Gepäckausgabe im Flughafen (Foto: dpa)

Was man beim Gepäckverlust auf Flugreisen tun kann

Jan Henrich   18.08.2022 | 08:46 Uhr

Es ist ein kleiner Albtraum: Man selbst kommt mit dem Flugzeug am Zielort an, die eigenen Koffer sind jedoch noch ganz wo anders. Schutzlos stehen Urlauber dann aber nicht da. Ein Überblick welche Rechte man geltend machen kann und worauf man schon vor dem Flug achten sollte.

Fehlt das Gepäck am Zielflughafen, sollte man schon vor Ort aktiv werden und den Verlust melden. Beim Service-Schalter des Flughafens oder der Airline kann dazu ein sogenannter Property Irregularity Report (PIR) ausgefüllt werden. Je nach Situation und je nachdem, ob man eine Pauschalreise oder einen Direktflug gebucht hat, können darüber hinaus zudem Ansprüche auf Schadensersatz oder Minderung des Reisepreises geltend gemacht werden.

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Gut zu wissen: Gepäckverlust bei Flugreisen
Audio [SR 3, Moderation: Carmen Bachmann, 18.08.2022, Länge: 05:44 Min.]
Gut zu wissen: Gepäckverlust bei Flugreisen
Im Studiogespräch gibt SR-Reporter Jan Henrich einen Überblick, welche Rechte man beim Kofferverlust geltend machen kann und worauf man schon vor dem Flug achten sollte.

Ansprechpartner und Ausschlussfristen beachten

Hierfür sind die Fluglinie, beziehungsweise bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter die richtigen Ansprechpartner. Allerdings sollte man sich nicht allzu viel Zeit damit lassen. Für die Ansprüche gelten Ausschlussfristen. Verloren gegangenes oder beschädigtes Gepäck muss innerhalb von sieben Tagen, Verspätungen innerhalb von 21 Tagen gemeldet werden.

Ersatzkleidung vor Ort

Wer ohne Gepäck am Urlaubsort ankommt, darf sich die nötigsten Sachen neu kaufen und bekommt diese erstattet. Beispielsweise einfache Ersatzkleidung für wenige Tage oder Hygieneartikel. Kleidung wird allerdings oftmals nur zu 50 Prozent erstattet, da sie später weiter getragen werden kann.

Reisepreis mindern

Bei Pauschalreisen kann man zudem für jeden Urlaubstag ohne Gepäck auch noch den Reisepreis mindern. Nach aktueller Rechtsprechung können bis zu 50 Prozent des Reisetagespreises zurückverlangt werden.

In der Regel werden verspätete Koffer auch direkt in die Unterkunft gebracht. Muss man sie selbst abholen, kann man wiederum die Fahrtkosten in Rechnung stellen.

Bei Verlust muss der Schaden ersetzt werden

Bleibt das Gepäckstück verloren, muss die Fluggesellschaft den Schaden ersetzen. Allerdings nicht den Neupreis, sondern den Zeitwert der Sachen. Die Obergrenze für die Erstattung liegt bei 1500 Euro.

Teure Gegenstände und Schmuck sollten deswegen am besten im Handgepäck verstaut werden. Wenn man es gar nicht vermeiden kann, teure Gegenstände mitzunehmen, sollte man eventuell über eine zusätzliche Reisegepäckversicherung nachdenken. Bei diesen liegt die Haftungsgrenze meist höher.

Gepäckaufkleber und Kassenzettel aufbewahren

Gerade bei neuwertigen oder teureren Sachen kann es sinnvoll sein, den Wert mittels der Kaufbelege nachzuweisen. Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland rät zudem, vor dem Verschließen des Koffers noch ein Foto von dessen Inhalt zu machen.

Außerdem sollte man darauf achten, dass nicht alle Koffer auf eine Person gebucht werden. Denn die 1500 Euro Obergrenze gelten pro Fluggast, nicht pro Koffer.

Insgesamt weniger Fälle

Ungefähr einer von 200 Passagieren ist betroffen. Das geht aus einer Statistik des belgischen IT-Unternehmens SITA hervor. Damit ist die Zahl der verlorenen oder verspäteten Gepäckstücke bei Flugreisen tendenziell in den letzten Jahren gesunken. 2007 kam es dem Unternehmen zufolge noch dreimal häufiger zu Problemen bei der Gepäckabfertigung. Der Großteil der Fälle betrifft dabei Verspätungen, lediglich bei einem geringen Prozentsatz geht das Gepäck vollständig verloren.

Tracker sind erlaubt

Um den Aufenthaltsorts des Gepäcks zu verfolgen, können Koffer mit einem Sender ausgestattet werden. Sogenannte Tracker, wie AirTags oder SmartTags, sind an Bord von Flugzeugen erlaubt. Denn in den Geräten sind meist keine größeren wiederaufladbaren Batterien verbaut, die oft im Gepäckraum verboten sind. Zudem ist die Bluetooth-Technik, mit der gesendet wird, zu schwach, um das Flugzeug zu stören.

Echtzeitverfolgung nur bedingt möglich

Die Tracker sind allerdings oftmals nicht selbst GPS-fähig, sondern senden wenn sich GPS-fähige Geräte in der Nähe befinden. Dementsprechend aktualisiert sich der Standort auch nur unregelmäßig. Da kann es vorkommen, dass der Koffer fälschlicherweise noch eine Zeitlang am falschen Ort angezeigt wird.


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