Aktienkurse (Foto: pixabay / PIX1861)

Schnelles Geld mit Trading?

Sarah Sassou   17.02.2021 | 10:40 Uhr

Beim Trading geht es darum, kurzfristig Geld in Aktien, Zertifikaten und andere Geldmarktinstrumenten anzulegen und sie dann rasch wieder mit Gewinn zu verkaufen. Der Handel läuft übers Internet. Die Vorstellung von schnell und leicht verdientem Geld lockt viele Menschen, die dann das Trading lernen wollen. Und wenn dann noch Werbung für Online Apps zum sogenannten Traden aufploppt, denkt man, man könnte es ja auch mal probieren.

Verführerisch – schnelles Geld durch Spekulieren an der Börse  

Gut zu wissen: Schnelles Geld mit Trading?
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 17.02.2021, Länge: 05:15 Min.]
Gut zu wissen: Schnelles Geld mit Trading?

Es hört sich so einfach an: Smartphone raus, ein paar Klicks auf der Online-Trading-Plattform und schon ist der Gewinn an der Börse auf dem Bankdepot. Beim Trading übers Internet lässt sich schnell viel Geld verdienen, so scheint es zumindest im Moment an der Börse ganz gut zu funktionieren. Denn Nachrichten über stark schwankende Aktien einzelner Unternehmen sind in Corona-Zeiten keine Seltenheit. Das lockt auch Kleinanleger in einen Bereich, in dem man sich jedoch unbedingt extrem gut auskennen sollte, sagt Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland.

Trading als kurzfristige Geldanlage

Beim Trading geht es darum, kurzfristig Geld in Aktien, Zertifikaten und andere Geldmarktinstrumenten anzulegen und sie dann rasch wieder mit Gewinn zu verkaufen. Der Handel läuft übers Internet. Eine risikoreiche Angelegenheit. Noch komplizierter wird es beim sogenannten Daytrading: Zur Börseneröffnung kaufen Trader Wertpapiere, um sie am Ende des Tages mit Börsenschluss wieder zu verkaufen. Sie setzen dabei auf die Tagesschwankungen des Aktienmarktes. Manche Anleger nutzen die Schwankungen aber auch über eine Tag hinaus – sie wetten sozusagen darauf, wie sich Indizes wie der Dax innerhalb eines bestimmten, aber kurzen Zeitraums entwickeln.

Musterdepots zum Üben

Dabei ist von oft traumhaften Renditen im zweistelligen Bereich die Rede. Ein weiterer Vorteil beim Trading: Man kann es bequem von zuhause aus machen, denn man braucht dafür nur ein Online-Bankdepot und ein Smartphone oder einen Computer mit Internetzugang.

Hobby-Trader kaufen nicht selbst an der Börse, sie wickeln ihre Geschäfte über sogenannte Broker ab. Aber nur die Ausstattung allein reiche noch nicht, um erfolgreich zu sein, sagt Finanzexperte Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. „Das Trading ist nur etwas für Profis.“ Denn nur sie verstünden die Regeln der Märkte und könnten die Entwicklungen ständig beobachten und auch einschätzen. Trading nebenher ist seiner Ansicht nach kaum möglich. Selbst ein Musterdepot zum Üben bringe nicht den gewünschten Lerneffekt. „Man geht mit den fiktiven Geldeinsätzen ganz anders um, als würde man sein echtes Geld einsetzen.“ Wenn es dann mit dem Musterdepot gut laufe, fühle man sich bereit für des richtige Trading – und scheitere dann oft. Das Geld sei dann weg.

Kann man Trading lernen?

Mittlerweile bieten spezielle Trading-Portale und auch einzelne Trader Online-Kurse an, um ihrer interessierten Kundschaft das Trading beizubringen. Thomas Beutler sieht auch diese Angebote kritisch: „Es stellt sich die Frage, ob diese selbsternannten Profi-Trader auch wirklich erfolgreich sind,“ oder ob es nicht vielmehr darum gehe, Anfängern Geld zu entlocken.

Auch Banken bieten ihren Kundinnen und Kunden Seminare an, um in die Kunst des Tradings reinzuschnuppern und zu sehen, ob diese Form der Geldanlage die richtige für sie ist. „Die Bank verdient immer, bei jedem Kauf, bei jedem Verkauf, Provision. Deswegen ist sie auch recht glücklich darüber, wenn die Anleger viel handeln. Für einen selbst bedeutet das aber: Wenn die Nebenkosten zu hoch sind, drückt das die Rendite sehr stark,“ so Beutler.

Für Amateure reine Glückssache

Thomas Beutler vergleicht das Trading mit dem Besuch eines Kasinos: Niemand weiß, ob der Geldeinsatz sich vermehrt oder ob er weg ist. Abgesehen davon gibt Beutler auch zu bedenken, dass man als Amateur im Trading-Bereich enormen psychischen Druck ausgesetzt sei. „Die Online-Handelsplattformen laufen in Echtzeit, das heißt, man  sieht, wie die Kurse sich sekündlich verändern und man kann das nicht beeinflussen.“ Je nach Entwicklung könne einen das euphorisch werden lassen, aber man könne auch in Depressionen verfallen. Soll ich nun verkaufen oder noch warten? Solche Entscheidungen zu treffen, an denen das eingesetzte Kapital hängt, ist eine extreme Stresssituation. „Das ist psychologisch eine große Herausforderung und deswegen nur für Profis mit sehr viel Disziplin", sagt Beutler.

Fazit: Hochriskant und nichts für nebenher

In Zeiten, in denen man bei sicheren Anlageprodukten von höchstens einem Prozent Zins ausgehen kann, wirken schnelle und hohe Gewinne verführerisch. Aber genauso schnell kann der Einsatz auch verloren sein. „Wer Geld vermehren will, für den gibt es sichere Möglichkeiten“, sagt Thomas Beutler. Das Trading zählt für ihn jedenfalls nicht dazu. Er zitiert den legendären Börsenexperten André Kostolany: "Ich weiß nicht, wie man an der Börse schnell reich wird. Aber ich weiß, wie man schnell arm wird. In dem man versucht schnell reich zu werden."

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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