Eine Seniorin telefoniert mit dem Smartphone (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Trickbetrug mit falscher Bankabfrage

Ratgeber "Gut zu wissen"

Sarah Sassou   09.06.2022 | 09:30 Uhr

Trickbetrüger sind einfallsreich, wenn es darum geht, Menschen um ihr Geld zu bringen. Sie geben sich am Telefon als Enkel aus, an der Haustür als Polizeibeamte oder als hilfsbedürftige Menschen in Not. Im Saarland sind jetzt Fälle von nicht autorisierten Überweisungen aufgetreten. Auch hier wurden die Opfer über das Telefon kontaktiert.

Claudia ist wütend. Betrüger haben ihre betagten Eltern um fast 3000 Euro gebracht – mit einer nicht autorisierten Überweisung. „Meine Eltern erhielten einen Anruf, am Telefon war eine junge Frau, die freundlich erklärte, dass sie Daten abgleichen müsse. Das sei im Zuge der Bankenfusion ihrer Hausbank notwendig", erzählt Claudia. Die Eltern hätten keinen Verdacht geschöpft, weil ihre Hausbank sich tatsächlich zu dem Zeitpunkt neu strukturierte und dies den Kunden auch mitgeteilt hatte.

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Gut zu wissen: Betrug mit gefälschter Überweisung
Audio [SR 3, Moderation: Eberhard Schilling, 09.06.2022, Länge: 05:07 Min.]
Gut zu wissen: Betrug mit gefälschter Überweisung

Verbrecher erschleichen sich wichtige Daten

EC-Karten verschiedener Banken (Foto: dpa)

Die Kriminelle am Telefon bat die Eltern von Claudia um die Kontonummer. „Sie wollte aber nur die letzten paar Stellen wissen. Das hörte sich für meine Eltern nicht verdächtig an. Sie kamen nicht auf die Idee, dass man sich die ersten Stellen mit gewissen Informationen selbst zusammenstellen kann.“ Und dann hätte die Betrügerin die für die Überweisung entscheidende Information noch abgefragt: die Kartennummer.

Nach dem Gespräch wollten Claudias Eltern dem Anruf doch noch mal auf den Grund gehen und suchten am selben Tag die Filiale ihrer Bank auf. Dort wusste man nichts von telefonischen Kundenabfragen und schlimmer noch: „Es waren fast 3000 Euro vom Konto abgeräumt“, so die Tochter.

Ein Mann steckt Hundert-Euroscheine ein. (Foto: IMAGO / Elmar Gubisch)

Das Geld war zunächst auf ein Privatkonto bei einer in Berlin ansässigen Bank gegangen. Von dort war es weiter überwiesen worden – auf ein sogenanntes Abräumkonto. „Damit war das Geld weg, weil sein Weg nicht mehr nachvollziehbar war. Und das Konto, auf das es zuerst ging, war mit einer gestohlenen Identität eröffnet worden, hat uns die Polizei gesagt.“

Trotz Vorwarnung auf die Masche reingefallen

Claudia ist klar, dass ihre Eltern fahrlässig gehandelt haben, als sie neben der Konto- auch noch die Kartennummer rausgaben. „Wir hatten da vorher drüber gesprochen, dass es Betrüger gibt, die über das Telefon Kontakt zu ihren Opfern aufnehmen. Und dass man am besten direkt auflegt, wenn man sich nicht sicher ist. Aber mein Vater sagte, die Frau sei so freundlich gewesen und die Geschichte so glaubhaft.“

Claudias Eltern hatten zumindest ein wenig Glück im Unglück. Ihre Bank hat zumindest einen Teil des Schadens ersetzt. Der Rest ist weg. Die Senioren haben teures Lehrgeld dafür bezahlt, dass sie künftig auf angebliche Anrufe ihrer Bank nicht mehr reagieren. 

Mit gekauften Adressen ans Geld

Viele Bankkunden wüssten gar nicht, dass die Banken die Kartennummer, die auf der EC-Karte aufgeprägt ist, zur Legitimierung bei einer Überweisung benutzten, sagt Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. „In dem besagten Fall ist der Überweisungsauftrag telefonisch übermittelt worden.“ Die Kontonummer hatten die Kriminellen vermutlich schon vorab, sagt Beutler. „Im Internet kann man solche Daten kaufen.“

Niemals Daten rausgeben!

„Wenn es um Finanz- oder Bankangelegenheiten geht, muss man sehr, sehr vorsichtig sein“, sagt Verbraucherschützer Beutler. „Da wird man ganz, ganz selten angerufen. Auch bei E-Mails handelt es sich meistens um Fälschungen.“ Und trotzdem werden in diesem Bereich seit Jahren immer wieder zahlreiche  Betrugsfälle registriert.

Die Täter sind meistens sehr freundlich und haben ausgeklügelte Maschen, um an die erforderlichen Informationen zu kommen. Deshalb gilt: Persönliche Daten sollten nicht über das Telefon, in E-Mails oder an Fremde an der Haustür rausgegeben werden.

Sofort alles unter dem Notruf 116 116 sperren lassen

Wenn man selbst Opfer von solchen Kriminellen geworden ist, rät Thomas Beutler dazu, sofort alle Karten und den Online-Banking-Zugang zu sperren. Das geht 24 Stunden unter dem Notruf 116 116. „Wir haben das schon erlebt, dass die Mitarbeiter beim Support nicht so auf Zack sind und zwar die Karten, aber nicht den Online-Zugang sperren“, sagt der Finanzexperte.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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