Ärger über einen leeren Briefkasten (Foto: Imago / Paul von Stroheim)

Wenn die Post mal wieder verspätet kommt

Gut zu wissen

Sarah Sassou   05.01.2023 | 10:00 Uhr

Beim persönlichen Brief ist es ärgerlich, bei Rechnungen oder Behördenschreiben kann es richtig problematisch werden, wenn die Post zu spät kommt. Wie die rechtliche Lage ist und was man tun kann, wenn man bei der Briefpost auf Nummer sicher gehen will.

Schon wieder nichts im Briefkasten, dabei sollte der Brief von der Versicherung doch längst da sein. Oder die Krankmeldung. Oder die Glückwunschkarte von Tante Gabi.

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Gut zu wissen: Wenn die Post mal wieder verspätet kommt
Audio [SR 3, Moderation: Christian Job, 05.01.2023, Länge: 06:03 Min.]
Gut zu wissen: Wenn die Post mal wieder verspätet kommt
Studiogespräch mit Sarah Sassou aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

Ob ein Brief zeitnah ankommt, scheint seit ein paar Monaten Glückssache zu sein. Die Post hat eingeräumt, dass sie Probleme hat, ausreichend Zusteller zu finden, die dann auch mal bei Krankheitsausfällen einspringen können. Doch was kann man als Kunde tun, um Briefe sicher und schnell zu versenden oder zu empfangen?

Die Verpflichtung der Post

Die Dienstleistungen der Post sind etwas Besonderes und gesetzlich geregelt. Dazu gehört das Briefgeheimnis: Briefe dürfen nicht geöffnet werden. Außerdem ist die Post dazu verpflichtet, Briefe in den Briefkasten des Empfängers einzuwerfen oder sie persönlich zu übergeben. 

Oft gibt es zum Brief, der im Briefkasten oder persönlich zugestellt werden muss, keine Alternative. Behördliche Schreiben wie Wahlunterlagen oder auch Versicherungs- und andere Vertragsdokumente müssen schriftlich versendet werden.

Fristversäumung in der Regel Problem des Absenders

Eine Frau öffnet ihre Post und findet eine Rechnung. (Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose)

Wenn man solche Unterlage nicht bekommt oder erst viel später und so eine Frist versäumt, ist das in der Regel das Problem des Absenders, nicht des Empfängers. Dazu gibt es einige Gerichtsurteile, in denen zum Beispiel Empfänger von Rechnungen keine Mahngebühren zahlen müssen, weil der Absender nicht nachweisen konnte, eine Rechnung losgeschickt zu haben.

Auf Nummer sicher gehen: per Einschreiben versenden

Ist man selbst der Absender und geht ein Standardbrief verloren, gibt es kein Recht auf Schadensersatz.

Bei einem Einschreiben, das nicht ankommt, sieht das anders aus. Eine solche Sendung ist bis zu 25 Euro versichert. Doch häufig geht es gar nicht um den Wert des Briefinhalts, sondern um die Einhaltung von rechtlichen Fristen. Wer also ein wichtiges Schreiben zu versenden hat, sollte immer per Einschreiben versenden, denn dann kann man nachweisen, dass das Schreiben losgeschickt wurde und auch die Zustellung wird dokumentiert. Auch bei zusätzlichen Services wie Expresszustellungen, die extra kosten, ist die Post verpflichtet, ihre Versprechungen auch einzuhalten.

Die Fristen für die Postzustellung

Ein Briefträger der Deutschen Post verteilt mit Hilfe eines Fahrrades Postsendungen. (Foto: picture alliance / dpa | Julian Stratenschulte)

Mindestens 80 Prozent der Briefsendungen müssen im Jahresdurchschnitt am folgenden Werktag ausgeliefert werden, so schreibt es das Postgesetz vor. 95 Prozent der Briefsendungen müssen nach zwei Werktagen ankommen.

Es gibt jedoch grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch, dass ein einzelner Brief innerhalb dieser Fristen befördert wird. „Denn das ist nur ein Durchschnittswert und den kann die Post auch einhalten“, sagt Klaus Gettwart vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT). Er überwacht für Geschäftskunden unter anderem, wie lange deren Post unterwegs und wie gut die Qualität der Zustellung ist.

2021 waren laut Statistischem Bundesamt rund 14,2 Milliarden Briefe verschickt worden. „Davon sind etwa 85 Prozent Geschäftsbriefe“, sagt Gettwart. Sein Verband überprüft regelmäßig, wie lange Briefe unterwegs sind, macht also Laufzeitmessungen. Das Ergebnis: Vor allem bei Sendungen über weite Strecken kommt es vor, dass sie länger als zwei Tage unterwegs sind oder dass sie nicht in regelmäßigen Abständen zugestellt werden.   

 Briefsendungen im Blick behalten

„Man muss fairerweise sagen: Die Post ist dabei, ihren Service zu verbessern“, sagt Klaus Gettwart. Dazu gehört zum Beispiel eine Art Sendungsverfolgung eines aufgegebenen Briefes.

Benutzt man eine Briefmarke mit einem sogenannten Matrix-Code, kann man mittels einer App auf dem Smartphone sehen, wo er gerade ist. „Dann kann man schauen, wie lange er bis zum Briefezentrum gebraucht hat, das in meinem Wohnbereich zuständig ist“, so Gettwart. Allerdings gebe es die meisten Zustellprobleme erst danach, räumt er auch ein. Weil der Post die Zusteller fehlten. 

Tipp der Stiftung Warentest: In der Post&DHL-App sowie bei GMX und Web.de kann man sich kostenlos für die Briefankündigung der Deutschen Post registrieren. Dann bekommt man in der App oder per E-Mail eine Ankündigung der Briefe, die unterwegs sind und ein Foto des Briefumschlags mit Adressen – datenschutzkonform.

Private Dienstleister

Außerdem hat man immer die Wahl: Absender können frei entscheiden, welchen Anbieter sie für die Zustellung des Briefs wählen. Das muss nicht immer die Post sein. Allerdings unterliegen die privaten Anbieter nicht den gesetzlichen Vorgaben, einen Großteil der Briefe innerhalb eines bzw. von zwei Tagen zuzustellen. Unter Umständen ist ein Brief dann sogar noch länger unterwegs als mit der Deutschen Post.

Beschwerdestelle

Wer mit dem Service der Deutschen Post oder eines anderen Dienstleister unzufrieden ist, der kann sich bei der Bundesnetzagentur beschweren. Die staatliche Stelle überwacht, ob die Post und andere Anbieter die gesetzlichen Vorgaben, an die sie sich halten müssen, auch einhalten.

Sich vor Ort zu beschweren, also beim Zusteller oder dem nächsten Briefezentrum, bringe eher nichts, sagt Klaus Gettwart vom Verband DVPT.

Wie viele Beschwerden es über die Deutsche Post im vergangenen Jahr gegeben hat, will das Unternehmen nicht offenlegen. Gegenüber Stiftung Warentest hieß es, das würden die Mitbewerber auch nicht tun. Immerhin hat die Bundesregierung schon begonnen, das 20 Jahre alte Postgesetz neu zu gestalten.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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