Ein Mann unterschreibt ein Vertrag (Foto: pixabay/RazorMax)

Im Ladengeschäft zum Vertrag gedrängt. Welche Rechte haben Verbraucher?

Gut zu wissen: Tipps zu Offline-Verträgen

Jan Henrich   06.10.2022 | 08:30 Uhr

Egal ob Handy-Tarif oder ein Bank-Termin: Viele Kunden verlassen sich darauf im Ladengeschäft gut beraten zu werden. Doch gerade vor Ort gelten andere Rechte für Verbraucher als im Internet. Und wer sich an der Ladentheke eine Leistung aufschwatzen lässt, kommt davon gar nicht so einfach wieder los. Ein Überblick.

Der Handyladen als klassisches Beispiel: Man will eigentlich nur seinen Vertrag verlängern und hat am Ende unzählige zusätzliche Tarifoptionen, eine zweite Sim-Karte und noch weitere Sonder-Abos bestellt. Obwohl man die Leistungen eigentlich weder gebraucht noch gewollt hat. Gerade ältere oder unerfahrene Kunden werden häufig mit komplexen Tarifstrukturen und vermeintlichen Rabatten überrumpelt.

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Gut zu wissen: Tipps zu Offline-Verträgen
Audio [SR 3, Jan Henrich, 06.10.2022, Länge: 06:17 Min.]
Gut zu wissen: Tipps zu Offline-Verträgen

Online und offline gelten andere Rechte

Bei Verbraucherverträgen die Online, am Telefon oder an der Haustür abgeschlossen werden, hat man normalerweise ein Widerrufsrecht mit einer Frist von 14 Tagen. Anbieter müssen zudem extra auf diese Möglichkeit zum Widerruf hinweisen, sonst verlängert sich die Frist.

Die Regelung geht zurück auf eine EU-Richtlinie über die Rechte der Verbraucher, die in Deutschland seit 2014 Anwendung findet. Aber diese Rechte gelten eben nicht für Verträge, die man im Laden unterschreibt.

Der Hintergrund ist, dass bei sogenannten Fernabsatzverträgen oder Haustürgeschäften das Risiko höher ist, überrumpelt oder in die Irre geführt zu werden. Daher brauche es zusätzliche Schutzmechanismen.

Neue Verbraucherrechte im Handyshop

Doch auch für den Geschäftsschluss im Ladengeschäft wurden Verbraucherrechte im Dezember letzten Jahres erweitert. Bei Verträgen über Internet- oder Mobilfunkangebote müssen die Verkäufer eine Vertragszusammenfassung bereitstellen, die alle wichtigen Bestandteile beinhaltet. Dies umfasst Kosten, Informationen über Endgeräte und gewährte Rabatte usw.

Damit lässt sich überprüfen, ob das, was im Laden versprochen wurde, auch tatsächlich Teil des Vertrags ist. Die Zusammenfassung sollte man auf jeden Fall bei jedem Mobilfunk- oder Internetvertrag auch einfordern.

Zur Geldanlage gedrängt

Aber nicht nur im Bereich von Mobilfunkverträgen, auch bei Finanzdienstleistungen werden Kunden immer wieder zu Vertragsabschlüssen gedrängt.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Saarland wird insbesondere die aktuelle Inflation genutzt, um Druck auf Kunden auszuüben, Geld möglichst schnell anzulegen und in riskante Finanzprodukte zu investieren. Teilweise werden hierzu gezielt ältere Kunden angeschrieben und aufgefordert, in die Bankfiliale zu kommen.

Immer wieder Fragen stellen

Gegen ein Beratungsgespräch bei der Hausbank ist nichts einzuwenden und ein einfaches Sparbuch ist auch nicht immer die beste Anlageart. Dennoch sollten Kunden in jeden Fall verstehen, wie ein Finanzprodukt funktioniert, bevor man einen Vertrag abschließt.

Hierzu lohnt es sich, so lange Fragen zu stellen, bis man das Produkt verstanden hat. Insbesondere die Punkte Risiko und Kosten sollten geklärt werden. Idealerweise lässt man sich die Kosten für einen Abschluss zudem in absoluten Zahlen sagen, wie Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland rät.

Bedenkzeit und Zeugen

Einen Vertrag über ein größeres Finanzprodukt sollte man in der Regel auch nicht am gleichen Tag abschließen, sondern wenn möglich eine Nacht darüber schlafen und am nächsten Tag entscheiden, so Beutler.

Es lohne sich auch bei der Beratung einen Zeugen mitzunehmen, insbesondere wenn es darum geht, Falschberatung nachzuweisen.

Rückabwicklung nur wenn Falschberatung nachgewiesen wird

Denn Banken und Anlageberater treffen gesetzliche Beratungspflichten. Beispielsweise über Risiken und über die Art der Anlage. Wenn diese Pflichten verletzt sind und eine eindeutige Falschberatung vorliegt, kann der Vertrag rückabgewickelt werden. Die Bank muss dann auch Kursverluste übernehmen.

Allerdings müssen Kunden hierfür nachweisen, dass falsch beraten wurde und oftmals braucht es am Ende auch einen Anwalt, wie Beutler erzählt.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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