Modellfiguren eines Paars mit Kind stehen auf Geldmünzen und -scheinen (Foto: dpa/Andreas Gebert)

Wohngeld, Heizkostenzuschuss & Co.

"Gut zu wissen": Finanzielle Unterstützung vom Staat

Yvonne Schleinhege   11.08.2022 | 09:30 Uhr

Die Ausgaben steigen und steigen und sorgen dafür, dass gerade für Haushalte mit kleinerem Einkommen das Geld immer knapper wird. Dabei gibt es durchaus finanzielle Unterstützungsleistungen, die eine echte Entlastung sein könnten. Etwa das Wohngeld: ein monatlicher Zuschuss zur Miete oder den Wohnkosten für Eigentümer. Daneben gibt es im September auch einen Heizkostenzuschuss und Familien könnten einen Kinderzuschuss beantragen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die Lebenshaltungskosten scheinen teils zu explodieren. Viele fragen sich: "Wie soll ich das noch bezahlen?" Vom Staat werden vielfältige Zuschüsse angeboten, die etwas Geld in die Kasse bringen können. Ein Überblick.

Audio

Gut zu wissen: Finanzielle Unterstützung vom Staat
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege (c) SR, 11.08.2022, Länge: 05:53 Min.]
Gut zu wissen: Finanzielle Unterstützung vom Staat
Die Ausgaben steigen und steigen und sorgen dafür, dass gerade für Haushalte mit kleinerem Einkommen das Geld immer knapper wird. Dabei gibt es durchaus finanzielle Unterstützungsleistungen, die eine echte Entlastung sein könnten. Etwa das Wohngeld: ein monatlicher Zuschuss zur Miete oder den Wohnkosten für Eigentümer. Daneben gibt es im September auch einen Heizkostenzuschuss. SR-Reporterin Yvonne Schleinhege mit den näheren Informationen.

Dass das alltägliche Leben teurer wird, und auch die Corona-Pandemie bereits viele Haushalte im Saarland schwer belastet hat, merkt auch Andreas Westrich bei seiner Arbeit. Er ist Leiter der gemeinsamen Wohngeldstelle des Regionalverbandes Saarbrücken und des Landkreises Saarlouis in Völklingen. „Ich stelle fest, dass es seit mindestens zwei Jahren einen sehr hohen Beratungsbedarf gibt. Tendenz steigend.“

Aber er ist auch überzeugt: Viele würden das Wohngeld nicht nutzen, obwohl es ihnen zusteht. Dabei kann es eine echte finanzielle Unterstützung sein. Aktuell erhalten im ganzen Saarland rund 6000 Haushalte Wohngeld.

Was ist Wohngeld?

Grundsätzlich sollen mit dem Wohngeld einkommensschwache Familien oder Bürger bei der Zahlung ihrer Wohnkosten finanziell unterstützt werden. Dieses Wohngeld wird als Zuschuss gezahlt.

Auf Antrag erhalten Mieter einen Zuschuss zu ihrer Miete. Eigentümer eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung können das Wohngeld als sogenannten Lastenzuschuss für den selbstgenutzten Wohnraum beantragen. Hier könnten zum Beispiel die Kreditkosten übernommen werden, so Andreas Westrich. Und was viele nicht wissen: auch Alten- oder Pflegeheimbewohner sowie Rentner können einen Anspruch auf Wohngeld haben.

Wovon hängt die Zahlung von Wohngeld ab?

Ganz vereinfacht kann man sagen: Wohngeld steht Menschen zu, die arbeiten, aber nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt gänzlich allein zu bestreiten. Ob dieser Zuschuss gezahlt wird und in welcher Höhe, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab: etwa der Haushaltsgröße, der Höhe der Miete oder der finanziellen Belastung durch das Eigenheim, aber auch dem Einkommen und Vermögen des Haushaltes.

Die anrechenbare Miete ist gedeckelt und kann auch je nach Region variieren. Aktuell gibt es deshalb sieben verschiedene Mietstufen. „Die Mietstufe sieben wäre jetzt etwa München. Im Saarland haben wie die Mietstufen eins bis vier“, so Westrich.

Zu welche Stufe der eigene Wohnort gehört, kann auf der Seite des Bundesinnenministeriums nachgelesen werden. Im Schnitt haben Antragsteller in den vergangen Jahren rund 150 Euro im Monat erhalten, schreibt die Stiftung Warentest

Wer kein Wohngeld beantragen kann

Wichtig: Auch wenn es sehr von den individuellen Verhältnissen abhängt, ob und wie viel Wohngeld bezahlt wird, gibt es einige Fälle, bei denen es definitiv kein Wohngeld gibt.

Zum Beispiel, wenn man bereits andere soziale Leistungen vom Staat bekommt, bei denen die Unterkunftskosten bereits enthalten sind. Dazu zählen Empfänger von Arbeitslosengeld 2 oder der Grundsicherung, von Hilfe zum Lebensunterhalt (SGB XII), von Grundleistungen nach dem Asylbewerbergesetz oder Ausbildungsförderungshilfen (Schüler-Bafög, Berufsausbildungshilfe oder Bafög).

Auch Rentner und Arbeitslose sind berechtigt

Dazu gibt es noch einige weitere Fälle. Wohngeld kann allerdings zusätzlich zum Arbeitslosengeld 1 oder auch zur Rente beantragt werden. Beides gilt in diesem Fall als „normales“ Einkommen. Besonders Senioren mit einer sehr kleinen Rente seien typische Wohngeldempfänger, sagt Westrich.

