Münzen mit einem 50 Euroschein als Dach (Foto: Pixabay/Skitterphoto)

Forward-Darlehen – ein Stück Sicherheit für die Finanzierung?

Ratgeber "Gut zu wissen"

Sarah Sassou   19.05.2022 | 09:30 Uhr

Der Kredit für das Eigenheim läuft, aber die Zinsbindung nähert sich dem Ende. Doch gerade weiß niemand, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickeln. Geht es möglicherweise noch weiter nach oben? Viele Kreditnehmer machen sich Gedanken darüber, wie sie die Anschlussfinanzierung in solch unsicheren Zeiten am Besten regeln. Dazu Tipps in "Gut zu wissen."

Forward-Darlehen: viele Banken und Kreditinstitute bieten diese Form der Anschlussfinanzierung an. Dabei geht es darum, schon vor Auslaufen der Zinsbindung eines Immobiliendarlehens ein neues Darlehen abzuschließen, in dem die Zinskonditionen festgeschrieben sind. Man setzt also voraus, dass die Zinsen künftig weiter steigen. 

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Gut zu wissen: Forward- Darlehen
Audio [SR 3, Sarah Sassou (c) SR, 19.05.2022, Länge: 04:53 Min.]
Gut zu wissen: Forward- Darlehen

Frühzeitig um neues Darlehen kümmern

Um eine Anschlussfinanzierung kann man sich schon bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung kümmern. Ob man das so früh schon möchte, ist einfach eine Typfrage. Ist es für mein Risikoempfinden besser, wenn ich jetzt schon weiß, wie meine Finanzierung nach Ende der Zinsbindung weitergeht? Oder warte ich lieber ab? „Spätestens ein Jahr vor Ende der Zinsbindung sollte man aber schon anfangen, sich Gedanken zumachen, wie es weitergeht und sich informieren“, rät Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Saarland.

Noch weitere Angebote einholen

In der Regel kommt die Bank, bei der der Kredit läuft, mit einem Angebot zur Anschlussfinanzierung auf einen zu. „Das Angebot ist aber meist mittelmäßig, weil die Bank weiß, dass viele Kunden eher bequem sind“, sagt Thomas Beutler.
Deswegen rät er: „Man sollte immer vergleichen und schauen: Was kann ich denn bei anderen Banken für einen Zinssatz bekommen und verhandeln. Denn wenige Zehntel Zins weniger bei einer hohen Summe sparen tausende von Euro. Der Aufwand lohnt sich also auf jeden Fall.“ Vor allem, weil solche Kreditkunden attraktiv für die Banken sind. Sie haben bewiesen, dass sie ihr Darlehen zuverlässig bedienen. Außerdem ist die Restschuld in der Regel deutlich niedriger als der Wert der Immobilie, die den Banken als Sicherheit dient.

Allerdings ist so ein Forward-Darlehen mit gesichertem Zinssatz nicht geschenkt. Man zahlt eine monatliche Gebühr, bis das Darlehen zum Einsatz kommt. Dieser Aufschlag liegt bei 0,01 bis 0,05 Prozent der Darlehenssumme. Je früher man das Forward-Darlehen abschließt und je höher die Zinsen aufschlagen, desto teurer ist die Anschlussfinanzierung.

Neue Konditionen aushandeln

Wenn es also um die Anschlussfinanzierung geht und dann um ein Forward-Darlehen, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man den Vertrag und seine Bedingungen völlig neu verhandeln kann. Also sollte man sich einige Fragen stellen:

  • Möchte ich die Zinsbindung bis zur vollständigen Rückzahlung festlegen?
  • Sollen Sonderzahlungen möglich sein und in welcher Höhe?
  • Wie kann ich mich im Vergleich zum vorherigen Finanzierungspartner verbessern?

Doch bis ein Forward-Darlehen greift, gehen noch mal Monate ins Land, in denen viel auf dem Finanzmarkt passieren kann. Sollte beispielsweise das Zinsniveau überraschend gesunken sein, im Forward-Darlehensvertrag sind aber noch höhere Zinsen vereinbart, kann man dagegen nichts tun. Denn Vertrag ist Vertrag, sagt Finanzexperte Thomas Beutler. „Ich kann den Vertrag nicht einfach kündigen und einen neuen mit besseren Konditionen abschließen.“ Deshalb sollte man gut überlegen, wenn man sich für ein Forward-Darlehen entscheidet.   

Plötzlicher Geldregen schafft kein Kündigungsrecht

Auch Entwicklungen im Privatleben haben keine Auswirkung auf die Gültigkeit des Vertrages. Braucht man den Kredit eigentlich nicht mehr, weil man seine Restschuld durch beispielweise eine Erbschaft oder einen Lottogewinn begleichen kann, nützt einem das nichts.

Denn: wenn man den Vertrag kündigt, wird eine sogenannte Nichtabnahmeentschädigung an die Bank fällig. „Das heißt, ich muss praktisch den Zinsschaden, den die Bank dann wegen des verloren gegangenen Geschäfts hat, ausgleichen“, so Thomas Beutler. „Und das kann sehr teuer werden.“ 

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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