Eine Frau fasst an einen Heizkörper in ihrer Wohnung (Foto: picture alliance/dpa | Ulf Mauder)

Alternativen zu Gas und Öl - Umstieg auf erneuerbare Energien  

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   17.03.2022 | 06:00 Uhr

Die Energiepreise steigen und steigen – nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine. Doch der anhaltende Konflikt und die Diskussionen über einen möglichen Importstopp von Öl und Gas aus Russland sorgen dafür, dass die Preise für Energie weiter nach oben schnellen. Vielen Eigenheimbesitzern drängt sich nun die Frage auf: Welche Alternativen habe ich zu meiner Öl- oder Gasheizung?

Der Winter 2021/22 wird eine der teuersten Heizperioden seit langer Zeit. Die Kosten für Öl und Gas, aber auch für Strom sind deutlich gestiegen - und damit auch die Abschläge beim Energieversorger. Zudem drohen hohe Nachzahlungen. Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine, sondern bereits seit dem vergangenen Jahr lassen sich immer mehr Eigenheimbesitzer bei den Verbraucherzentralen beraten.

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Alternativen zu Öl und Gas - Wie auf erneuerbare Energien umsteigen?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Christian Job / Yvonne Schleinhege, 17.03.2022, Länge: 07:20 Min.]
Alternativen zu Öl und Gas - Wie auf erneuerbare Energien umsteigen?

Die Zahl der Energieberatungen hatte sich zuletzt verdoppelt. Nachgefragt wurden vor allem Informationen zum Austausch von Heizungen, zur Wärmedämmung und zu Solartechnik. Doch wie kann der Umstieg gelingen?



Gas- und Ölheizungen ein Auslaufmodell?

Heizöl (Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Für Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, steht zumindest fest: "Das Heizen mit Öl und Gas hat eigentlich gar keine Zukunft mehr." Dies zeige nicht nur die aktuelle politische Situation, hinzu käme auch noch die Klimaproblematik. "Es spricht momentan also vieles dafür, sich möglichst bald von Gas und Öl zu verabschieden", so der Energieexperte.

Fakt ist zumindest: Der Einbau einer neuen Ölheizung ist ab 2026 nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. Zudem werden Öl und Gas, so zumindest ist es geplant, bis 2025 jedes Jahr stärker mit einer CO2-Steuer belastet.

Wann die Alte Heizung austauschen?

Geldnoten auf einem Heizkörper (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Aber eine Erneuerung der Heizungsanlage sollte sehr gut geplant sein. Keinen Sinn mache es, jetzt gute Heizungen auf die Schnelle und übereilt auszutauschen, so Hans Weinreuter. Wenn die Heizung 20 Jahre alt ist, dann steht ein Wechsel an. Ist die Heizung erst zehn Jahre alt, macht ein kompletter Austausch noch keinen Sinn.

Wichtig: Man sollte aber nicht nur die Heizungsanlage allein im Blick haben. Vielmehr müsse man das Haus als Ganzes betrachten, so der Energieberater von der Verbraucherzentrale. Dazu gehöre etwa die Gebäudehülle, sprich Dämmung, oder auch die Fenster.

Dazu kommen dann noch das Nutzerverhalten und auch die klimatischen Bedingungen vor Ort (Sonneneinstrahlung). "Ein Plan für jedes Gebäude machen, macht Sinn. Und wann dann welche Maßnahme auch umgesetzt wird, hängt von der Einzelsituation ab." Jede Renovierung oder Sanierung sollte als Anlass genutzt werden, auch über energetische Fragen nachzudenken.

Die ersten Schritte bei der Umstellung

Unterstützung bekommt man bei den Verbraucherzentralen oder bei unabhängigen Energieberatern. Bei den Verbraucherzentralen gibt es die Möglichkeiten einer Erstberatung – als ersten Einstieg in das Thema. Dort könne man dann zunächst die Grundsatzfragen klären, so Hans Weinreuter.

Danach können bei einem Vor-Ort-Termin weitere spezielle Checks durchgeführt werden. Dazu zählt etwa der Heiz-Check oder ein Gebäude-Check. Aktuell sei es allerdings schwer, solche Termine zu bekommen.

Wer es danach genauer haben möchte oder auch Förderprogramme nutzen will, der müsse dann einen Energieberater engagieren. Der könne dann auch einen individuellen Sanierungsplan erstellen.

"Da muss man sich dann auf dem freien Markt der Energieberater jemanden suchen. Dafür gibt es die sogenannte Energie-Effizienz-Expertenliste im Netz“, so der Experte von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Auch eine Baubegleitung durch einen Energieberater werde gefördert.

