Ein Kreditvertrag und ein Bündel Geld (Foto: imago/Emil Umdorf)

Verbraucherkredite auf dem Prüfstand

Gut zu wissen

Sarah Sassou   21.04.2022 | 09:45 Uhr

Das sind keine einfachen Zeiten für Verbraucher. Vieles ist deutlich teurer geworden. Sparen ist also angesagt. Zum Beispiel, indem man Verbraucherkredite kündigt und einen Teil der Bestandteile zurück erhält. Doch dazu müssen bestimmt Voraussetzungen erfüllt sein.

Knapp bei Kasse, aber die teuren Kredite für das Auto und Möbel laufen noch? Es gibt die Möglichkeit, aus den Verträgen unbeschadet herauszukommen, denn deutsche Banken und Sparkassen haben bei Verbraucherkreditverträgen Fehler gemacht. Sie haben mitunter Kreditnehmer nicht ausreichend über Vertragsdetails informiert und sind damit intransparent und verbraucherunfreundlich.

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Gut zu wissen: Verbraucherkredite kündigen
Audio [SR 3, Sarah Sassou (c) SR, 21.04.2022, Länge: 03:39 Min.]
Gut zu wissen: Verbraucherkredite kündigen
Studiogespräch mit Sarah Sassou aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

So genannte Verbraucherkredite setzen sich oft aus Bestandteilen zusammen, die die Sache ziemlich teuer machen: Restschuld- oder Ratenkredite zum Beispiel. „Bei einem kürzlich entschiedenen Fall vor dem Landgericht Berlin, bei dem es um ein finanziertes Auto um Wert von 30.000 Euro ging, hat die Restschuldversicherung alleine rund 5000 Euro ausgemacht“, sagt Christoph Herrmann von Stiftung Warentest.

Ein guter Grund, solche Kredite zu widerrufen und die ganzen Nebenkosten zurückerstattet zu bekommen. Wichtig bei der Sache ist: Man macht keinen Gewinn. Denn hat man sich Geld für einen Kosumwunsch bei einer Bank geliehen, muss man die Summe natürlich zurückzahlen. Aber man zahlt eben nicht mehr, als man investiert hat oder zumindest nicht viel mehr.

Der Widerruf

Hat man mittlerweile einen Kredit mit günstigeren Zinssätzen gefunden, kann ein Widerruf des alten Vertrages sinnvoll sein. Hat man beispielsweise bei einem Versandhändler Ware finanziert und den Vertrag dann widerrufen, hat man oft das Recht, das Produkt zurückzugeben. „Man muss zwar einen Ersatz für den Wertverlust der Ware zahlen, aber der ist oft wesentlich geringer als der tatsächliche Wertverlust“, so Christoph Herrmann. Das könnte vor allem Autobesitzer interessieren, die ihren Wagen gerne los werden wollen.

Der Widerruf geht ganz einfach, indem man einen Brief aufsetzt und seinen Kredit widerruft. Doch nicht immer reagieren die Banken darauf. Herrmann rät in einem solchen Fall, die Verbraucherzentrale hinzuzuziehen oder sich anwaltliche Hilfe zu holen. Mit einer Rechtschutzversicherung ist das dann kostenlos.

Widerrufsrecht auch auf gekündigte Verträge anwendbar

Das Widerrufsrecht gilt in der Regel auch für Verbraucherverträge, die bereits gekündigt worden sind. „Ganz oft ist das der Fall, wenn die Bank den Vertrag gekündigt hat, weil etwa Raten nicht gezahlt wurden“, erklärt Christoph Herrmann.

Auch dann kann man sich die gezahlten Beiträge zurückholen und damit die zusätzlichen Kosten, die nichts mit der Tilgung zu tun haben.

Der Bundesgerichtshof, das höchste deutsche Gericht, war zunächst noch der Meinung, dass die Verträge in Ordnung sind. Aber die meisten Gerichte, die solche Fälle von Kreditnehmern bearbeiten, orientieren sich an der EuGH-Entscheidung.

Nun müssen die Banken, Sparkassen ihre Kreditverträge umstellen. Aber offenbar sei das noch nicht in großem Stil erfolgt, so Herrmann. „Dabei ist doch ganz klar, was zu tun ist“, findet er. Die Kunden besser über das informieren, was die da abschließen. 

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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