Ein Einkaufswagen vor Regalen in einem Supermarkt (Foto: Pixabay/Alexas Fotos)

Einkaufsfallen im Supermarkt

Sarah Sassou   10.03.2021 | 11:56 Uhr

Eigentlich hat man nur wenige Artikel aus dem Supermarkt gebraucht, aber an der Kasse ist der Einkaufswagen dann plötzlich voll. Supermärkte sind so aufgebaut, dass wir dazu verführt werden, mehr als nötig zu kaufen – und es tatsächlich auch tun. Wie die Tricks umgangen werden können, weiß Theresa Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Wer viel sieht, kauft viel

„Bis zu zwei Drittel der Einkäufe sind spontan und stehen nicht auf dem Einkaufszettel“, sagt Theresia Weimar-Ehrl von der Verbraucherzentrale Saarland. Ein Grund: Produkte wie Milch, Fleisch und Brot, die man für das tägliche Leben braucht, sind über den ganzen Laden verteilt. Es gilt das Motto: Wer viel sieht, kauft viel.

Ziel: Einkaufstempo drosseln

Die meisten Supermärkte sind ähnlich aufgebaut. Das habe einen psychologischen Hintergrund, sagt die Verbraucherschützerin. Damit die Kundschaft möglichst viel Zeit im Laden verbringe, sei es ein Ziel, sie regelrecht auszubremsen. Deswegen sei Obst und Gemüse fast immer am Eingang zu finden. „Denn man muss die Sachen erst auswählen und  abwiegen, das bremst tatsächlich aus.“

Sinnlicher Einkauf

Um den Einkauf zu einem Erlebnis für die Sinne zu machen und den Wohlfühlfaktor zu erhöhen, gibt es weitere Tricks bei den Gestaltern von Supermärkten: Aus den Lautsprechern tönt meist angenehme Musik und auch die Beleuchtung ist so gestaltet, dass sie die Sinne anregt. „Das Licht an der Fleischtheke soll die Produkte besonders frisch und appetitlich aussehen lassen“, so Weimar-Ehl.

Gut zu wissen: Einkaufsfallen im Supermarkt
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 10.03.2021, Länge: 06:09 Min.]
Gut zu wissen: Einkaufsfallen im Supermarkt

Auch im Obst- und Gemüsebereich werde mit warmem Licht gearbeitet und manchmal würden die Waren sogar mit Wasser besprüht, damit sie frischer und appetitlicher wirken. Diese Kniffe sollen darüber hinweg täuschen lassen, dass Fleisch, Wurst und Obst auch schon länger dort liegen können. Deswegen sollte man mal aus einem anderen Blickwinkel und genau hinschauen, damit sich Schwächen offenbaren.

Vermeintliche Sonderangebote

Auch Tische und sogenannte Aufsteller – das sind einzeln stehende Regale - im Supermarktgang sollen die Kundschaft dazu verführen, mehr als geplant zu kaufen, warnt Theresia Weimar-Ehl. „Gerade Saisonware wie zum Beispiel Osterartikel in Aufstellern senden das Signal aus: Hier gibt es etwas nur für kurze Zeit, bitte zugreifen!“

Auch rote Schilder an Waren vermitteln bei den Einkaufenden den Eindruck, dass es sich um Sonderangebote handelt. „Das muss aber nicht so sein“, hat die Verbraucherschützerin festgestellt. Denn oft komme es auf die abgepackte Menge an. „Um besser vergleichen zu können, sollte man sich lieber den Grundpreis anschauen, also den Preis pro 100 Gramm bzw. Milliliter.“

Teure Produkte auf Augenhöhe

Ein weiterer Trick: Damit die Kundschaft zu teuren Produkten greift, stehen diese im Regal meist auf Augenhöhe. „Damit die Kundschaft bequem zugreifen kann und sich nicht zu bücken braucht“, erklärt Theresia Weimar-Ehl. In der sogenannten Bückzone, also in den unteren Regalreihen, seien Waren untergebracht, die man ohnehin kaufen würde, Mehl oder Zucker zum Beispiel.

Mogelpackungen entlarven

Die Hersteller der Produkte reizen bei der Deklaration auf der Verpackung alle rechtlichen Möglichkeiten aus. Ein vermeintlich gesundes Produkt, das mit ansprechender Verpackung und Werbebotschaften versehen ist, könne sich beim Blick auf die Zutatenliste als Kalorienbombe entpuppen, sagt Theresia Weimar-Ehl. „Hier gilt „Weniger ist mehr“. Je kleiner die Liste, umso weniger Zusatzstoffe sind drin.“

Regionale Produkte

Auch der Begriff „Regional“ kann für die Kundschaft zur Mogelpackung werden. Er ist gesetzlich nicht definiert. Ist ein Produkt schon verarbeitet, muss die Herkunft der Zutaten nicht deklariert werden. Also können die Erdbeeren in der Marmelade oder im Joghurt auch aus dem Ausland kommen.

Tipps für den Einkauf

  • Einkaufszettel schreiben und so ungeplante Einkäufe vermeiden
  • Viele Supermärkte bieten an, dass man seine Einkäufe online zusammenstellen kann und im Markt an der Kasse abholt oder liefern lässt. Dann vermeidet man den Gang durch den Markt. 
  • Wer Hunger hat, kauft schneller mehr und ungesunde Lebensmittel. Deshalb nicht hungrig in den Supermarkt.
  • Zutatenliste und Nährwerttabelle anschauen, um Fett und Zuckerfallen schnell zu erkennen.

In einem Online-Vortrag können Interessierte noch mehr erfahren und sich auf der Seite www.verbraucherzentrale-saarland.de unter "online-Vorträge" anmelden.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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