Erste Hilfe: Wohngeldrechner und Wohngeldhotline

Wie es mit dem Anspruch auf Wohngeld ganz grundsätzlich aussieht, kann in einem ersten Schritt ein Online-Wohngeldrechner beantworten. Diesen findet man ebenfalls auf der Seite des Bundesinnenministeriums. Er bietet allerdings nur einen ersten Orientierungspunkt. Gleiches gilt auch für die Wohngeldhotline des Regionalverbandes Saarbrücken und den Landkreis Saarlouis. Hier könne man zumindest eine unverbindliche Tendenz bekommen, ob es einen Anspruch auch Wohngeld geben könnte, so der Leiter der Wohngeldstelle in Völklingen. Grundsätzlich rät der Experte dazu, einen Antrag zu stellen.

Wie Wohngeld beantragt wird

Auch hierbei gibt es Hilfe bei den örtlichen Wohngeldstellen, die es in jedem saarländischen Landkreis gibt. Dort kann der Antrag in Papierform gestellt werden.

Es gibt auch die Möglichkeit, es per Mail zu erledigen. Dafür braucht man allerdings einige Unterlagen: Dazu gehören natürlich Einkommensnachweise oder auch Unterlagen über die Vermögenswerte.

Mieter brauchen zudem noch den Mietvertrag. Wer eine eigene Immobilie besitzt, muss einen Eigentumsnachweis vorlegen, dazu die Unterlagen zu den Krediten oder auch den Grundsteuerbescheid. Die Wohngeldstelle kann darüber hinaus natürlich noch weitere Unterlagen anfordern. Das Wohngeld wird ganz allgemein für zwölf Monate bewilligt.

Zuschuss zu den Heizkosten

Damit Heizen auch für sozial schwächer gestellte Haushalte bezahlbar bleibt, hat die Bundesregierung bereits im Januar einen einmaligen Heizkostenzuschuss für die Empfänger von Wohngeld beschlossen.

Sie erhalten bei einer Person im Haushalt 270 Euro, einem Zwei-Personen-Haushalt stehen 350 Euro zu. Für jede weitere Person im Haushalt werden 70 Euro gezahlt.

Ausgezahlt wird dieser Zuschuss im Saarland im September, voraussichtlich über die Wohngeldstelle. Ein Antrag muss dabei nicht gestellt werden. Das Geld komme automatisch, sagt Andreas Westrich.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Anspruch auf den Heizkostenzuschuss haben nur Personen, die zwischen dem 01.10.21 und dem 31.03.22 mindestens einen Monat Wohngeld erhalten haben.

Kinderzuschlag: Weitere Unterstützung für Familien

Für Familien mit Kindern hat Andreas Westrich noch einen besonderen Hinweis. Gerade wenn sie Wohngeld bekommen, könnte es möglich sein, dass die Familien auch einen Anspruch auf den sogenannten Kinderzuschlag (KiZ) hätten. „Oft kann die Hilfsbedürftigkeit auch im Zusammenspiel von Wohngeld und Kinderzuschlag beseitigt werden“, weiß der Experte. Den können Eltern bekommen, wenn sie zwar genug Einkommen für sich selbst haben, aber nicht genug, um für den gesamten Bedarf der Familie aufzukommen.

Ausführliche Informationen gibt es hier über den sogenannten KiZ-Lotsen. Zuständig ist die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit.


Mehr zum Thema


Menschen in einer Fußgängerzone (Foto: SR Fernsehen)

Wohngeldbezug im Saarland

Im Saarland beziehen immer mehr Haushalte das sogenannte Wohngeld. Allein im Regionalverband Saarbrücken und im Landkreis Saarlouis ist die Zahl der Wohngeldempfänger in den vergangen zwei Jahren um rund 40 Prozent gestiegen. Aktuell beziehen über 6000 Haushalte im Saarland Wohngeld. 

Yvonne Schleinhege

Das Wohngeld soll einkommensschwache Personen oder Familien, die sonst keine Sozialleitungen erhalten, bei der Zahlung ihrer Wohnkosten finanziell unterstützt. Durch die Corona-Pandemie und Folgen des Ukraine-Krieges habe der Bedarf deutlich zugenommen, so der zuständige Abteilungsleiter im Sozialamt des Regionalverbandes Saarbrücken Andreas Westrich. Er rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Anträgen. Viele Berechtigte würden die finanzielle Unterstützung aber noch nicht nutzen, obwohl es innen zustehe, so Westrich weiter.

Aktuell werden im Saarland pro Monat rund 1,3 Millionen Euro Wohngeld ausgezahlt. Zuletzt wurde etwa vom Mieterbund eine Reform des Wohngeldes gefordert. Die Bundesregierung hat bereits eine Ausweitung des Berechtigtenkreises angekündigt. Aufgrund der steigenden Energiekosten erhalten unter anderem Wohngeldempfänger im Saarland im September den sogenannten Heizkostenzuschuss. Nach SR-Informationen werden an insgesamt rund 2,5 Millionen Euro ausgezahlt.

Ein Thema in der "Rundschau" am 11.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Steigende Energiekosten
Heizkostenzuschuss: Wer bekommt wieviel?
Wie der nächste Winter meteorologisch wird, wissen wir noch nicht. Sicher ist aber: Er wird sehr teuer. Um die massiv steigenden Energiekosten zumindest etwas auszugleichen, bekommen einige Haushalte einen Heizkostenzuschuss. Aber wer erhält wann wieviel?

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja