Symbolbild: Termine (Foto: Pixabay.com)

Termin verpasst - welche Kosten entstehen?

Gut zu wissen

Sarah Sassou   14.10.2020 | 10:40 Uhr

Dienstleister wie Friseure, Kosmetikstudios, aber auch Physiotherapeuten und Ärzte arbeiten in der Regel mit Terminen. Wenn man als Verbraucher oder Patient seinen Termin verpasst, kann das mitunter teure Folgen haben. Was Sie in solch einem Fall beachten sollten, erklären wir in SR3 "Gut zu wissen".

Termin nicht wahrgenommen, Dienstleister verlangt Ausfallhonorar

Friseurtermin verschwitzt, die Physiotherapie ausfallen gelassen und dann kommt eine Rechnung ins Haus geflattert, obwohl man ja die Dienstleistung gar nicht in Anspruch genommen hat. Muss man diese Forderung zahlen?

Vorher absprechen

Gut zu wissen: Termin verpasst - welche Kosten entstehen?
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 14.10.2020, Länge: 06:32 Min.]
Gut zu wissen: Termin verpasst - welche Kosten entstehen?

Ob es rechtens ist, dass nicht abgesagte Termine in Rechnung gestellt werden können, kommt auf die Art der Terminabsprache an. Eine klare Rechtsprechung gibt es in vielen Fällen nicht, sagen Juristen. „Das ist, wenn es nicht vorher schon vereinbart ist, nicht rechtens“, sagt  Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale Saarland. Ein Friseur zum Beispiel müsse mit den Kunden schon bei der Terminabsprache ein Ausfallhonorar bzw. Schadenersatz vereinbaren.

Friseur kann nicht alles in Rechnung stellen

Die Dienstleister sehen das anders: Ein Friseur habe ein Anspruch auf die vereinbarte Vergütung. Allerdings wird ja vor allem beim Friseur die Art der Dienstleistung in der Regel erst beim Termin vereinbart. Hat man aber vorher schon besprochen, was man will, eine Brautfrisur zum Beispiel, oder Strähnchen und Schneiden, kann der Friseur diese Dienstleistung in Rechnung stellen – allerdings könne er die Materialien, die er spart, zum Beispiel Färbemittel, nicht abrechnen.

Verdienstausfall wirkt sich auf Kunden aus

Friseurmeister Christian Greif aus Saarlouis hat festgestellt: Immer häufiger sagen Kunden Termine nicht ab. „Die Folgen für mich: Ich habe weniger Einnahmen und muss irgendwann die Preise erhöhen. Das ist ja auch für die Kunden nicht gut.“

Andere Vorgehensweise in Therapiepraxen

Auch Physiotherapeutin Sabrina Steuer erlebt es in ihrer Saarbrücker Praxis, das Kunden einfach nicht zu abgemachten Terminen erscheinen. „Wenn Kunden zum ersten Mal kommen, unterschreiben sie eine Vereinbarung, dass sie Termine 24 Stunden vorher absagen müssen. Versäumen sie das, dann müssen sie die Therapiestunde zahlen.“ - und zwar aus eigener Tasche. So etwas sei auch rechtens, sagt Verbraucherschützerin Ludwig. Sabrina Steuer lässt Patienten aber nicht gleich beim ersten Versäumnis zahlen. „Einige melden sich danach noch und erklären, warum sie nicht kommen konnten.“ Für die selbständige Therapeutin ist es aber wichtig, dass sie möglichst viele Termine besetzt hat. Sie hat Wartelisten, je früher eine Absage reinkommt, umso besser stehen die Chancen, den Platz doch noch zu füllen.

Arztpraxis kann unter Umständen zur Kasse bitten

Nimmt man einen Termin in einer Arztpraxis nicht wahr ohne abzusagen, hat man nichts zu befürchten, wenn es sich um eine Praxis handelt, „in der die Terminvergabe nur der besseren Organisation dient, wo aber auch immer zwischendurch Patienten kommen können“, sagte Eva Ludwig. Anders sieht es bei sogenannten Bestellpraxen aus. Wenn der Termin ausschließlich für einen reserviert ist und auch ein Schadenersatz oder Ausfallhonorar vereinbart wurden, werde das von den Gerichten überwiegend als rechtens anerkannt, so Ludwig.

Zahnarzt kann teuer werden

Nimmt man einen vereinbarten Termin für eine aufwändigere Zahnbehandlung nicht wahr und sagt sogar rechtzeitig ab, dann rät Eva Ludwig zu besonderer Sorgfalt: „Das muss ich als Patient nachweisen. Also die Absage noch mal bestätigen lassen oder zusätzlich auf einem weiteren Weg absagen, zum Beispiel per Mail.“

Handwerker könnte Fahrtkosten verlangen

Hat man den Handwerksbetrieb versetzt, kann es höchstens dazu kommen, dass man die Fahrtkosten ersetzen muss. Aber da müsse auch erst mal der Nachweis vorgelegt werden, dass der Handwerker/ die Handwerkerin sich extra die Zeit für einen genommen hat und nicht auf dem Weg zu anderen Kunden vorbeigekommen ist, meint Eva Ludwig.  Außerdem werde die Leistung ja noch erbracht, aber eben an einem anderen, neuen Termin.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" vom 14.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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