Prüfzeichen des Deutschen Instituts für Soziale Fragen (DZI)  (Foto: dpa - Bildfunk)

Richtig Spenden - damit Gutes tun auch wirklich ankommt

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   22.12.2022 | 09:45 Uhr

Besonders rund um die Weihnachtszeit spenden viele Menschen für einen guten Zweck. Ob für Menschen in Not oder Tierschutzorganisationen – spenden geht mittlerweile auch mit ein paar Klicks im Netz. Aber wie gut sind Online-Spendenportale? Und warum sollte man bei Spenden für den Tierschutz besonders genau hinschauen?

Alle Jahre wieder rund um die Feiertage, wird in Deutschland gespendet. Nicht nur in den Fußgängerzonen werden dann Spenden gesammelt, auch in Zeitungen, im Fernsehen und im Netz wimmelt es von Spendenwerbung. Doch die richtige Organisation auszuwählen ist nicht einfach, denn es gibt sehr viele und längst nicht alle arbeiten auch seriös.

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"Gut zu wissen": Worauf man beim Spenden achten sollte
Audio [SR 3, Moderation: Christian Job, 22.12.2022, Länge: 06:32 Min.]
"Gut zu wissen": Worauf man beim Spenden achten sollte

Geld spenden mit einem Klick

Gespendet werden kann mittlerweile auch kinderleicht über Spendenportale im Internet, wie HelpDirect oder betterplace. Aber auch via facebook oder PayPal lässt sich spenden. Die Spendenportale sind in der Regel Vermittler und zeigen auf ihren Seiten unzählige Spendenprojekte verschiedener gemeinnütziger Organisationen oder auch von privaten Spendensammlern.

Gespendet ist mit einem Klick. „Doch die Probleme tauchen genau deshalb auf, weil es so schnell und unkompliziert geht“, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Denn es gebe bei diesen Spendenportalen unzählige Möglichkeiten zu spenden; dort die richtige Organisation zu finden, sei sehr schwierig.

Spendenportale: Kein Mehrwert

„Es ist auch nicht zu erkennen, dass eine qualitative Auswahl der Spendenprojekte erfolgt“, sagt Backofen. So sei es sehr schwierig zu überprüfen, ob die Organisation, an die man spenden möchte, tatsächlich auch seriös und transparent arbeite. Zudem würden die Portale häufig Gebühren verlangen.

Das Fazit der Stiftung Warentest: Die Portale bieten keinen wirklichen Mehrwert zur Direktspende. Deshalb sollte man besser die Spendenorganisation direkt auswählen. „Die beste Wahl ist natürlich, an eine Organisation zu spenden, die man auch kennt“, sagt Kerstin Backofen.

Checkliste der Stiftung Warentest

Egal ob im Netz oder in der Fußgängerzone - es ist nicht so einfach, eine passende und seriöse Organisation zu finden. Stiftung Warentest hat eine Checkliste ausgearbeitet, die hilft, eine seriöse Spendenorganisation zu finden. Je mehr Punkte zutreffen, so der Rat der Verbraucherschützer, desto zweckmäßiger und transparenter gehe die Organisation mit den Spenden um.

  • Siegel/Label: Hat eine Spendenorganisation ein Siegel, ist das positiv. „Das beste Siegel ist das des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen ( DZI), weil hier die strengste Prüfung erfolgt“, so Backofen. Hilfreich sind auch das Zertifikat des Deutschen Spendenrates und das Label Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ).

  • Information: Die Organisation sollte auf ihrer Webseite umfassend über die Projekte informieren und auch ihren Jahresbericht mit Finanzzahlen veröffentlichen. Zudem veröffentlichen seriöse Organisationen Kontaktadresse und die Geschäftsführung inklusive der Namen.

Kosten: Die Organisationen setzen Geld ein, um auf Notfälle aufmerksam zu machen. Darüber sollten sie auch transparent Informieren. Für Werbung und Verwaltung sollten allerdings nicht mehr als 30 Prozent der Ausgaben ausgegeben werden.

Werbematerial: Die Organisationen sollten sachlich werben. Aufwändige Geschenke, Bettelbriefe oder grausame Fotos gehören nicht dazu. Die Spender sollten nicht unter Druck gesetzt werden.

Gemeinnützigkeit: Der Freistellungsbescheid des Finanzamtes belegt die Gemeinnützigkeit der Organisation.

Straßenwerbung und Siegel

Wichtig ist: Auch wenn eine Spendenorganisation kein Siegel hat, muss sie nicht unseriös sein. „Der Haken an der Sache ist, dass diese Siegelprüfung auch Geld kostet und gerade kleine Organisationen können sich das nicht leisten“, so Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Deshalb sollte man sich vor dem Spenden immer gut informieren. 

Bei Sammlungen auf der Straße sollten Spendensammler einen Mitgliedsausweis vorzeigen können. Auf dem Ausweis sollte der Name des Sammelnden und ein Hinweis zu etwaigen erfolgsabhängigen Vergütung zu lesen sein, schreibt die Stiftung Warentest. Wer zuhause an der Haustür angesprochen wird, sollte sich nicht „überfallen“ lassen. Seriöse Organisationen würden nicht zu sofortigen Unterschrift drängen.

Richtig spenden: Zweckbindung und Kosten

Wer sich umfassend informiert und die passende Spendenorganisation gefunden hat, sollte noch zwei Dinge beachten, so der Rat von Kerstin Backofen:

  • Bei Spenden bis 150 Euro sollte man diese möglichst nicht auf mehrere Organisationen verteilen. Jede Spende verursacht Verwaltungskosten, die denn den Spendenbeitrag schmälern.

  • Zudem empfiehlt die Stiftung Warentest, die Spende nicht an ein konkretes Projekt zu binden. So kann überschüssiges Geld für ähnliche Projekte der Organisation eingesetzt werden, die vielleicht gerade nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen 

Spenden für den Tierschutz

Spenden für den Tierschutz wird laut einer Umfrage der Stiftung Warentest aus dem Sommer 2020 als häufigster Spendengrund genannt.

Spenden für den Tierschutz
www.test.de

Auch deshalb haben die Verbrauchschützer im Januar 2022 einige Tierschutzspenden-Organisationen untersucht. Ihr Fazit: Wer für Tiere oder den Artenschutz spenden möchte, sollte sich besonders gut informieren.

„Beim Tieren ist es oft so, dass noch sehr viel mehr auf Emotionalität gesetzt wird, dass man Bilder sieht mit kleinen Tierbabys und schneller mal etwas Geld rübergereicht wird,“ so Kerstin Backofen. Deshalb empfiehlt sie eine Direktspende etwa bei einer Tierschutzorganisation oder einem Tierheim vor Ort.

Bestenfalls sollte man die Organisation kennen. Aber auch da sollte man genau schauen, ob es etwa einen Bericht über Einnahmen und Ausgaben gibt.


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"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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