Menschen, die Masken im Bus tragen. (Foto: SR)

Erfolgreiche Klage wegen 4,60 Euro

Gut zu wissen: Fahrgastrechte

Jan Henrich   22.09.2022 | 10:05 Uhr

Verspätungen, ausgefallene Züge, volle Abteile. Die Deutsche Bahn ist in diesem Sommer an ihre Grenzen gekommen. Mehr als 40% aller Fernverkehrszüge bei der Deutschen Bahn waren in diesem Sommer unpünktlich. Welche Rechte Fahrgäste im Fall einer Verspätung haben – ein Überblick.

Ob und ab welcher Verspätung Bahnkunden eine Entschädigung erhalten, ist eindeutig in den sogenannten Fahrgastrechten, einer EU-Verordnung geregelt. Kommt man mehr als 60 Minuten später als geplant am Zielbahnhof an, zahlt die Bahn eine Entschädigung von 25 Prozent des Ticketpreises. Ab zwei Stunden Verspätung gibt’s 50 Prozent. Dies gilt sowohl für Fernverkehr als auch für Nahverkehr.

Nachweis kann nützlich sein

Idealerweise lässt man sich am Zielbahnhof am Informationsschalter die Verspätung bescheinigen. Danach können die Ansprüche bis zu ein Jahr geltend gemacht werden. Neben Entschädigungen muss die Bahn bei Verspätungen zudem kostenlose Erfrischungen und Mahlzeiten bereithalten, soweit es möglich und angemessen ist.

Gut zu wissen: Fahrgastrechte
Audio [SR 3, (c) SR, 22.09.2022, Länge: 05:47 Min.]
Gut zu wissen: Fahrgastrechte

Erstattung auch für Zeitkartenbesitzer

Auch wer beispielsweise ein Monatsticket besitzt, kann grundsätzlich eine Erstattung verlangen. Dieser bemisst sich an Pauschalbeträgen. Bei einer Verspätung von über 60 Minuten bekommt man mit Nahverkehrs-Monatsticket in der zweiten Klasse 1,50 Euro und 2,25 Euro in der ersten Klasse. Allerdings, nicht werden die Beträge nicht unmittelbar ausgezahlt, so Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland. Hierzu muss eine Schwelle von 4 Euro überschritten sein. Es lohne sich also Verspätungsfahrten zu notieren und am Monatsende gesammelt einzureichen.

Schadensersatz für verpasste Termine?

Schwieriger wird es beim Schadensersatz für verpasste Anschlusstermine oder Flüge. Hier haftet die Bahn nur in Ausnahmefällen und nicht automatisch über Fahrgastrechte. Wenn Flug und Zug allerdings zusammen gebucht waren, kann man Ersatz bekommen. Allerdings ist der Reiseveranstalter in den meisten Fällen dann der richtige Ansprechpartner.

Taxi oder Hotel?

Die Bahn muss grundsätzlich dafür sorgen, dass man ans Ziel kommt. Kann sie das nicht, muss sie für eine Unterkunft zahlen oder eine Taxifahrt in Höhe von bis zu 80 Euro. Allerdings muss dafür die planmäßige Ankunftszeit der Bahnverbindung entweder nachts zwischen 0 und 5 Uhr liegen und die Verspätung mindestens 60 Minuten betragen. Oder der letzte fahrplanmäßige Zug muss ausgefallen sein und der Zielbahnhof kann mit der Bahn nicht mehr bis 24 Uhr erreicht werden.

Taxigutschein am Informationsschalter

Im Idealfall geht man, wenn man nachts nicht mehr weiterkommt, an einen Informationsschalter und bekommt dort einen Gutschein für ein Hotel oder eine Taxifahrt. Sollte Schalter schon geschlossen haben, kann man auch ohne Gutschein ins Taxi einsteigen und die Kosten vorstrecken.

Änderungen ab 2023

Ab dem kommenden Jahr ändern sich die Rechte für Fahrgäste. Insbesondere bei Verspätungen aufgrund von außergewöhnlichen Umständen gibt es dann keine Erstattung mehr. Das umfasst beispielsweise Naturkatastrophen, Personen auf den Gleisen oder Gesundheitsrisiken aufgrund einer Pandemie.

Bahnstreiks gehören allerdings nicht zu diesen außergewöhnlichen Umständen. Da muss die Bahn weiterhin zahlen.

Verklickt in der App, falsches Ticket gebucht, was dann?

Die Bahn bietet eine sogenannte Sofortstornierung an. Die gilt sogar für Supersparpreis-Tickets. Aber diese Art der Stornierung ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Unter andere muss man sich innerhalb von 12 Stunden melden und am eigentlichen Geltungstag ist die Stornierung ausgeschlossen. Ob diese Einschränkungen allerdings bestand hat, ist nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt/Main fraglich.

Verklagt wegen 4,60 Euro

Die Bahn hatte sich aus unter Verweis darauf geweigert einer Rechtsreferendarin ihr in Eile falsch gebuchtes Ticket zurückzuerstatten. Sie hatte versehentlich ein Fahrradticket dazu gebucht, das sie offensichtlich nicht gebrauchen konnte. Das Amtsgericht entschied nun, dass die Bahn das nachweisbar falsch gebuchte Ticket hätte ersetzen müssen.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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