Gisela Horbach-Stein mit ihrer Gebührenabrechnung (Foto: Sarah Sassou)

Wer zahlt wann Regenwassergebühren?

Sarah Sassou   10.02.2021 | 16:02 Uhr

Regen, Schnee, Hagel: Für Niederschläge, die aufs Grundstück fallen, müssen Eigentümer und Eigentümerinnen gegebenenfalls eine Gebühr zahlen. Denn wenn das Wasser über versiegelte Flächen in einen Kanal fließt, bitten Städte und Kommunen die Bürgerinnen und Bürger zur Kasse.

Flächen auf den Prüfstand stellen

Die Frage, ob man zu viel Niederschlagsgebühr zahlt, wird meist dann relevant, wenn man ein Haus mit Grundstück gekauft hat. Simone Stöhr vom kommunalen Entsorger ZKE in Saarbrücken rät, sich das Grundstück genau anzuschauen. Und dann einen Blick in die Abwassersatzung seiner Kommune zu werfen. Denn grundsätzlich gilt: Wenn das Regenwasser nicht im Kanal ankommt, dann muss man auch nicht dafür zahlen. „Manchmal begünstigt der Geländeverlauf, dass Niederschläge gar nicht in die Kanalisation gelangen. Ich habe zum Beispiel eine gepflasterte Einfahrt, die schräg abfällt. Sie lässt Regen in die Wiese laufen und dort versickern. Das habe ich der Kommune erklärt und sie rechnet die Fläche nicht an, weil sie es plausibel fand.“

Änderungen sind möglich

Auch bei einem Neu- oder Umbau sollte man sich die Zeit nehmen, das Gelände genau zu erfassen. Viele Kommunen schicken automatisch eine Aufstellung zu. Ist man damit nicht einverstanden, sollte man bei das auch mitteilen, indem man Widerspruch gegen den Gebührenbescheid einlegt und seine Gründe erläutert. In vielen Kommunen sind solche Änderungen monatlich möglich.

Angaben der Eigentümer bestimmen die individuelle Gebühr

Hauseigentümerin Gisela Horbach-Stein hat noch viele Fragen dazu, wie sich die Gebühr für ihr Völklinger Haus zusammensetzt, denn dort wird erstmals die Abwassergebühr gesplittet, so dass die Niederschlagsgebühr getrennt vom im Haushalt verbrauchten Wasser abgerechnet wird. Durch ihren Garten führt ein gepflasterter Weg. Ist dieser nun versiegelt oder nicht? Ein Gartenweg werde nicht angerechnet, sagt Franz-Günter Grasmann, weil hier das Wasser in der Wiese oder im Beet versickern könne. Wenn aber Regenwasser über eine Asphaltschicht, über dicht liegendes Verbundpflaster oder über Dachziegel in den Kanal abfließt, muss man dafür die volle Gebühr bezahlen. „Wenn der Belag aber wasserdurchlässig ist, wie zum Beispiel Ascheflächen, Rasengittersteine oder Steine mit großen Fugen, dann rechnen wir die Fläche nur mit 50 Prozent an“, sagt Grasmann.

Regenwassernutzung wird belohnt

In Saarbrücken wird es ähnlich gehandhabt, zum Beispiel bei der Dachbegrünung. Wer sein Garagendach bepflanzt, braucht in beiden Städten nur die Hälfte der Gebühr zu zahlen. Von Vorteil kann es auch sein, wenn man Regenwasser von Dächern in einem Behälter als Gieß- oder Brauchwasser zum Beispiel für die Toilettenspülung auffängt. Allerdings sind die Kriterien in den Kommunen ganz unterschiedlich. Während in Saarbrücken schon ab Gefäße ab einem Kubikmeter angerechnet werden, geht es in Völklingen erst ab zwei Kubikmeter los.

Keine einheitlichen Gebühren

Für Hauseigentümerin Gisela Horbach-Stein ist es aber kein Anreiz, erst noch in teure bauliche Veränderungen zu investieren, um die Niederschlagsgebühr zu reduzieren. „Das lohnt sich für mich nicht.“ Sie zahlt für das von ihr bewohnte Zweifamilienhaus in Völklingen und für ein vermietetes Einfamilienhaus in Saarbrücken rund 200 Euro im Jahr. „Die Gebührenbescheide sind aber ganz unterschiedlich“, hat sie festgestellt.

Einnahmen für die Kanalunterhaltung

Das liegt daran, dass jede Stadt und Kommune die Satzung für die Abwasser- und damit für die Niederschlagswassergebühr selbst gestaltet. „Bei uns richtet sie sich nach den Kosten, die wir für die Kanalisation aufbringen müssen“, sagt Simone Stöhr von der Stadt Saarbrücken. Denn mit der sogenannten Abwassergebühr werden die Kosten für die Kanalisation finanziert. Das seien in der Landeshauptstadt im Jahr derzeit etwa 51 Millionen Euro, wovon die Niederschläge rund 20 Millionen Euro verursachten. In Völklingen sind es knapp 10 Millionen Euro, sagt Franz-Günter Grasmann von der Stadtverwaltung.

An Allgemeinheit denken

Jeder freut sich, wenn er ein paar Euros sparen kann, so auch bei kommunalen Abgaben. Simone Stöhr gibt aber zu bedenken, dass jeder durch seinen Beitrag für die Niederschlagsgebühr auch zur Erhaltung der Kanalisation beiträgt. Denn so ganz ohne Kanal kommt wohl niemand aus. Und auf vielen Schultern verteilt ist die Gebühr für den einzelnen niedriger als wenn wenige dafür zahlen müssten. Auch für Hauseigentümerin Gisela Horbach-Stein ist die Höhe der Gebühr in Ordnung - vor allem, wenn sie sie gemeinsam mit ihren Mietern trägt.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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