Geldscheine in einem Fußballschuh (Foto: dpa)

Fußballanleihen: Keine sichere Geldanlage

Yvonne Schleinhege   26.08.2021 | 09:30 Uhr

Den eigenen Verein unterstützen, auch finanziell? Das ist möglich, wenn Fußballvereine Anleihen herausgeben. Fußballclubs nutzen solche Anleihen gerne, wenn sie Geld brauchen. Doch für Fans ist das Investment mit vielen Risiken verbunden. Solche Anleihen kaufen sollte nur, wer im Fall der Fälle auch auf das Geld verzichten kann.

So langsam füllen sich die Fußball-Stadien wieder. Dennoch hat die Corona-Pandemie, vor allem die fehlenden Ticketverkäufe, bei einigen Vereinen ein ganz schönes Loch in die Kasse gerissen.

"Gut zu wissen": Fußballanleihen - keine sichere Geldanlage
Audio [SR 3, Studiogespräch: Carmen Bachmann/Yvonne Schleinhege, 26.08.2021, Länge: 05:31 Min.]
"Gut zu wissen": Fußballanleihen - keine sichere Geldanlage
Yvonne Schleinhege aus der SR-Wirtschaftsredaktion im Studiogespräch.

Schalke 04 und Werder Bermen müssen zudem durch den Abstieg in die 2.Bundesliga mit weniger TV- und sicher auch Sponsorengelder auskommen.

Um „frisches Geld“ zu bekommen, haben beide Vereine daher im Sommer eine Unternehmensanleihe auf den Markt gebracht. Sie wollen sich also Geld bei professionellen Anlegern und ihren Fans ausleihen.

Anleihen: Nennwert, Zinsen, Laufzeit

Wer wirklich Geld anlegen will, der sollte von solchen Anlagen die Finger lassen, sagt Michael Beumer von der Finanztest. Denn das Risiko sei bei diesen Anleihen zu groß.

Wer eine Anleihe bei einem Unternehmen kauft, leiht diesem Geld und erhält dafür Zinsen. Eine Anleihe wird zu einem bestimmten Stückpreis (Nennwert) ausgegeben; das sind bei Fußballanleihen meist 100 oder 1000 Euro. Diese Anleihen haben dann einen festen Zins, der jährlich ausgezahlt wird. Dazu hat jede Anleihe eine bestimmte Laufzeit. Ist die beendet, erhält der Anleger sein Geld zurück.

Sehr viele Risiken

Unternehmen würden dieses Model gerne nutzen, wenn es für sie der günstigere Weg sei, an Geld zu kommen, als etwa über eine Bank, sagt Michael Beumer. Zudem könne das Unternehmen, das die Anleihe herausgebe, mit dem Geld wirtschaften wie es wolle.

Anleihen von Fußballclubs sind mit jährlichen Zinsen von fünf Prozent und mehr natürlich auf den ersten Blick lukrativ. Doch der Experte von der Finanztest warnt vor den Risiken: Grundsätzlich könne die künftige finanzielle Entwicklung eines Fußballclubs nur schwer vorhergesagt werden, denn die hängte nicht nur davon ab, wie gut die Mannschaft spiele, sondern auch, wie es mit den Sponsoren aussehe oder ob der Verein Glück auf dem Transfermarkt habe.

Bei einer Pleite ist das Geld weg

Das entscheidende Problem bei Anleihen ist: Wenn das Unternehmen oder der Verein Pleite geht, ist das geliehene Geld ganz oder zumindest zu größten Teilen weg. Eine Einlagensicherung wie für Sparkonten bei der Bank gibt es nicht. Daher ist eine Anleihe beim Lieblingsverein auch keine sichere Geldanlage etwa für die Altersvorsorge.

Wer seinen Club unterstützen will, sollte nur Geld investieren, auf das er im Fall der Fälle verzichten kann. Von vier Vereinen aus den drei deutschen Profiligen können Fans aktuell Anleihen an der Börse kaufen.

Ganz grundsätzlich werden Anleihen entweder als Fananleihen direkt beim Fußballverein gekauft, zudem gibt es Anleihen von Clubs, die sich als „klassische Anleihen“ auch an professionelle Anleger richten. Solche Anleihen werden an der Börse gehandelt.

Negativbeispiel Kaiserslautern

Mit wie vielen Risiken solche Anleihen verbunden sind, zeigt ein Beispiel bei uns in der Region: Der 1.FC Kaiserslautern hatte 2019 eine Anleihe für seine Fans herausgegeben, um sich u.a. die Lizenz für die nächste Spielzeit zu sichern. Doch weil es sportlich nicht lief und coronabedingt Einnahmen wegfielen, geriet der FCK im Herbst 2020 in finanzielle Probleme. Der Verein wollte daraufhin die Auszahlung der Zinsen verschieben, das gelang aber nicht. Die finanzielle Situation des FCK hat sich mittlerweile verbessert, dennoch ist nicht klar ob der Verein 2022 die Anleihe zurückzahlen kann.  

Vorsicht auch bei Fußballaktien

Auch dieses Beispiel zeigt: Als sichere Geldanlage eignen sich Fußballanleihen nicht. Gleiches gilt übrigens für Fußballaktien. So können Fans aktuelle Aktien von Borussia Dortmund und der Spielvereinigung Unterhaching kaufen. Aber die Kurse von diesen Aktien würden stark schwanken und seien kaum vorhersehbar, so Michael Beumer von der Finanztest. Am Ende habe Fußball immer auch mit Glück zu tun. 

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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