Handydisplay (Foto: SR)

Sicher mit dem Smartphone in den Urlaub

Roaming- und Kostenfallen für im Ausland

Eva Lippold   13.06.2018 | 10:40 Uhr

Seit dem 15. Juni 2017 gibt es die sogenannte EU-Roaming-Verordnung. Seither heißt es auch im EU-Ausland: „Roam like at home“ - Telefonieren und Surfen wie zuhause. Die Roaming-Gebühren fallen weg. Doch auch ein Jahr nach ihrem Inkrafttreten finden einige Anbieter Schlupflöcher, um die EU-Verordnung zu umgehen. Und es gibt noch andere Gefahren und Kostenfallen beim Telefonieren mit dem Smartphone im Urlaub.

Extra-Kosten trotz der EU-Roaming-Verordnung?

Eigentlich gelten für deutsche Mobilfunknutzer im EU-Ausland exakt dieselben Preise für Datennutzung, Telefonie und SMS wie daheim. Doch einige Anbieter umschiffen die EU-Roaming-Verordnung durch spezielle Tarife. So bietet zum Beispiel o2 Telefonica eine sogenannte „EU Roaming Flat“. Zwar bietet die den Vorteil, dass mit ihr das Surfen auch in der Schweiz kostenlos ist. In anderen Fällen jedoch gereicht sie dem Kunden zum Nachteil, da sie ihr Datenvolumen im EU-Ausland auf 1 Gigabyte drosselt - auch wenn der Kunde eigentlich ein höheres Datenvolumen gebucht hat. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) kritisiert zudem, dass o2-Kunden erst selbst aktiv werden müssen, um das kostenlose EU-Roaming nutzen zu können. Sie müssen sich per SMS dafür anmelden. „Unserer Ansicht nach liegt darin ein Verstoß gegen die EU-Verordnung, wonach der Roaming-Tarif vielmehr automatisch angewendet werden müsse, damit die Kunden ohne zusätzliche Gebühren im EU-Ausland telefonieren können“, sagt Jana Brockfeld vom VZBV. Die Verbraucherschützer haben das Unternehmen verklagt, Ende August wird darüber verhandelt. 

Wie kann man sich vor solchen Tarif-Fallen schützen?

Verbraucher sollten sich schon vor dem Urlaub genau informieren, welche Tarifoptionen sie gebucht haben und welche Kosten im Ausland in ihrem Tarif anfallen. „Sollte der Tarif nicht die gleichen Bedingungen bieten, wie in der EU-Verordnung festgelegt, müssen Anbieter ihn auf Anfrage binnen 24 Stunden ändern“, erklärt Verbraucherschützerin Eva Ludwig.

Kostenfallen Schiff und Flugzeug

Vor allem bei Schiffsreisen können die Handykosten schnell explodieren. Und das gilt nicht nur für transatlantische Kreuzfahrten sondern zum Beispiel auch schon für die Fähre von Livorno nach Sardinien. Denn schon ein paar Meilen hinter der Küste beginnen internationale Gewässer, loggt sich das Handy in eine Satellitenverbindung ein. Und wenn dann die automatische Netzwahl und das Datenroaming eingeschaltet ist, kann das richtig teuer werden. Und auch im Flugzeug und in der Schweiz gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht. 

Datenroaming im Nicht-EU-Ausland ausschalten

Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale Merzig empfiehlt, vor der Reise unbedingt die Geräteeinstellungen zu überprüfen, und das Datenroaming auszuschalten. Bei Fährverbindungen und Kreuzfahrten unbedingt beim Reiseveranstalter erkundigen, welche Gebühren für das Schiffs-WLAN anfallen. Wer auf Reisen nicht auf die mobile Datenverbindung verzichten möchte, kann vor dem Urlaub einen speziellen, an das Reiseziel angepassten Tarif buchen.

Nicht blind dem Kosten-Airbag vertrauen

Ab einer Obergrenze von 50 Euro für Datenverbindungen im Ausland müssen Anbieter ihre Kunden warnen. Deshalb sollten Handynutzer grundsätzlich auf eingehende SMS achten. Allerdings hat auch der Kosten-Airbag einen Haken: Er funktioniert nur, wenn der Betreiber eines besuchten Netzes in dem besuchten Land zulässt, dass die Datennutzung in Echtzeit erfasst wird.

Vorsicht bei 0180er-Nummern, Mailbox und speziellen Handy-Flats

Für 0180er-Nummern und sogenannte Community-Flags, bei denen Verbraucher eine bestimmte Auswahl an Nummern kostenlos anwählen können, gilt die EU-Roaming-Verordnung nicht. Auch hier können zusätzliche Kosten anfallen. Und auch das Abhören der Mailbox im Urlaub kann teuer werden - besser man schaltet sie vorher aus.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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