Kurzfristige Maßnahmen: Solar für warmes Wasser

Solaranlagen sind auf Dächern von Wohnhäusern (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod)

Wichtig ist: Viele energetische Maßnahmen lassen sich auch mit der bestehenden Heizung kombinieren. Genannt wird in diesem Zusammenhang gerne die Solarthermie-Anlage. Dazu werden auf dem Dach Sonnenkollektoren montiert. Das Wasser darin heizt sich auf und kann dann genutzt werden um das Haus zu heizen oder warmes Wasser aufzubereiten. Dies sei aber immer nur eine Ergänzung zur bestehenden Heizung, so Weinreuter. Dafür eignet sich etwa eine bestehende Gasheizung.

Aber, wenn die Gasheizung erst einige Jahre alt ist, könne man auch darüber nachdenken, diese mit einer Wärmepumpe zu kombinieren. „Für die Spitzenlasttage im Winter hat man dann noch die Gasheizung. Wenn dann noch das Gebäude irgendwann gedämmt würde, könnte man schließlich ganz auf eine Gasheizung verzichten." Solche Überlegungen sind natürlich nicht eine Pauschallösung, sondern immer nur eine Möglichkeit.

Wärmepumpe: Ein System für jedes Haus?

Zähler einer Wärmepumpe (Foto: SR)

Tatsächlich muss man für jedes Haus sehr individuell eine Lösung finden. Das gilt gerade auch für das Thema Wärmepumpe, die aktuell zum beliebtesten Heizungssystem wird. Ganz simpel erklärt wandelt die Wärmepumpe die Wärme aus der Umgebung in Heizenergie um – also aus der Luft, dem Grundwasser oder der Erde. Häufig genutzt werden sogenannte Luft-Wärme-Pumpen.

Häufig diskutiert wird die Frage, ob Wärmepumpen auch in einem bestehenden Haus oder einem Altbau Sinn machen. "Ich würde nicht von vorne herein ausschließen, dass Wärmepumpen in einem Bestandsgebäude keinen Sinn machen", sagt der Energieberater.

Am effizientesten arbeiten Wärmepumpen natürlich, wenn das Haus gut gedämmt ist und über eine sogenannte Flächenheizung verfügt. Das sind insbesondere Fußbodenheizungen. Aber die Heizungen seien inzwischen so gut, dass sie auch im Altbau mit Heizkörpern eingesetzt werden können. Hier müssten dann die Heizkörper entsprechend erneuert werden.

Strom vom eigenen Dach

Dach mit Solaranlage (Foto: pixabay/ulleo)

Da die Wärmepumpe natürlich Strom benötigt, wird sie gerne im Zusammenhang mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach genannt. So könne man natürlich den benötigten Strom selbst produzieren.

Doch Hans Weinreuter gibt eines zu bedenken: "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Strombedarf der Wärmepumpe und die Stromerzeugung durch die PV-Anlage jahreszeitlich nicht deckungsgleich sind. Die PV-Anlage erzeugt den meisten Strom im Sommer, die Wärmepumpe/Heizung braucht man vor allem im Winter." Natürlich gibt es auch Speichermöglichkeiten, allerdings nur für ein paar Tage. Dennoch will der Experte nicht von der PV-Anlage abraten. Sie sei sinnvoll, nur bekomme man damit keine völlige Autarkie hin.

Holzpellets: Eine Alternative, aber nicht für jedes Haus

Pellets  (Foto: dpa)

Wo Wärmepumpen keinen Sinn machen, kann eine Pelletheizung eine mögliche Option sein. "Natürlich ist der Vorteil des Holzes, dass dort wieder CO2 gebunden wird." Aber die Ressource Holz sei natürlich endlich, so der Energieberater. Deshalb sei diese Heizungsform keine flächendeckende Alternative, aber natürlich eine Alternative.

Geheizt wird bei Pelletheizungen mit kleinen Stäbchen aus gepressten Holzresten. Die müssen natürlich gelagert werden. Und dafür braucht man Platz. Wer seine alte Ölheizung samt Öltank rausschmeißt, könnte den natürlich schaffen. 

Hohe Kosten, viele Fördermöglichkeiten

Immobilienfinanzierung (Foto: Pixabay/moerschy)

Wer seine alte Gas- oder Ölheizung ersetzen will, der muss auch kräftig investieren. Die Kosten je nach Art der Heizung unterscheiden sich natürlich deutlich. Bei einer Wärmepumpe kommen auf den Hausbesitzer durchaus 20.000 Euro oder mehr zu. Auch eine Holzpelletheizung ist teurer als eine normale Gasheizung. "Momentan haben wir die Situation, dass die Förderkulisse so gut ist. Das ist dann schon mal die halbe Miete, was die Investitionskosten angeht", sagt Hans Weinreuter.

Der Staat fördert den Einbau einer Heizung auf Basis erneuerbarer Energien mit bis zu 45 Prozent. Die große Frage ist natürlich, wie sich die Energiepreise in den kommenden Jahren entwickeln. Im Falle eine Wärmepumpe gehört dazu dann auch der Strompreis. Wer sein Haus insgesamt modernisiert, hat natürlich gute Chancen, etwas unabhängiger von großen Preissprüngen zu werden.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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