Berge von zerstörtem Mobiliar liegen nach dem Hochwasser der Kyll am Straßenrand (Foto: SR)

Hausversicherungen: Was gilt es zu beachten?

"Gut zu wissen"

Jan Henrich   21.07.2022 | 09:30 Uhr

Elementarschadenversicherung, Wohngebäudeversicherung, Hausratsversicherung - welche Police in welchem Schadensfall greift, ist gar nicht so einfach zu durchschauen. Ein Überblick, wie man das Eigenheim am besten gegen die Naturgewalten absichert.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da wurde das Ahrtal überflutet. Die Wassermassen hatten ganze Häuser mitgerissen und Straßen weggebrochen. Viele haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, kämpfen heute noch mit den Folgen. Und als ob die Situation für die Betroffenen nicht schon schwer genug ist, stellen sich dann auch noch einige Versicherer quer.

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Gut zu wissen: Hausversicherungen - was es zu beachten gilt
Audio [SR 3, Jan Henrich, 21.07.2022, Länge: 05:41 Min.]
Gut zu wissen: Hausversicherungen - was es zu beachten gilt
Elementarschadenversicherung, Wohngebäude- oder Hausratsversicherung - welche Police in welchem Schadensfalls und was Versicherungsnehmer beachten sollten. Jan Henrich aus der SR-Wirtschaftsredaktion gibt einen Überblick.

Die Elementarschadenversicherung gibt es in der Regel nicht separat, sie ist meistens eine Zusatzoption zur normalen Wohngebäudeversicherung. Sturmschäden, Hagelschäden und Schäden nach einem Blitzschlag sind meistens schon über eine Gebäudeversicherung abgedeckt.

Für Schäden, die durch das Wirken der Natur hervorgerufen werden, ist dann aber die zusätzliche Elementarschadenversicherung erforderlich. Überschwemmung und Rückstau, damit gemeint ist, wenn Wasser aus Ableitungsrohren ins Haus gelangt, aber auch Schäden durch Erdbeben oder Schneedruck sind von einer solchen Elementarschadenversicherung umfasst.

Als Zusatz sowohl für Wohngebäude- als auch für Hausratsversicherung

Ähnliche Zusatzoptionen gibt es beim Schutz des Mobiliars mit einer Hausratsversicherung. Auch hier kann der Schutz vor Elementarschäden mit der bestehenden Versicherung kombiniert werden.

Auf Einschränkungen achten

Auch Elementarschadenversicherungen schließen bestimmte Risiken weiter aus. Beispielsweise Schäden aufgrund einer Sturmflut oder durch Grundwasser, das von unten ins Mauerwerk des Kellers eindringt, sind nicht umfasst. Dabei ist die Abgrenzung nicht einfach, Rechtsstreitigkeiten sind vorprogrammiert.

Überschwemmung muss Grund und Boden betreffen

Eine Überschwemmung muss zudem auch Grund und Boden betreffen. Der Versicherungsschutz greift beispielsweise dann nicht, wenn Wasser einfach von der Straße in einen Kellerfensterschacht läuft. „Für eine Überschwemmung muss ein Teil des Grundstücks tatsächlich überflutet sein“, sagt Stephan Rehmke vom Bund der Versicherten.

Auch Schäden durch Ansammlungen von Wasser auf Gebäudeteilen, wie z.B. Flachdächern oder Terrassen, sind oft nicht vom Versicherungsschutz umfassen. Da hilft meist nur, selbst baulich vorzusorgen.

Naturbedingte Schadensereignisse

Auch beim Thema Erdbeben gibt es Einschränkungen. Da gilt der Schutz nur, wenn das Ereignis naturbedingt ist. Schäden, die durch menschlichen Einfluss hervorgerufen werden, beispielsweise Steinkohleabbau oder Bautätigkeiten, sind nicht versichert.

Nicht nur für Gebäude in Hochwassergebieten

Gerade mit Blick auf die gestiegenen Unwetterschäden in letzter Zeit, kann die Kombination mit einer zusätzlichen Elementarschadenversicherung durchaus sinnvoll sein. Und zwar nicht nur, wenn man in einem Hochwassergebiet wohnt. Starkregen kann auch entfernt von Gewässern noch Schäden verursachen.

