Wohnhäuser (Foto: SR/Dirk Petry)

Wie man das Eigenheim im Alter zu Geld machen kann

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege/Janek Böffel   10.11.2022 | 09:45 Uhr

"Für mehr finanzielle Freiheit im Alter" - unter anderem mit solchen Werbesprüchen werben Unternehmen dafür, dass man die eigene Immobilie im Alter zu Geld machen kann. Häufig wird mit sogenannten „Immobilien-Teilverkäufen“ geworben. Doch was steckt genau hinter diesem und ähnlichen Modellen? Tatsächlich eine lohnenswerte Sache?

Eine Rente aufs Eigenheim - die Idee hinter den verschiedenen Modellen ist recht simpel: Ältere Menschen können über ihre eigene Immobilie mehr Geld zur Verfügung haben, sie (teilweise) verkaufen oder beleihen und trotzdem darin wohnen bleiben. Werbeanzeigen für solche Immobiliengeschäfte im Alter gibt es derzeit reichlich. Und laut Werbung ist das Ganze auch eine lohnenswerte Sache. Doch der aktuelle Praxistest der Zeitschrift Finanztest (12/2022) zeigt: In der Praxis ist es schwerer als gedacht, seine Immobilie zu verrenten.

Wichtig: Das Verrenten der eigenen Immobilie kommt vor allem infrage, wenn es keine nahestehenden Erben gibt, diese die Immobilie nicht wollen oder man Streit vermeiden will.

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"Gut zu wissen": Wie man das Eigenheim im Alter zu Geld machen kann
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, gelesen von Janek Böffel, 10.11.2022, Länge: 06:26 Min.]
"Gut zu wissen": Wie man das Eigenheim im Alter zu Geld machen kann

Verschiedene Optionen: Haus verkaufen oder beleihen

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten im Alter im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung wohnen zu bleiben und trotzdem die eigenen Altersbezüge aufzubessern“, erklärt Renate Daum von der Finanztest. Etwa indem man das eigene Haus ganz oder zum Teil verkaufe oder einen Kredit darauf aufnehme. Hier unterscheiden die Verbraucherschützer zwischen drei Optionen:

Verkauf: Der Erlös des Immobilienverkaufs fließt auf einmal oder wird in eine Leib- oder Sofortrente umgewandelt. Es gibt ein Wohn- oder Nießbrauchrecht.

Teilverkauf: Ein Unternehmen kauft einen Teil der Immobilie. Der Verkäufer bekommt das Geld auf einmal und ein Nießbrauchrecht. Für den unverkauften Teil muss dann ein Nutzungsentgeld gezahlt werden.

Kredit: Das Haus bleibt im Eigentum. Für ein tilgungsfreies Darlehen wird über die Laufzeit nur Zinsen bezahlt. Wichtig: möglichst langfristige Zinsbindung.

Nach Recherchen der Verbraucherschützer dominieren insbesondere Angebote über einen sogenannten Teilverkauf aktuell den Markt. Doch gerade die sind laut Finanztest nicht zu empfehlen, weil sie viele Risiken beinhalten. Im Vergleich dazu seien der vollständige Verkauf oder insbesondere eine Kreditaufnahme finanziell die besseren Lösungen.

Komplexer als die Werbung verspricht

Egal welchen Anbieter und welches Angebot man sich anschaue, so Renate Daum, sie seien häufig komplizierter und weniger verlockend als die Werbung verspreche. Zudem müssten in der Praxis viele Fragen geklärt werden, etwa: Wie lange werde ich das Haus noch nutzen? Wie viel ist das eigene Wohn- oder Nießbrauchrecht tatsächlich wert? Ob das Angebot, das ein Vertragspartner biete, tatsächlich fair ist, oder auch nicht, ist laut Finanztest schwierig rauszufinden.

Ein Problem: "Es gibt keine Standards, wie Kunden zu informieren sind – es ist ein sehr wenig regulierter Bereich im Finanzwesen", so die Einschätzung der Expertin. So seien die Angebote auch sehr schwer vergleichbar. Hinzu komme, dass die Modelle sehr erklärungsbedürftig seien.

Rat einholen besonders wichtig

Deshalb empfiehlt die Finanztest, sich unabhängige Hilfe zu holen, auch wenn diese gegebenenfalls etwas kostet. So bieten zum Beispiel die Verbraucherzentralen neben (Online)-Vorträgen auch Beratungen an. Daneben sollte man die Verträge unbedingt vor der Unterschrift von einem Fachanwalt prüfen lassen - idealerweise von einem Anwalt, der Erfahrung im Bereich der Immoblienverrentung hat.

Daneben kann man einen Gutachter für die Immobilienbewertung miteinbeziehen. Ganz wichtig: Die eigene Familie und die Erben sollten auch Bescheid wissen und bestenfalls miteinbezogen werden.

Angebot nicht für jeden

Der Test der Zeitschrift Finanztest zeigt aber auch: Die Anbieter solcher Immobilien-Verrentungs-Modelle bevorzugen Immobilien in attraktiven Lagen. "Leute in ländlichen Gebieten haben definitiv mehr Schwierigkeiten, überhaupt ein Angebot zu bekommen - und wenn ja, dann auch ein gutes Angebot zu bekommen", erklärt Renate Daum.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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