ist oder selbstständig arbeitet. EU-Bürger dürfen auch in anderen EU-Ländern ein Gewerbe anmelden. Werden hier die gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten, läuft man als Arbeitgeber einer Betreuungskraft Gefahr, diese illegal zu beschäftigen.

Auch sollte geklärt sein, ob sie ausreichend versichert ist.

Tag-und-Nacht-Betreuung heißt nicht rund um die Uhr

Auch 24-Stunden-Kräfte dürfen nicht rund um die Uhr arbeiten, das sehen die deutschen Arbeitsschutzbestimmungen vor. Wer eine solche Kraft beschäftigt, der muss darauf achten, dass sie einen Acht-Stunden-Tag mit Pausen hat und nur sechs Tage in der Woche arbeitet.

Wenn Angehörige Probleme haben, die Betreuung unter Einhaltung des Arbeitsschutzes zu organisieren, können sie sich bei den im Land verteilten Pflegestützpunkten Hilfe holen oder sich von den Sozialdiensten beraten lassen. Dort erfahren sie auch, welche Möglichkeiten es gibt, staatliche Unterstützung zu bekommen, zum Beispiel über Pflegegeld.

Da die Firmen, die die Kräfte aus dem Ausland entsenden, keine Verträge mit den Pflegekassen haben, ist die 24-Stunden-Betreuung aus dem Ausland und ihre Finanzierung prinzipiell Privatsache, darauf weist die Verbraucherzentrale

Weitere Informationen: www.pflegevertraege.de

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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