Testament (Foto: SR)

Testament für Menschen mit Behinderungen

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   23.09.2020 | 10:40 Uhr

Der Wunsch der Eltern, dass ihr Kind auch nach ihrem Tod gut versorgt ist, dürfte besonders groß sein, wenn das Kind eine Behinderung hat. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass das Kind finanziell gut abgesichert ist und von einem Erben auch profitiert. Die wichtigsten Grundlagen klären wir in SR3 „Gut zu wissen“.

"Gut zu wissen":Testament für Menschen mit Behinderungen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 23.09.2020, Länge: 03:05 Min.]
"Gut zu wissen":Testament für Menschen mit Behinderungen

Zentral ist dabei natürlich, dass das Erbe auch bei den Angehörigen mit Behinderung ankommt. Unter Umständen kann es nämlich sein, dass der Staat sich einschaltet. Denn bezieht der betroffene Angehörige Sozialleistungen, wird sein Erbe mit den staatlichen Leistungen verrechnet wird. Wer erbt, verliert grundsätzlich seinen Anspruch auf Sozialhilfe, bis das Vermögen auf das sogenannte Schonvermögen (5.000 Euro) geschrumpft ist.

Vorsorgen mit dem Behindertentestament

Oft seien Kinder mit Behinderung, ggf. neben der Sozialhilfe, finanziell abhängig von ihren Eltern oder anderen Angehörigen. Geld wird etwa gebraucht für besondere Therapien, Urlaube oder persönliche Anschaffungen. Will man das auch so aufrechterhalten, brauche es ein spezielles, sogenanntes Behindertentestament, erklärt Sophie Mecchia von der Finanztest. Gerade als Eltern, möchte man ja, dass sein Kind über den Tod hinaus optimal versorgt. Natürlich gilt das auch für Ehepartner oder andere angehörige.

Vor- und Nacherbschaft

Juristisch ist so ein Behindertentestament durchaus kompliziert. Auch deshalb empfiehlt die Finanztest ausdrücklich, sich bei einem entsprechend fachkundigen Anwalt beraten zu lassen. Grundsätzlich umfasst dieses Testament zwei wichtige Regelungen: die Vor- und die Nacherbschaft und den Testamentsvollstrecker. Die Vor- und Nacherbschaft klärt, dass nach dem Tod des Menschen mit Behinderung (Vorerben) niemand für die Kosten der Sozialhilfe aufkommen muss, die für die Betreuung entstanden sind.

Testamentsvollstrecker

Möglich ist zum Beispiel, das Kind mit Behinderung zum Vorerben zu machen und ein weiteres Kind zum Nacherben. Der Vererbende kann auf diese Weise bestimmen, in welcher Reihenfolge und wie lange die Erven den Nachlass nutzen dürfen, so schreibt es die Finanztest. Ein Testamentsvollstrecker ist im Rahmen des Behindertentestaments verpflichtend. Er verwaltet die Vorerbschaft. Hier eigne sich besonders eine vertraute Person, so Sophie Mecchia von der Finanztest. Das können Verwandte   sein, oder auch ein Anwalt. Geregelt werden muss auch ein Ersatztestamentsvollstrecker.

Wofür soll das Erbe genutzt werden?

Solche Behindertentestamente gelten natürlich nicht nur für Kinder, sondern auch für Ehepartner oder andere Angehörige. Genau geregelt werden muss in allen Fällen, wie genau der Testamentsvollstrecker die Erbschaft auch verwalten soll, sprich wofür das Geld konkret ausgegeben werden soll, etwa für die Freizeitgestaltung oder besondere Therapien, die die Krankenkasse nicht zahlt.

Hilfe bei der Testamentsgestaltung

Will man so ein Behindertentestament aufsetzen, sollte man einen spezialisierten Anwalt oder Notar zu Rate ziehen. Hilfreich kann es auch sein in Selbsthilfegruppen oder Vereinen nach Empfehlungen zu fragen. Auch der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen bietet online viele Informationen, um sich ganz grundsätzlich einzulesen

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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