Videokonferenz im Home-Office (Foto: SR)

Der Spion im Homeoffice-Laptop

Yvonne Schleinhege   03.02.2021 | 11:43 Uhr

E-Mail-Postfach mitlesen, Internetverhalten auswerten, Tastatureingaben und Mausbewegungen aufzeichnen oder heimlich Webcam-Aufnahmen anfertigen: Technisch gibt es viele Möglichkeiten, die Arbeit von Angestellten im Büro oder im Homeoffice zu überwachen. Was ist erlaubt und was ist unzulässig?

Spitzel im Dienstlaptop – Überwachung im Homeoffice
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 03.02.2021, Länge: 05:41 Min.]
Spitzel im Dienstlaptop – Überwachung im Homeoffice

Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten aktuell im Homeoffice. Auch dort, wo es früher kaum denkbar war, ist es jetzt möglich. Doch sowohl für Arbeitnehmer und auch Arbeitgeber ist Heimarbeit absolutes Neuland. Klar ist: Homeoffice erfordert Vertrauen. Der Chef hat die Mitarbeiter nicht mehr im Blick. Manch einer hat da vielleicht das Gefühl, die Kontrolle über seine Mitarbeiter zu verlieren. Ein Indiz sind für die Stiftung Warentest zumindest die 2020 stark gestiegenen Verkaufszahlen von Software, mit der Firmen ihre Angestellten überwachen können. 

Überwachung nur unter sehr engen Voraussetzungen

Grundsätzlich gilt: eine permanente Überwachung der Mitarbeit im Homeoffice ist unzulässig. Die Möglichkeiten der Überwachung von Mitarbeitern sind in Deutschland sehr stark eingeschränkt und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Das meiste sei zu 100 Prozent verboten, sagt Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Wenn es aber um eine Straftat geht, zum Beispiel schweren Arbeitszeitbetrug, dann kann es möglich sein, zum Beispiel Software zu nutzen um das Arbeitsverhalten des Mitarbeiters auszukundschaften. Auch dann sollte der Arbeitgeber Rücksprache mit einem Fachanwalt halten, damit die Beweise auch zulässig sind.

Webcam-Überwachung und Keylogger

Es gibt Überwachungssoftware, die es Arbeitgebern ermöglicht die Kamera des Arbeitsrechners ihres Mitarbeiters zu kontrollieren. So können die Arbeitgeber prüfen, ob die Mitarbeiter wirklich am Rechner sitzen. Der Mitarbeiter bekommt davon nichts mit. Solche Aufnahmen sind nur zulässig, wenn ein gezielter Verdacht besteht, und die Überwachung per Webcam die einzige Möglichkeit ist, einen Arbeitszeitbetrug zu kontrollieren, schreibt die Stiftung Warentest in ihrer Februar-Ausgabe. Grundsätzlich sind heimliche Aufnahmen rechtswidrig. Über sogenannte Keylogger ist es möglich Mausbewegungen aufzuzeichnen. Will ein Chef diese Daten gegen einen Arbeitnehmer nutzen, wird er damit wenig Erfolg haben. Sie sind laut Stiftung Warentest unzulässig.

Digitales Stempeln und Arbeitszeitüberwachung

Aber es sind durchaus auch Dinge erlaubt, um zu kontrollieren, dass der Arbeitnehmer auch im Homeoffice arbeitet, sagt die Expertin Susanne Meunier. Der Arbeitgeber darf mit Hilfe der Log-In-Daten erfassen, wann sich der Mitarbeiter über den Arbeitsrechner in das Unternehmensnetzwerk eingeloggt hat und wann er sich wieder ausgeloggt. Das ist vergleichbar mit dem klassischen Stempeln. Hier gibt es ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes, dass Arbeitgeber Systeme einrichten muss um die Arbeitszeit der Arbeitnehmer zu erfassen. Hintergrund sind Arbeitszeitgesetze und mögliche Mehrarbeit.

Email-Postfach: Der Chef darf (manchmal) mitlesen

Ein Diskussionsthema sind immer wieder Emails. Grundsätzlich gilt: Email-Konten, Laptops oder auch Smartphones sind zunächst mal Eigentum des Arbeitgebers. Also darf der auch entscheiden, wie der Arbeitnehmer diese nutzen darf. Eine Überwachung der Mails kann zulässig sein. Entscheidend ist, wie die Nutzung des Email-Accounts im Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung geregelt ist. Wenn man private Mails über den Dienst-Account verschicken darf, dann ist eine Überwachung meist unzulässig (außer bei Verdacht auf eine Straftat). Der Arbeitgeber darf aber Einsicht in die dienstlichen Mails verlangen. Ist die private Nutzung des Mail-Accounts verboten, darf der Chef die Konten stichprobenartig überprüfen. Er muss aber die Mitarbeiter aber darüber informieren.

Browserverlauf: das Internetverhalten auswerten

Ähnlich sieht die Lage auch beim Surfen im Netz aus. Ist die private Nutzung des Internets über den Dienstlaptop per Arbeitsvertrag verboten, darf der Arbeitgeber den Browserverlauf auch ohne Wissen seines Angestellten auswerten, wenn er den konkreten Verdacht hat, dass dieser gegen die Regelungen verstößt. Die Daten dürfen dann gegebenenfalls auch im Kündigungsprozess genutzt werden, so Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Ist die private Internetznutzung hingegen erlaubt, darf der Chef den Browserverlauf auswerten, wenn er den begründeten Verdacht hat, dass der Mitarbeiter das private Surfen übertreibt.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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