Potenztabletten (Foto: pixabay/PublicDomainPictures)

„Damit Mann wieder kann“ – Potenzmittel im Test

Yvonne Schleinhege   24.02.2021 | 10:40 Uhr

Impotenz ist immer noch ein Tabuthema. Dabei ist dauerhafte Impotenz keine Schwäche, sondern oft eine Krankheit. Welche Medikamente helfen können, warum der Weg zum Arzt ratsam ist, und wovon betroffene lieber die Finger lassen sollte? Die Stiftung Warentest hat für ihrer März-Ausgabe getestet. Die wichtigsten Fakten gibt es bei SR3 „Gut zu Wissen“.

„Damit Mann wieder kann“ – Potenzmittel im Test
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 24.02.2021, Länge: 05:32 Min.]
„Damit Mann wieder kann“ – Potenzmittel im Test

Viele Männer haben es schon mal erlebt, dich die wenigsten möchten darüber sprechen: über das „nicht können können“. Dabei trifft es irgendwann die allermeisten Männer. Die Gründe können sehr vielfältig sein, sagt Anke Kapels von der Stiftung Warentest. Oft sei es einfach Stress im Alltag, in der Familie, in der Beziehung oder auch im Beruf. Manchmal auch zu viel Alkohol oder Nervosität, wenn man ein ganz neues Date hat. All diese Dinge können kurzfristig zu Erektionsproblemen führen. Daneben kann es natürlich auch körperliche Gründe geben, so die Expertin. Ein Beispiel sind Durchblutungsstörungen. In etwa 80 Prozent der Fälle ist Impotent körperlich bedingt. Auch Diabetes oder andere Folgekrankheiten können langfristig zu Schäden an Nerven und Blutgefäßen führen, die Impotenz verursachen. Auch einige Medikamente können die Potenz beeinflussen.

Der Arzt als Ansprechpartner

Auch wenn die Werbung mit vielen Hilfsmittelchen lock, bei anhaltenden Potenzproblemen ist immer der Hausarzt oder der Urologe der erste Ansprechpartner, genauso wie natürlich der Partner in der Beziehung. Sind die Gründe seelischer Natur kann auch psychologische Hilfe sinnvoll sein. Eine sogenannte erektile Dysfunktion liegt vor, wenn es dem Mann trotz Lust länger als sechs Monate nicht gelingt, eine Erektion zu erreichen. Abfinden muss sich damit aber niemand, denn es gibt Medikamente. Und genau die hat nun die Stiftung Warentest genau unter die Lupe genommen. Und deren Arzneimittelexperten sagen: ja, die Mittel, die es in Apotheken auf Rezept gibt helfen, haben aber immer Nebenwirkungen. Auch das ein gewichtiger Grund, warum man immer Rücksprache mit dem Arzt halten sollte.

Tabletten, Spritzen oder Stäbchen?

Hat der Arzt organische Gründe diagnostiziert, gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel entweder in Form von Tabletten oder als Stäbchen. Am bekanntesten ist sicher Viagra und seine zwischen zahlreichen Nachahmerprodukte. Sie enthalten den Phosphodiesterase-Hemmer (PDE-Hemmer) Sildenafil, der die Blutzufuhr verbessert und die Erektion so verstärkt. Daneben gibt es noch die PDE-Hemmer Avanafil oder Tadalafil. Sie wirken ähnlich. Problem seien hier die möglichen Nebenwirkungen, so Anke Kapels von der Stiftung Warentest. Männer die Bluthochdruck haben oder Herzkranz-Gefäß-Erkrankungen haben dürfen diese Tabletten nicht nehmen. Hier drohten Herzinfarkte, so die Verbraucherexpertin. Auch bei der Kombination mit anderen Medikamenten kann es zu Problemen kommen. Das Fazit der Stiftung Warentest daher: mit ein Einschränkung geeignet. Ein anderes Hilfsmittel bei Erektionsstörungen wird in Form von Spritzen oder Stäbchen verabreicht. Der Arzneistoff Alprostadil wirkt direkt an den Schwellkörpern im Penis. Er wird injiziert oder in die Harnröhre eingeführt. Diese Form ist nach Ansicht der Stiftung Warentest nur sinnvoll wenn Schädigungen an den Nervenbahnen vorliegen. Auch hier gibt es neben den bereits genannten Nebenwirkungen noch weitere. Diese Art von Medikamenten kann eine gefährliche und sehr schmerzhafte Dauererektion auslösen, so Anke Kapels. Auch hier ist daher ärztlicher Rat gefragt.

Durchaus gefährlich: Mittel aus dem Netz

Geworben für viele Arten vom Potenzmitteln wird auch im Netz. Aber wer den Versprechungen dubioser Online-Anbieter glaubt, kann seiner Gesundheit ernsthaft Schaden, warnt die Stiftung Warentest in ihrer März-Ausgabe, auch was die Fälschungen von Viagra angeht. Diese erhalten häufig entweder keinen Wirkstoff oder einen ganz anderen Wirkstoff und so letztendlich unkalkulierbare Nebenwirkungen haben. Aber natürlich gibt es auch zugelassene Versandapotheken, die diese Medikamente anbieten. Sie erkennt man an einem Siegel auf der Website; ein weißes Kreuz auf grünem Grund. Ein Klickt führt zum offiziellen Versandhandelsregister. Im Netz findet man aber auch Nahrungsergänzungsmittel. Manche werben mit dem Aufdruck „rein pflanzlich“. Auch hier ist Vorsicht geboten. Einige dieser Mittel enthalten Stoffe, die noch nicht an Menschen getestet wurden.

Alternative aus Yohimbe-Baumrinde?

Natürlich gibt es einige bekannte pflanzliche Mittelchen, denen eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wird. Dabei zum Beispiel Ginseng, Muskatnuss, Moschus oder Hauflossen. Deren Wirksamkeit ist nicht wissenschaftlich belegt. Als sogenanntes Potenzholz ist die Rinde des afrikanischen Yohimbe-Baums. Der Arzneistoff Yohimbin lässt das Herz schneller schlagen und erhöht den Blutdruck. Es wird vermutet, dass dies auf die Schwellkörper wird. Geklärt sei die Wirkung aber nicht, schreibt die Stiftung Warentest. Die Arzneimittelexperten bewerten den Stoff daher – auch als unterstützende Maßnahme – als „wenig geeignet“. Ein Versuch sei er allenfalls dann Wert, wenn PDE-Hemmer nicht genommen werden dürfen. Aber auch hier sollte man Rücksprache mit dem Arzt halten. 

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja