Lehrer und Schüler im Homeschooling (Foto: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Eltern-Kind-Kuren richtig beantragen

Yvonne Schleinhege   22.07.2021 | 09:30 Uhr

Die Corona-Pandemie hat Eltern ganz besonders gefordert: geschlossene Schulen und Kindergärten haben bei vielen zu einer zusätzlichen Doppelbelastung geführt. Aber auch ohne Homeschooling und Homeoffice kann es Phasen im Familienleben geben, in denen Eltern an ihre Grenzen kommen. Hier können Mütter- oder Väter-Kind-Kuren eine Hilfe sein. Wie man die richtig beantragt - unser Thema in "Gut zu wissen".

Manchmal kann es Phasen im Leben geben, da reicht die Kraft von Mutter oder Vater einfach nicht mehr aus. Rückenschmerzen, Hörstürze oder dauerhafte Erschöpfung können da erste Anzeichen sein.

"Gut zu wissen": Eltern-Kind-Kuren richtig beantragen
Audio [SR 3, Studiogespräch: Christian Job/Yvonne Schleinhege, 22.07.2021, Länge: 05:11 Min.]
"Gut zu wissen": Eltern-Kind-Kuren richtig beantragen
Studiogespräch mit Yvonne Schleinhege

Genau für solche Fälle sind Mutter-Kind-Kur oder Vater-Kind-Kur gedacht, nämlich dann, wenn Eltern ein oder mehre Kinder erziehen und neben dem Familienleben noch sehr stark belastet sind.

Das könne eine berufliche Belastung sein, oder auch die Pflege von Angehörigen, so Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Aber auch Beziehungsprobleme, eine Trennung oder ein Schicksalsschlag können sehr gute Gründe für eine Unterstützung in einer Kurklinik sein.

Krankenkassen zahlen für Mutter- oder Väter-Kind-Kuren

Stimmen die medizinischen Voraussetzungen, haben Kassenpatienten grundsätzlich Anspruch auf eine dreiwöchige Mutter oder Vater-Kind-Kur. Zudem gibt es auch spezielle Kuren nur für Mütter ohne Kinder. Die Kosten tragen die Krankenkassen auch für die mitreisenden Kinder. Erwachsene zahlen einen Eigenanteil von zen Euro pro Tag. Was die private Krankenversicherung übernimmt, hänge vom Tarif und der Versicherung ab, so die Verbraucherexpertin.

Wichtig zu wissen: Vier Jahre nach einer Eltern-Kind- Kur können Mütter oder Väter erneute eine entsprechende Kur beantragen.

Angebote für Kinder und Kuren für Väter

Kinder bis zwölf Jahre können ihre Eltern zur Kur begleiten. Sie müssen selbst keine gesundheitlichen Probleme haben. Sollte das allerdings der Fall sein, kann auch für die Kinder eine Therapie beantragt werden. Kinder mit Behinderungen können ihre Eltern ohne Altersgrenze begleiten. Für die Kurzeit werden die Kinder von der Schule beurlaubt, erhalten in der Klink aber Ersatzunterricht. Dazu gibt es ein entsprechende Freizeitprogramm.

Für Väter gibt es inzwischen auch spezielle Väterprogramme, bei denen sie sich mit anderen Vätern austauschen können.

Mutter- oder Vater-Kind-Kur beantragen

Damit die Beantragung der Kur schnell gelingt, sollten sich Eltern schon bei dem Antrag helfen lassen. Hier sollte man die Beratungsangebote das Müttergenesungswerk (MGW) in Anspruch nehmen, sagt Susanne Meunier von der Stiftung Warentest.

Auch im Saarland hat das MGW in fast allen großen Städten Beratungsangebote - beispielsweise über die Caritas oder das DRK. Hier bekommt man nicht nur Hilfe bei der Antragsstellung, sondern auch Infos über Klinken und Therapieangebote. Alternativ kann man sich aber auch über private Anbieter informieren.

Detailliertes Attest vom Hausarzt

Neben dem Antragsformular braucht man bei der Einreichung der Kur auch ein Attest des Hausarztes. Dieses Attest sollte möglichst detailliert sein und auch eine gewissen Begründungstiefe liefern Arzt und Antragssteller sollten sich dafür ausreichend Zeit nehmen. Dann seien die Erfolgschancen größer, sagt Susanne Meunier.

Wichtig: Manche Krankenkassen bestehen darauf, dass ihre eigenen Formulare zum Einsatz kommen. Der Arzt kann auch schon spezielle Anforderungen an die Kurklinik in das Attest eintragen.

Kurantrag einreichen

Neben dem Antrag und dem Attest kann der Antragssteller auch bereits die Wahl seiner Kurklinik mit angeben. Anbieter kann man über das Müttergenesungswerk und auch private Angebote wie die Arbeitsgemeinschaft "Eltern & Kind Kliniken" finden. Es sei aber auf jeden Fall ratsam, wenn man sich ein paar Gedanken mache, wo man gerne zu Kur möchte, so die Expertin. Den Wunsch muss die Kasse dann auch berücksichtigen.

In den Antrag gehören natürlich auch ggf. Unterlagen für das mitreisende Kind, die dann gemeinsam mit den anderen Unterlagen an die Krankenkasse geschickt werden müssen.

Rückmeldung innerhalb von drei Wochen

Bescheid, ob die Kur dann genehmigt wurde, kommt nach etwa drei bis vier Wochen. Ist die Kur bewilligt, hat man häufig eine Frist von vier Monaten, die Kur auch anzutreten. Nach Angaben des Müttergenesungswerkes haben Eltern-Kind-Kuren eine sehr niedrige Anlegungsrate von rund elf Prozent.

Auf eine Ablehnung reagieren

Wenn die Krankenkasse ablehnt, hat der Antragssteller einen Monat Zeit, um Widerspruch einzulegen. Diese Frist muss man dann auch dringend einhalten.

Wird die Kur ablehnt, kann es sinnvoll sein, sich nochmal beraten zu lassen. So kann es sinnvoll sein bei der Begründung der Kur nochmal nachzufassen und ein neues Attest abzugeben. Denn viele Widersprüche hätten durchaus Erfolg: Etwa 50 Prozent bekommen dann im zweiten Anlauf die Kur genehmigt.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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