Urlaubsplanung (Foto: SR)

Urlaubsplanung: Was darf der Chef vorgeben, was nicht?

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   04.11.2021 | 10:00 Uhr

Für einige beginnen schon jetzt die Vorplanungen für den Urlaub im kommenden Jahr. Manch einer versucht, Brückentage geschickt auszunutzen, andere schauen nach den Schul- und Werksferien und bei wiederum anderen möchte der Chef die Urlaubsplanung für 2022 schon haben. Aber welche Rechte habe ich eigentlich? Darf mein Chef mir vorschreiben, wann ich Urlaub mache?

Für manch einen ist es ein richtiger Sport, die Brückentage perfekt auszunutzen, um möglichst viel frei zu haben und dafür wenig Urlaubstage nehmen zu müssen. Doch eines sollte man immer wissen: Der Chef hat bei der Urlaubsplanung seiner Mitarbeiter durchaus ein Wort mitzureden.

Urlaubsanspruch: Mindestens 24 Werktage

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub. Dieser ergibt sich zunächst aus dem Bundesurlaubsgesetz.

Gut zu Wissen: Urlaub planen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege(c) SR, 04.11.2021, Länge: 07:15 Min.]
Gut zu Wissen: Urlaub planen
SR- Reporterin Yvonne Schleinhege hat die Infos zur Urlaubsplanung zusammengefasst.

In einem Kalenderjahr haben ausnahmslos alle Arbeitnehmer einen Mindestanspruch auf einen Erholungsurlaub von 24 Werktagen. Höhere Ansprüche ergeben sich dann aus Tarifverträgen oder aus dem Einzelarbeitsvertrag, schreibt die Arbeitskammer des Saarlandes.

Wichtig ist, dass sich dieser Mindesturlaub auf Werktage bezieht und der Samstag auch ein Werktag sei, erklärt die Geschäftsführerin Beatrice Zeiger. Da meistens nicht an sechs Tagen pro Woche gearbeitet werden muss, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Urlaubsanspruch von Werktagen auf Arbeitstage (5 Tage pro Woche) umzurechnen.

Urlaubswünsche: Was müssen die Vorgesetzten berücksichtigen?

Ganz grundsätzlich legt der Arbeitgeber den Urlaub fest. Nach Paragraph 7 des Bundesurlaubsgesetzes habe der Arbeitnehmer aber durchaus das Recht, seine Wünsche zu äußern, und der Arbeitgeber sollte dann auch drauf eingehen, so die Arbeitskammer Geschäftsführerin. Es sei denn betriebsbedingte Gründe sprechen gegen die Urlaubsgewährung, oder aber wenn der Arbeitgeber Urlaubswünsche von sozial schutzwürdigeren Beschäftigten (z.B. mit schulpflichtigen Kindern) vorrangig erfüllen müsse. Auf Kollegen oder Kollegeninnen mit Kindern muss nämlich Rücksicht genommen werden.

Gibt es in einem Unternehmen festgelegte Werksferien, dann gelten diese auch für alle Arbeitnehmer. Allerdings darf der Arbeitgeber nicht den kompletten Urlaub als Werksferien vorschreiben. Etwa zwei Fünftel seiner Urlaubstage sollte der Arbeitnehmer frei planen können, so die Expertin Zeiger. Grundsätzlich habe der Arbeitgeber auch zu schauen, dass alle Arbeitnehmer fair und gleich behandelt werden. Er muss natürlich nicht akzeptieren, wenn sich ein Mitarbeiter alle Brückentage sichert. Gibt es etwas Streit unter den Kollegen, weil alle zur selben Zeit in den Schulferien Urlaub haben möchten, muss der Arbeitgeber eine gerechte Lösung finden. Grundsätzlich empfiehlt die Arbeitskammer, die Urlaubsplanung vorab mit den Kollegen zu besprechen.

Frühzeitiges Planen: Was darf der Arbeitgeber verlangen?

In vielen Unternehmen ist es so, dass der Arbeitgeber bereits zum Jahresende die Urlaubsplanung für das folgende Jahr verlangt. Dies dürfe er auch durchaus tun, so Beatrice Zeiger. Schließlich gehe es auch immer darum, dass betriebliche Abläufe aufrechterhalten werden müssten. Allerdings dürfe er nicht erwarten, dass der Arbeitnehmer alle Urlaubstage für das Folgejahr festlegt. Etwa ein Drittel der Urlaubstage sollten dem Arbeitnehmer durchaus flexibel zur Verfügung stehen, erklärt die Geschäftsführerin der Arbeitskammer.

Urlaub kurzfristig canceln: Was ist erlaubt?

Auch wenn man den Urlaub nach bestem Gewissen und in Absprache mit den Kollegen geplant hat, kann sich im Unternehmen natürlich auch immer eine Sondersituation ergeben, zum Beispiel kommen wichtige und kurzfristige Aufträge rein. In solchen Fällen, also bei dringender betrieblicher Notwendigkeit, darf der Arbeitgeber auch fest zugesagten Urlaub streichen. Allerdings hat er den Schaden (z.B. Stornierungskosten einer gebuchten Reise) zu ersetzen, der entsteht, weil sich der Arbeitnehmer auf die Zusage zulässigerweise verlassen hat. Wichtig: Wenn man bereits im Urlaub ist, darf der Vorgesetzte einen nicht zurückrufen.

Weiterführende Infos: www.arbeitskammer.de

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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