Bauarbeiter dämmen die Hausfassade eines Neubaus. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann)

Energetische Sanierung: Was wird jetzt gefördert?

Jan Henrich   04.08.2022 | 09:45 Uhr

Geld vom Staat für die energetische Haussanierung - die entsprechenden Förderprogramme gibt’s schon länger. Ende Juli hat das Bundeswirtschaftsministerium die Regeln geändert. Wie die Förderung jetzt funktioniert: ein Überblick.

Mit Umbauten an den eigenen vier Wänden Energie sparen und mehr fürs Klima tun - das wird belohnt, und zwar mit der sogenannten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

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Gut zu Wissen: Förderung für Gebäudesanierung
Audio [SR 3, Jan Henrich, 04.08.2022, Länge: 06:05 Min.]
Gut zu Wissen: Förderung für Gebäudesanierung

Gefördert werden Maßnahmen im Gebäudesektor, mit denen man Energie einsparen kann. Beispielsweise eine neue Wärmedämmung oder der Austausch einer alten Heizungsanlage.

Zuschuss- oder Kreditförderung

Das umfasst grundsätzlich drei Bereiche: die energetische Vollsanierung von Gebäuden, die Förderung einzelner energetischer Sanierungsmaßnahmen und auch wer ein neues energiesparendes Haus baut, kann auf das Programm zurückgreifen.

Je nach Vorhaben gibt es die Förderung als Zuschuss- oder als Kreditvariante.

Klimaschutzpotenzial Gebäudesanierung

Hintergrund der Förderung sind die Klimaschutzziele der Bundesregierung. Knapp 16 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Gebäudesektor.

Nach Angaben der Bundesregierung wurden von den knapp 22 Millionen Gebäuden in Deutschland etwa 12,5 Millionen Wohnhäuser vor 1977 errichtet. Insbesondere durch energetische Sanierung gebe es große Einsparpotenziale mit Blick auf Treibhausgasemissionen. Aus diesem Grund hatte die Bundesregierung 2020 die Förderprogramme auf dem Weg gebracht.

Wo kann die Förderung beantragen werden?

Je nach Art der Förderung, sind zwei Stellen zuständig: Die Kreditförderung, die es beispielsweise für eine Komplettsanierung oder bei einen Neubau gibt, läuft über die staatlichen Förderbank Kfw.

Für Zuschüsse zu einzelnen energetischen Maßnahmen, also beispielsweise der Einbau einer Wärmepumpe, ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zuständig. Dort kann man selbst, oder ein Energieberater über ein Online-Portal den Antrag stellen. Der Energieberater erstellt dann auch noch eine sogenannte Technische Projektbeschreibung (TPB), die mit dem Antrag eingereicht wird.

Energieberatung in den meisten Fällen verpflichtend

Energieberater übernehmen sozusagen eine Qualitätssicherung im Rahmen der Anträge. Gesetzlich ist vorgesehen, dass sie die Einhaltung der Anforderungen bestätigen, wie Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale erklärt.

Es gibt aber Einzelmaßnahmen, die von dieser Pflicht ausgenommen sind. Zum Beispiel beim Heizungstausch, da muss man nicht zwingend einen Energieberater zwischenschalten.

Förderung auch für Energieberaterkosten

Ungefähr kann mit Kosten in Höhe von 350 bis 600 Euro gerechnet werden, wenn der Energieberater die Förderung beantragt. Wobei auch diese Kosten selbst nochmal förderfähig sind.

Wenn der Energieberater einen kompletten Sanierungsfahrplan erstellt, kann es noch teurer werden. Aber auch hier kann einen Großteil der Kosten erstattet werden.

Neuaufstellung der Förderung

Ende Juli hatte das Bundeswirtschaftsministerium eine umfassende Neuaufstellung der Förderung verkündet. Der Förder-Fokus liegt künftig weniger beim Neubau, sondern bei der energetischen Sanierung von Gebäuden. Zwölf bis 13 Milliarden Euro sind dafür eingeplant. Das ist mehr als bisher. Allerdings werden auch gleichzeitig die einzelnen Fördersätze gesenkt. Das heißt es gibt künftig weniger Geld pro Maßnahme.
Das liegt daran, dass schon in der Vergangenheit die im Haushalt eingestellten Fördertöpfe dem Ansturm nicht gewachsen waren. Die Programme mussten sogar teilweise gestoppt werden. Dem wollte man jetzt entgegensteuern und Kontinuität reinbringen.

Gas betriebene Heizungsanlagen künftig ausgeschlossen

Außerdem werden bestimmte Maßnahmen künftig von der Förderung ausgeschlossen. Beispielsweise gibt es für Anlagen, die Gas verbrauchen, künftig keinen Zuschuss mehr, und zwar egal wie effizient sie arbeiten. Insbesondere mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine habe sich die Dringlichkeit erhöht, fossile Technologien zügig zu ersetzen, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Auch die Förderung für das Effizienzhaus 100 wurde eingestellt

Fördersätze sinken

Die Fördersätze sinken um 5 bis 10 Prozentpunkte. Früher bekam man beispielsweise für den Einbau einer Wärmepumpe eine Förderung in Höhe von maximal 50 Prozent der Kosten beziehungsweise bis zu 30.000 Euro, nach der Reform sind es nur maximal 40 Prozent bei einer Höchstgrenze von 24.000 Euro.
Beim Fenstertausch sinkt der Fördersatz von 25 auf 20 Prozent. Früher konnte man rund 15.000 Euro bekommen, jetzt sind es noch 12.000 Euro.

Kritik an der Kürzung

Die Logik dahinter: Weniger Geld für den Einzelnen, damit insgesamt mehr Menschen die Förderung in Anspruch nehmen können. Gerold Happ vom Verein Haus und Grund befürchtet jedoch, dass die Reduzierung der Fördersätze das Gegenteil bewirken könnte. Kosten seien gestiegen, gleichzeitg würden Fördersätze runtergesetzt, da stelle sich die Frage, ob geplante Maßnahmen überhaupt noch finanzierbar seien, so Happ.

Neuaufstellung zu kurzfristig

Und es ist nicht der einzige Kritikpunkt. Die Saarländische Ingenieurkammer und der Landesverband der Energieberater hatten auch die Kurzfristigkeit der Änderungen bemängelt. Teile der Reform waren letzte Woche schon einen Tag nach Bekanntmachung in Kraft getreten. Die neuen Regeln für einzelne Sanierungsmaßnahmen gelten bereits ab Mitte August. Da gehe, so die Verbände, Planungssicherheit verloren.


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"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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