Ein elektrischer Heizlüfter steht in einem Wohnraum.  (Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Energiespargeräte aus dem Online-Shop: Sinnvoll oder Nepp?

Gut zu wissen

Sarah Sassou   17.11.2022 | 09:45 Uhr

Spezielle Geräte, die man einfach in die Steckdose steckt und dann Strom spart? Steckdosen-Heizgeräte, die für wenig Geld mollig warm machen? In der Energiekrise schlagen viele Verbraucher bei solchen Geräten zu. Doch was ist wirklich dran an diesen Angeboten?

Die Angst vor der Stromrechnung geht um. Energiesparen ist angesagt. Dabei helfen sollen spezielle Geräte, die man einfach in die Steckdose steckt. Angeblich sollen sie durch Ausgleich der Stromschwankungen im Netz den Verbrauch deutlich senken. Aber nützen sie wirklich was?

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Gut zu wissen: Energiespargeräte - sinnvoll oder Nepp?
Audio [SR 3, Moderation: Carmen Bachmann, 17.11.2022, Länge: 06:10 Min.]
Gut zu wissen: Energiespargeräte - sinnvoll oder Nepp?
Studiogespräch mit Sarah Sassou aus der SR-Wirtschaftsredakion.

Es ist angeblich ganz einfach: Eine kleine Box mit Stecker steckt man in die Steckdose und schon soll das den Stromverbrauch wesentlich senken. So lautet das Versprechen in den Online-Shops, in denen die Stromspargeräte erhältlich sind. Dort weisen die Verkäufer auch auf den hohen Originalpreis hin: angeblich 400 Euro. Bei E-Bay und Kaufland zum Beispiel gibt es sie aber zum Schnäppchenpreis. Bei Stichproben ist das gleiche Gerät mal für elf Euro, mal für 38 Euro erhältlich.

Außerdem im Angebot: Steckdosen-Heizgeräte. Im Online-Shop weist eine Einblendung darauf hin, dass nur noch wenige Geräte vorrätig seien. Ein Zeichen dafür, dass das Angebot nicht seriös sei, sagt Energieberater Achim Ohlmann von der Verbraucherzentrale Saarland. „Da geht es darum, Druck zu erzeugen und man denkt: Oh, ich muss jetzt schnell was kaufen. Aber was gut ist, das wird auch noch mal aufgelegt, wenn es ausverkauft ist.“

Ein Kasten - mit Sand gefüllt

Der NDR hat bei der Prüfgesellschaft DEKRA die Energiesparboxen auf ihre Effizienz überprüfen lassen. Aus technischer Sicht klinge die Wirkweise des Energiespargerätes nicht logisch, sagt der DEKRA-Experte.

Beim Auseinanderbauen stellt er fest: Das Gerät enthält eine ausgegossene, schwarze Kiste und eine elektronische Vorrichtung, um die von außen sichtbare LED zum Leuchten zu bringen. Das schwarze Kästchen enthält lediglich Sand und zwei Kabel, die ins Nichts führen. Aus technischer Sicht sei nicht nachvollziehbar, wie hier Energie gespart werden solle, so das Fazit des Prüfers.

Das Prinzip kann gar nicht funktionieren

Energieberater Achim Ohlmann kann sich dem nur anschließen: „Solche Geräte sind nutzlos.“ Schon das Prinzip, das sie verfolgen, könne gar nicht funktionieren. „Der Energieverbrauch errechnet sich aus Leistung, also Watt, mal der Zeit, die ich diese Leistung nutze. Daran kann ich nichts ändern.“

Sein Tipp: Zeitschaltuhren an Geräten, die man nicht dauerhaft angeschaltet lassen muss. Dann vergesse man auch nicht, sie auszuschalten.  

Mogelpackung Heizlüfter

Auch beim Heizen versuchen viele Verbraucherinnen und Verbraucher, Energie zu sparen und setzen auf mit Strom betriebene Heizlüfter. Im Internet werden Steckdosen-Heizlüfter angeboten, die extrem wenig Strom verbrauchen, große Wohnräume aber schnell aufheizen sollen - mal für 30, mal für 60 Euro.

Im NDR-Test haben auch sie sich als Mogelpackung. Ist er angeschaltet, läuft der Stromzähler deutlich schneller. Das verwundert Energieberater Ohlmann nicht. „Wenn die Zentralheizung läuft, also der Heizkessel, dann ist es immer günstiger, den Heizkörper anzudrehen.“

Wann sind zusätzliche Heizgeräte sinnvoll?

Heizlüfter seien immer dann günstiger, wenn die Heizanlage noch nicht angeschaltet sei, also in einer Übergangsphase. „Wer sich in einem kühlen Raum über einen begrenzten Zeitraum aufhält, für den macht es Sinn, mit einem Infrarot-Gerät aufzuheizen. Das macht an der genau der Stelle im Zimmer warm, an der man die Wärme braucht“, sagt der Energieberater.

Minibacköfen

Gerade haben die Verbraucherzentralen viele Anfragen zum Thema Energiesparen. Kürzlich hatte Achim Ohlmann die Frage nach dem Sparpotential kleiner Backöfen auf dem Tisch. „Der Raum eines solchen Mini-Backofens, den man aufheizen muss, ist im der Vergleich zu einem großen Backofen natürlich viel kleiner. Es geht also halb so schnell. Aber wenn ich jetzt rechne: 15 Minuten aufheizen und das mach ich dann 100 Mal im Jahr, brauche ich zehn Jahre bis sich die Kosten von 200 Euro für ein solches Gerät wieder raushabe.“   

Fazit

Die Kosten für angebliche Energiespargeräte kann man sich sparen. Es ist sinnvoller, darauf zu achten, Geräte, die man nicht braucht, auszuschalten.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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