In einem ersten Schritt lohnt sich aber auf jeden Fall schon mal der Blick in die eventuell bestehenden Versicherungsunterlagen, ob der Schutz vor Elementarschäden schon darin enthalten ist oder nicht.

Versicherungsschutz je nach Gefahrengebiet

Steht das Gebäude in einem Hochrisikogebiet für Hochwasser, kann es schwierig und teuer werden, einen Versicherungsschutz zu bekommen.

Versicherer können auch vor Vertragsabschluss bauliche Veränderungen am Gebäude verlangen. Aber das betrifft nur die aller wenigsten Grundstücke.

90 Prozent aller Wohnhäuser fallen in die geringste Gefährdungsstufe. Bei 0,4 Prozent der Gebäude wird ein Hochwasser alle zehn Jahren angenommen, die höchste Gefährdungsstufe.

Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung

Sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung zahlen im Schadensfall die Kosten zur Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung. Das heißt, Reparaturen, Trockenlegung und Sanierung. Und wenn es nicht anders geht, auch Abriss und Neubau bzw. Neukauf. Dabei gilt bei den meisten Versicherungen eine Selbstbeteiligung von zehn Prozent, wobei bei vielen Policen eine Mindest- und eine Maximalgrenze festgelegt sind.

Unterversicherung rechtzeitig beseitigen

Grundlage für die Leistungen ist der Versicherungswert, den man im Vertrag gewählt hat. Auch da sollte man von Zeit zu Zeit die Unterlagen überprüfen. Vielleicht wurden Umbauten oder Renovierungen vorgenommen, die den Wert der Immobilie verändern.

Auch beim Thema Hausrat sollte geprüft werden, ob die vereinbarte Versicherungssumme für alles reicht, damit im Ernstfall wirklich alle Schäden in voller Höhe ersetzt werden.

Pflichten beachten

Versicherungsnehmer müssen gewisse Vorsorgemaßnahmen treffen, um Schäden zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten, ansonsten kann ein Versicherungsschutz entfallen. Beispielsweise bei einer Hausratsversicherung mit Schutz vor Elementarschäden müssen Gegenstände im Kellerbereich mindestens zwölf Zentimeter über dem Fußboden gelagert werden.

Rückstausicherung einbauen

Ein wichtiges Beispiel ist die sogenannte Rückstausicherung bzw. die Rückstausperre, die Gebäude gegen den Rückfluss von Abwasser aus dem Kanalsystem schützt. Die muss verbaut sein, ansonsten lehnen manche Versicherer im Schadensfall die Zahlung ab.

Im Schadensfall rechtzeitig reagieren

Wenn ein Schadensfall eingetreten ist, sollte man jedenfalls schnell handeln. Stephan Rehmke vom Bund der Versicherten rät möglichst zeitnah den Versicherer zu informieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Schaden gemindert wird, also dass beispielsweise Fenster schließt und abdichtet.

Was, wenn die Versicherung sich querstellt?

Immer wieder hat nach der Flutkatastrophe im Ahrtal gehört, bei denen Versicherer nicht oder nur mit großer Verzögerung gezahlt hatten. Teilweise hat da die Abgrenzung zwischen Überschwemmung durch Starkregen und Flutschäden eine Rolle gespielt – teilweise hatten Versicherer argumentiert, Grundwasser habe von unten durch die Bodenplatte gedrückt und einen Schaden verursacht. Beides beliebte Streitthemen im Rahmen von Elementarschadenversicherungen.

Überlastung weiterer Grund

Stephan Rehmke vermutet allerdings auch Überlastung als Grund, warum manche Versicherer nach der Flutkathastrophe im Ahrtal noch nicht gezahlt hätten. Jeder Fall würde sehr genau geprüft und sei mit aufwendigen Sachverhaltsermittlungen verbunden. Deswegen ließe sich schwer beurteilen, ob ein Versicherer die Schadensregulierung bewusst verzögert oder ob er schlicht überfordert ist.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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