Kaufinteressenten betrachten Gebrauchtwagen (Foto: dpa)

Gebrauchtwagenkauf

Ratgeber "Gut zu wissen"

Sarah Sassou   14.07.2022 | 09:30 Uhr

Alle paar Jahre muss es sein – ein neues Auto. Doch gerade ist das ziemlich ungünstig. Halbleitermangel und andere fehlende Bauteile sorgen dafür, dass viel weniger Neuwagen auf den Markt kommen. Deswegen sind Gebrauchtwagen derzeit sehr gefragt und sie sind teurer geworden –um bis zu 30 Prozent, wie eine Auswertung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) ergeben hat. Das ruft auch schwarze Schafe auf den Plan, die daran verdienen wollen. Was sollte man in diesen Zeit beim Gebrauchtwagenkauf beachten?

Man sollte gewisse Grundregeln beachten, um einen guten Gebrauchten für sein Geld zu finden. Denn auch in der Krise gilt: Budget festlegen und los geht die Suche. Entweder startet man beim stationären Händler und hat hier die Wahl zwischen Markenhändlern oder freien Händlern. Oder man schaut sich gleich auf Online-Portalen um. Hier bieten sowohl private als auch gewerbliche Verkäufer Wagen an.

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Gut zu wissen: was muss ich beim Kauf eines Gebrauchtwagens beachten?
Audio [SR 3, Sarah Sassou (c) SR, 14.07.2022, Länge: 07:06 Min.]
Gut zu wissen: was muss ich beim Kauf eines Gebrauchtwagens beachten?

Die Auswahl hat sich in den vergangenen Monaten reduziert, da sind sich Branchenexperten einig. Es fehle an jungen Gebrauchten und auch Kleinwagen sind demnach Mangelware. Aber wie kann man die geforderten Preise einordnen, damit man nicht zu viel bezahlt?

Preise stark gestiegen

Der ADAC hat bei einer Stichprobe im Internet festgestellt, dass die Preise für viele Wagentypen gestiegen sind. „Um bis zu 1000 Euro“, sagt Mario Wandernoth, Experte für Fahrzeugtechnik beim ADAC. Trotzdem könne man sich an den Preisen in Online-Verkaufsportalen orientieren.

Im Netz informieren, vor Ort kaufen

Wandernoths Tipp, wenn man ein Auto gefunden hat, für das man sich interessiert: „Mit dem Angebot aus dem Internet kann man zum stationären Händler gehen, der einen vergleichbaren Wagen anbietet, und verhandeln.“

Händler zur Gewährleistung verpflichtet, Privatverkäufer nicht

Wer beim Händler kauft, hat weitere Vorteile gegenüber dem Privatkauf. Der Händler ist gesetzlich zur Gewährleistung verpflichtet, das bedeutet, wenn Sachmangel an dem Auto auftauchen, dann muss der Händler die Mängel auf seine Kosten beheben – diese Frist kann bis zu zwei Jahre gehen.

Privatverkäufer schließen solche Gewährleistungen aus, dafür sind diese Fahrzeuge meist günstiger als beim Händler. Immer wieder tauchen aber sowohl bei privaten als auch gewerblichen Verkäufern schwarze Schafe auf.

Auf Mängel achten!

Manipulierte Tachos, verdeckte Unfallschäden oder Ähnliches werden dem Käufer oft verschwiegen. Am besten versucht man schon im Vorhinein, solche Mängel auszuschließen. So empfiehlt es sich, Inspektionen im Serviceheft nachzukontrollieren, nachzusehen, ob ein Wagen schon viele Vorbesitzer hatte und zu klären, warum.

Um Betrug zu vermeiden, sollte man auch ruhig mal einen Blick auf die Fahrgestellnummer werfen, die an der Säule zwischen Vorder- und Hintertür angebracht ist, und sie  mit der Nummer in der Zulassung vergleichen.

Fahrzeug durchchecken lassen

Außer der obligatorischen Probefahrt, bei der man sich selbst ans Steuer setzen sollte, raten Experten, bei einem Kaufinteresse das Fahrzeug von einer unabhängigen Stelle durchchecken zu lassen. Das machen Werkstätten, Dekra oder ADAC gegen eine Gebühr. Vor allem bei Privatverkäufern sollte man sich davon überzeugen, dass es keine Mängel gibt oder sie zumindest und auch im Kaufvertrag offen gelegt werden.

Zusätzliche Kosten im Auge behalten

Bei der Wahl des Autos sollte man auch die Nebenkosten im Blick habe. Dazu zählen Kraftstoffverbrauch, Reparatur- und Wartungskosten und natürlich die Höhe der Versicherung.

Etwas anders muss man die Dinge betrachten, wenn man auf der Suche nach einem gebrauchten E-Auto ist. Auch hier sind die Preise noch recht hoch, weil der Markt noch recht jung und überschaubar ist.

Es soll ein E-Auto sein?

Bei der Suche zählen vor allem die Kernpunkte – wie bei Verbrennern - das Alter und die Laufleistung. Außerdem zählen Reichweite, Ladezeit und bei Hybriden der CO2-Ausstoß.

Ladezeit, Akkugröße, Stromverbrauch und Garantie

Wer nicht ewig darauf warten will, dass er seine Fahrt fortsetzen kann, sollte darauf achten, dass das Elektroauto einen CCS-Anschluss hat. Damit lässt sich ein E-Auto unterwegs viel schneller laden. Autos mit CCS-Anschluss erzielen außerdem bessere Gebrauchtpreise.

Außerdem sollte die Akkugröße zu den Anforderungen passen, die man an das Auto stellt. Wer häufig längere Strecken fährt, für den zahlt sich ein größerer, aber meist teurerer Akku aus. Für kürzere, tägliche Strecken ist ein kleiner ausreichend. Auch wichtig zu beachten ist die Effizienz des E-Autos, also wie viel Strom verbraucht wird und wie hoch die reale Reichweite ist.

Was beim Verbrenner mehr Energie braucht, ist beim E-Auto dagegen gar kein echter Luxus: Mit Akku-, Sitz-, Scheiben- und Standheizung spart man sogar Strom, denn körpernahe Wärme ist beim E-Auto energetisch viel günstiger als  das Innenraumgebläse.

Wichtig noch: Die Akku-Garantie sollte auch bei einem Gebrauchten noch laufen denn der Austausch eines defekten Akkus kann teuer werden. Außerdem sollte man sich über das Ladenetz informieren, wenn man nicht zuhause an der eigenen Wallbox laden kann. Hinzu kommt das Servicenetz, also welche Möglichkeiten es gibt, das E-Auto warten und reparieren zu lassen.

Preise werden noch weiter steigen

Auch wenn Gebrauchtwagenkäufer in diesem Jahr schon deutlich mehr ausgeben müssen, als im vergangenen Jahr, könnte es ein kleiner Trost sein, dass sich die Situation im kommenden Jahr auf dem Gebrauchtwagenmarkt weiter anspannt. Weil es dieses Jahr wegen des Mangels an Neuwagen viel weniger Zulassungen gibt, werden 2023 weniger junge Gebrauchte im Angebot sein, schätzen Branchenexperten wie ADAC und DAT.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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