Glasfaserkabel vor einer Speedpipe (Foto: picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Schnelles Internet via Glasfaser – das steckt dahinter

Gut zu wissen

Sarah Sassou   18.11.2021 | 09:45 Uhr

Ohne breitbandiges Internet wird es in Zukunft nicht mehr gehen. Die Landesregierung hat eine Gigabitstrategie aufgelegt, damit jede Ortschaft auf mindestens 1000 Mbit/s kommt. Gelingen soll das mit Glasfaser. Glasfaser wird als die Technologie der Zukunft gehandelt, weil darüber deutlich größere Datenmengen transportiert werden können als über Kupferleitungen.

Viele deutsche Haushalte verfügen über einen schnellen Internetanschluss, das bedeutet mindestens 50 Mbit/s. Meist handelt es sich um einen VDSL-Anschluss. Die Glasfaseranschlüsse, die bereits innerorts verlegt worden sind, führen zu den Verteilerkästen. Von dort aus sind in der Regel jedoch lediglich Kupferleitungen zu den Hausanschlüssen gelegt. Das begrenzt die Versorgung auf 50 Mbit/s, und diese werden auch nur beim Download erreicht.

Die Bandbreiten

Gut zu wissen: Schnelles Internet via Glasfaser – das steckt dahinter
Audio [SR 3, Studiogespräch: Eberharf Schilling / Sarah Sassou, 18.11.2021, Länge: 05:43 Min.]
Gut zu wissen: Schnelles Internet via Glasfaser – das steckt dahinter

Lädt man selbst große Datenmengen hoch, ist die Leistung meist viel niedriger. Einige Haushalte sind noch über die ältere Technik DLS mit Internet versorgt. Hier ist Glasfaser nur an der Vermittlungsstelle im Einsatz, die Bandbreite liegt bei maximal 16 Mbit/s.

Die Glasfaser-Technik, die bis in die Gebäude verlegt wird, ist dagegen wesentlich leistungsfähiger. Die Download-Geschwindigkeit liegt im Moment um die 1000 Mbit/s, beim Upload sind es bis zu 500 Mbit/s.

Technik noch lange nicht ausgeschöpft

Die Kommunikationsunternehmen weisen darauf hin, dass die Technik noch lange nicht ausgeschöpft sei. Das ist ein wichtiger Punkt aus Sicht vieler Experten und der Regierung. Denn digitale Anwendungen, die online laufen, werden zunehmen: Homeoffice, Lernen von zuhause oder auch Telemedizin werden viel Datenvolumen benötigen.

Wie funktioniert Glasfaser?

Bei einem Glasfaserkabel sorgen dünne Fasern aus Glas für die Übertragung von Datenmengen mit Lichtgeschwindigkeit. Im Gegensatz zu Kupferleitungen, die Daten elektronisch übertragen, wird also bei Glasfaser optisch übertragen. Es können erstens mehr Signale als bei Kupferverbindungen versendet werden. Zweitens gehen diese Lichtsignale auf der Übertragungsstrecke nicht verloren, selbst über große Entfernungen nicht. 

Wer baut im Saarland aus?

Die Deutsche Telekom und die Deutsche Glasfaser sind im Saarland derzeit aktiv dabei, den Ausbau von Glasfaseranschlüssen voranzutreiben. Die Telekom konzentriert sich dabei auf den städtischen Raum, die Deutsche Glasfaser will die Kommunen versorgen. Auch regionale Anbieter wie Energis, die zum Beispiel in Püttlingen ausbauen will, und Saarlyte in Eppelborn sind vertreten. 

So läuft der Anschluss

Die Anbieter legen ihre Glasfaserkabel in etwa 40 Zentimeter Tiefe, also ein gutes Stück oberhalb der sonstigen Versorgungsleitungen und schießen dann mit einer sogenannten Erdrakete ein Leerrohr zum Haus und führen hier die Glasfaserkabel ein. Ins Gebäude kommt dann noch mal eine kleine Öffnung, durch die dann das Glasfaserkabel ins Haus geführt wird.

Von hier aus wird im Haus über eine Box verteilt. Werden neue Glasfaserleitungen gelegt, nutzen die Firmen aber nie die bereits verlegten Kabel. Sie müssten sie dann vom Eigentümer mieten, um sie für ihre Kunden zu nutzen.

Gebäudeeigentümer müssen entscheiden

Gebäudeeigentümer müssen entscheiden, ob sie an das Glasfasernetz angeschlossen werden wollen oder nicht. Eigentümerverbände haben darauf hingewiesen, dass ein Glasfaseranschluss den Wert der Immobilie zumindest stabilisiert.

Kosten und Verträge

Die öffentliche Hand setzt derzeit auf den privatwirtschaftlichen Ausbau des Glasfasernetzes. Das bedeutet, dass die Kommunikationsfirmen die Kosten für den Ausbau, der sonst etwa 1000 Euro kostet, übernehmen. Dafür müssen die Verbraucher aber einen Zwei-Jahresvertrag für die Internetnutzung abschließen.

Wohnt man nun in Miete und der Eigentümer möchte sein Gebäude ans Glasfaser anschließen, muss man den Vertrag aber nicht annehmen, sondern kann weiterhin den alten beibehalten.  

Preise und Bedarf vergleichen

Wer bislang Telefon, Fernsehen und Internet über Kabel genutzt, hat oft auch eine stabile, leistungsfähige Leitung und alles aus einer Hand. Womöglich kommen Rabatte dazu, wenn die Mobilfunkverträge auch über diesen Anbieter laufen.

Die Glasfaseranbieter erscheinen dann auf den ersten Blick umständlich, denn sie bieten zwar an, die bisherigen Verträge im Auftrag des Neukunden zu kündigen. Ihre Leistungen sind aber meist nicht eins zu eins auf die Produktangebote übertragbar. Außerdem sind Glasfaseranschlüsse meist etwas teurer, dafür aber leistungsfähiger.

Soll man sich nun am aktuellen Ausbau beteiligen oder lieber noch warten? Niemand weiß, wie sich die Preise in Zukunft entwickeln. Möglicherweise muss man später selbst für den Hausanschluss aufkommen, den die Privatfirmen jetzt noch übernehmen.

Auch die Preisentwicklung bei den Tarifen können sich ändern. Ob sie in Zukunft günstiger werden, lässt sich nicht voraussagen. Derzeit zahlt man für 1000 Mbit/s zwischen 75 und 100 Euro monatlich für Glasfaser. Ein vergleichbarer DSL-Vertrag ist mit rund 60 Euro günstiger. Lediglich die Upload Geschwindigkeit ist bei DSL deutlich niedriger.

Wer zum Beispiel beruflich viel online arbeitet und auch andere Haushaltsmitglieder das Internet häufig nutzen, für den könnte sich das noch schnellere und zuverlässigere Internet via Glasfaser auszahlen.

Glasfaser ist für viele also eher eine Investition in die Zukunft, weil klar ist, dass die Kupferleitungen nicht genug Leistung bringen.

Glasfaser im europäischen Vergleich

Vergleicht man den Glasfaserausbau in Europa, dann ist Deutschland ganz hinten in der Rangliste mit einer einstelligen Ausbauquote, so die Statistiken. Länder wie Spanien, Schweden, Portugal, Lettland und Litauen liegen bei über 95 Prozent.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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