Hühner im eigenen Garten (Foto: Carmen Bachmann / SR)

Nutztierhaltung im Wohngebiet

Sarah Sassou   05.08.2021 | 09:30 Uhr

Eier von den eigenen Hühnern, selbstgeimkerter Honig und das aus dem eigenen Garten. Der Trend zur Nutztierhaltung hat längst auch in den Städten Einzug gehalten. Doch worauf muss man achten?

Während in früheren Zeiten viele saarländische Familien darauf angewiesen waren, ein wenig Nutztierhaltung für den Eigenbedarf zu betreiben, geht es dabei heute eher ums Freizeitvergnügen.

"Gut zu wissen": Nutztierhaltung im Wohngebiet
Audio [SR 3, Studiogespräch: Eberhard Schilling/Sarah Sassou, 05.08.2021, Länge: 05:12 Min.]
"Gut zu wissen": Nutztierhaltung im Wohngebiet
Im Studiogespräch erläutert SR-Reporterin Sarah Sassou, worauf man bei der Nutztierhaltung im Wohngebiet achten muss.

In vielen Kommunen braucht man keine Genehmigung von der Verwaltung, wenn man Hühner oder Ziegen halten möchte. Aber das bedeute nicht, dass die Haltung im Wohngebiet auch zulässig sei, heißt es aus der Neunkircher Stadtverwaltung. Vielmehr komme es darauf an, welche und wie viele Tiere man halten möchte. Zugrunde legen die Kommunen ein Bundesgesetz, die Baunutzungsverordnung, die die Haltung von Kleintieren in Wohngebieten regelt.

Das gilt auch in Saarbrücken. Solange man kein Gewerbe damit betreibe, seien ein paar Hühner in den meisten Fällen kein Problem, heißt es aus der Stadtverwaltung. Es sei denn, man möchte sie in einer Schrebergartensiedlung oder Kleingartenanlage halten. Das ist hier nicht erlaubt, sondern nur auf dafür ausgewiesenen Weideflächen. 

Anmeldung beim Veterinäramt

In jedem Fall sollte man nicht einfach mit der Nutztier- oder Kleintierhaltung loslegen. So muss man seine Nutztiere beim Veterinäramt, das zum Landesamt für Verbraucherschutz gehört, anmelden. Das dient dem Seuchenschutz, denn in Zeiten von Schweinepest und Vogelgrippe müssen alle Tiere, die sich damit anstecken könnten, bekannt sein, um zu verhindern, dass die Seuche sich weiterverbreitet. Jedes Nutztier müsse angemeldet werden, auch Mini-Schweine, denn auch die könnten Schweinegrippe bekommen, sagt die Amtstierärztin Dr. Antje Wagner-Stephan.

Artgerechte Haltung

Die Hühner im Landhaus Spanier in Otzenhausen  (Foto: Sven Eric Klein)

Der wichtigste Punkt überhaupt: „Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden“, sagt die Amtstierärztin. Man sollte Hühnern oder Enten nicht nur eine kleine Ecke im Garten zugestehen. „Hühner brauchen Auslauf, sie wollen picken und scharren“, erklärt Dr. Wagner-Stephan. Und sie brauchen einen Hahn – wegen der Rangordnung. „Und der Hahn kräht sehr laut. Das kann schnell zu Nachbarschaftsstreit führen.“ Deswegen rät sie, mit den Nachbarn zu sprechen, bevor man sich Tiere anschafft.

Haltung oft kompliziert

Viele Tiere, die auf den ersten Blick klein und anspruchslos erscheinen, seien in der Haltung kompliziert, sagt Wagner-Stephan. Enten bräuchten zum Beispiel unbedingt einen Badeteich. Auch ein Pony brauche mehr als eine grüne Wiese. „Im Sommer mag das ausreichen. Im Winter ist die Wiese dann abgefressen, das Pony braucht Futter und einen Unterstand, damit es nicht im Matsch steht.“  

„Das gilt auch für andere Tiere wie Hühner oder Schweine“, sagt die Tierärztin. Wenn man dann einen Unterstand für die Tiere baut, sollte man sich bei seiner Stadt oder Kommune darüber informieren, ob man dafür eine Genehmigung braucht, rät man bei der Stadt Saarbrücken.

Auch Kaninchen brauchen Auslauf

Angora Kaninchen  (Foto: SR)

Ein Thema, das Dr. Wagner-Stephan besonders am Herzen liegt, sind Kaninchen. Früher wurden sie gehalten, um gegessen zu werden. Heute sind sie für die meisten Halter ein Hobby oder ein Einsteigertier für Familien. Dabei seien die Tiere sehr anspruchsvoll, ein kleiner Käfig genüge ihnen nicht.

„Sie brauchen viel Auslauf und Möglichkeiten zum Buddeln. Man muss sie vor Greifvögeln und sonstigen Raubtieren schützen und vor Hitze, die mögen sie auch nicht“, führt sie aus. Deswegen ist das Veterinäramt oft bei Kaninchenhaltern vor Ort und erklärt, wie die Tiere artgerecht gehalten werden. „Dann hat man die Gelegenheit, die Unterbringung zu verbessern.“

Bienen

Bienen sammeln sich an einer Wabe (Foto: picture alliance/Lisa Ducret/dpa)

Wenig Platz brauchen dagegen Bienen. Man kann sich sogar Bienenkästen auf den Balkon stellen. Das ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch in jeder Art von Wohngebiet erlaubt. „Man sollte nur darauf achten, dass die Nachbarn nicht durch die Einflugschneise der Bienen gestört werden“, rät die Amtstierärztin.

Fazit

Eigene Hühner oder Enten im Garten sind also grundsätzlich eine gute Sache, wenn man die Haltung nicht unterschätzt und das Wohl der Tiere immer im Blick hat. „Vor allem für Kinder ist es eine schöne Sache, zu erfahren, wo Eier herkommen und dass sie nicht einfach so im Geschäft liegen“, findet die Amtstierärztin.

Weitere Informationen

Informationen zur artgerechten Tierhaltung findet man auch auf der Internetseite der Vereinigung der Tierärzte für Tierschutz. Sie hat für viele Tiere ein Merkblatt zur Lebensweise des jeweiligen Tiers und seiner Pflege herausgegeben.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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