Menschen am Flughafen (Foto: pixabay.com/Free-Photos)

Vor den Herbstferien: Urlaub in Corona-Zeiten

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   30.09.2020 | 09:27 Uhr

Die Herbstferien stehen bevor. Viele überlegen, wegzufahren. Wie sieht es mit dem Reiserecht in Corona-Zeiten aus? Die drängendste Frage ist dabei: "Wie buche ich meine Reise so, dass ich im Storno-Fall nicht auf Kosten sitzen bleibe?"

Das Wetter zeigt es deutlich: Die Herbstferien stehen vor der Tür. Im Saarland ist es am 10. Oktober soweit. Trotz Corona zieht es einige Menschen in den Urlaub. Für etwa jedes zweite EU-Land gibt es jedoch eine Reisewarnung für bestimmte Regionen.

Gut zu wissen: Vor den Herbstferien: Urlaub in Corona-Zeiten
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 30.09.2020, Länge: 07:01 Min.]
Gut zu wissen: Vor den Herbstferien: Urlaub in Corona-Zeiten

Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

In den vergangen Tagen hat das Auswärtige Amt zahlreiche Reisewarnungen für verschiedene Regionen in der EU ausgesprochen. Darunter sind auch beliebte Herbstreise-Ziele wie Lissabon, die Spanien oder auch Region an der Französischen Mittelmeerküste. Bis heute gilt auch noch für mehr als 160 Nicht-EU-Länder eine grundsätzliche Reisewarnung, darunter auch Reiseziele für Ägypten oder Teile der Türkei. Das wird sich ab dem 1. Oktober ändern. Dann nämlich will die Bundesregierung die Lage in den Ländern (außerhalb der EU) einzeln bewerten und zwar an Hand eines dreistufigen Ampel-Systems. Dies richtet sich nach den Infektionsgeschehen in den Ländern. Ist die Ampel auf "Rot" gilt eine Reisewarnung. Das Gute für Urlauber: Man kann bereits gebuchte Reisen in diese Länder kostenfrei stornieren.  

Urlaub trotz Reisewarnung

Trotz der ausgesprochenen Reisewarnung etwa für Spanien und damit auch die Kanarischen Inseln bietet zum Beispiel der Reisekonzern Tui ab Sonntag wieder Reisen dorthin an. Juristisch gesehen ist das natürlich auch erlaubt, denn eine Reisewarnung ist natürlich kein Reiseverbot. Dennoch sollte man als Reisender ein paar Dinge im Blick haben, so die Juristin Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland, denn wer jetzt in den Urlaub fährt, bei dem reisen auch gewisse Risiken mit. Wer etwa in ein ausgewiesenes Risikogebiet reist, der muss sich auf Quarantänemaßnahmen und Coronatests einstellen. Hier sollte man sich unbedingt vorab informieren, da dies gegebenenfalls auch Auswirkungen auf die Arbeit und den Lohn oder das Gehalt haben kann.

Reisewarnungen und Stornierungen

Grundsätzlich können Kunden eine Pauschalreise kostenfrei stornieren, wenn außergewöhnliche Umstände zum Zeitpunkt der Reise auftreten. Dazu gehört auch die Corona-Pandemie, wenn eine entsprechende Reisewarnung ausgesprochen wurde. Diese gilt vor Gericht als starkes Indiz dafür, dass eine Reise stark beeinträchtigt ist. Aus ihrer Erfahrung war es so, dass die Reiseveranstalter im Falle einer Reisewarnung auch eine kostenfreie Stornierung zugelassen haben, so Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland. Ist es jemanden einfach nur Unwohl dabei, in den Urlaub zu fahren, etwa aus Angst, sich mit Covid anzustecken, ist das kein Grund für eine kostenfreie Stornierung. Wichtig ist, auch Reiseveranstalter können Reisen absagen, obwohl die Kunden unbedingt reisen möchten. Zusätzlich weißt die Reiseexpertin der Verbraucherzentrale darauf hin, dass sich die Reisewarnungen ständig ändern.

Reise in ein Risikogebiet

Wer jetzt noch Last-Minute eine Reise in ein Risikogebiet mit Reisewarnung bucht, kann sich nicht mehr auf außergewöhnliche Umstände berufen, wenn er oder sie die Reise plötzlich doch nicht mehr antreten möchte, so Elif Tanto. Schließlich wusste er vorab worauf er mich einließ. Das ist anders, als wenn die Reise schon im Januar für die Herbstferien gebucht wurde.

Die Regelungen gelten für Pauschalreisen. Etwas anders ist die Rechtslage bei einer individuell gebuchten Reise. Hier ist der wichtigste Punkt: die Stornierungsbedingungen. Sie zu lesen, ist das aller Wichtigste vor Vertragsabschluss. Hier wird angegeben, wie die Reise storniert werden kann und welche Kosten welchen Zeitpunkt entstehen.

Individuell unterwegs: Ferienhaus oder –wohnung

Wer ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung bucht, sollte immer die Stornierungsbedingungen lesen. Viele Vermieter sind mittlerweile sehr kulant und bieten kostenfreie Stornierungen bis kurz vor der Reise an. Das sollte auch schriftlich zugesichert sein. Gerade für eine Reise ins Ausland sollten die Urlauber sich über die Regelungen des Reiselandes informieren. Hier ist es mit den kostenfreien Stornierungen meist schwierig, so die Erfahrung von Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland. Daher sollte man unbedingt den direkten Kontakt mit dem Vermieter aufnehmen und klare Vereinbarungen treffen. Gleiches gilt natürlich auf für ein Hotel. Auch hier ist es besser, sich vorab über die Stornierungskonditionen zu informieren.

Unterwegs mit dem Flugzeug

Wird ein Flug gebucht, um etwa nur zum Ferienhaus zu kommen, ist die Rechtslage nochmal etwas anders. Da kann man sich viel schwieriger aus einem Vertrag lösen, so die Erfahrungen der Verbraucherzentrale Saarland. Denn wenn der sogenannte „Beförderungsvertrag“ von der Airline eingehalten werden kann, dann kann man nicht so ohne weiteres kostenfrei vom Flug zurücktreten. Man kann dann natürlich die Reise nicht mehr antreten, bekommt allerdings im Zweifelsfall nur noch Steuern und Gebühren zurück. Auch da muss man sich also vorab über die Stornogebühren im Klaren sein.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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