Steuererklärung (Foto: pixabay / falco)

Ehrenamtliche und Übungsleiter: Neue Steuervorteile nutzen

Yvonne Schleinhege   19.08.2021 | 09:30 Uhr

Wer sich ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel als Übungsleiter im Sportverein, oder sich als Helfer bei einer Wohlfahrtseinrichtung einbringt, der kann dafür steuerliche Vorteile nutzen. Seit 2021 profitieren etwa Übungsleiter von höheren Steuerfreibeträgen. Und auch wer in den vergangen Monaten ehrenamtlich im Impf-oder Testzentrum geholfen hat, kann Steuervorteile nutzen.

Nach dem Corona-Lockdown und der Sommerpause beginnt in vielen Vereinen, Verbänden und sozialen Einrichtungen nun wieder das „normale“ Programm.

Unterstützt werden diese bei der täglichen Arbeit von rund 17 Millionen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Wer für sein Engagement im Sportverein, in der Kirche oder in der Volkshochschule eine Aufwandsentschädigung bekommt, profitiert seit Jahresbeginn von höheren Steuerfreibeträgen.

Steuervorteil je nach Tätigkeit

Wie groß der Steuervorteil ist, hängt von der Tätigkeit ab. Es gebe verschiedene Gruppen, die von diesen Steuerfreibeträgen profitieren können, erklärt Isabell Pohlmann, Autorin bei der Finanztest. So gibt es etwa die Übungsleiterpauschale. Wer sich im Sportverein engagiert und dort als Trainer oder Übungsleiter tätig ist, kann diese Pauschale für sich nutzen. Das heißt: Wer eine Aufwandsentschädigung erhalte, der könne diese bis zu 3000 Euro im Jahr (250 Euro im Monat) steuerfrei bekommen, so die Expertin. Dieser Betrag wurde zum Jahreswechsel aufgestockt. Das heißt im Umkehrschluss: Wer bereits beispielsweise als Trainer tätig ist, kann einige Stunden mehr steuerfrei arbeiten.

Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale

Diese Übungsleiterpauschale gibt es auch für Lehrende und Prüfer an Schulen, Volkshochschulen oder öffentlichen Einrichtungen. Auch Chorleiter und Betreuer in Kirchen, Ferienfreizeiten oder Kulturstätten können sie bekommen.

Daneben gibt es die Ehrenamtspauschale. Bleibt man beim Beispiel Sportverein: Die Pauschale gibt es für solche Ehrenamtliche, die sich etwa als Platzwart engagieren oder im Vorstand sind und dafür eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. Ihnen gewährt das Finanzamt einen Freibetrag von 840 Euro (vorher 720 Euro).

Corona-Sonderregelung

Helfer testen eine Frau mit einem Schnelltest auf das Coronavirus. (Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

In den vergangenen Monaten haben auch einige Menschen freiwillig in Impf- oder Testzentren geholfen. Auch diese Mitarbeitenden können von den Steuerfreibeträgen profitieren. Diejenigen, die etwa Aufklärungsgespräche im Impfzentrum geführt haben oder beim Impfen geholfen haben, steht eine Übungsleiterpauschale zu.

Und für die anderen, die etwas mehr im Hintergrund aktiv waren, etwa in der Verwaltung, gelte die Ehrenamtpauschale, so Isabell Pohlmann.

Ein wichtiger Hinweis: Auch wer nur ein paar Monate geholfen hat, hat ein Anrecht auf die komplette Pauschale, sprich den gesamten Steuerfreibetrag

Beide Freibeträge sind Jahrespauschalen

Für die Experten ist das ein echter Vorteil. Denn auch, wer nun ein paar Monate im Jahr tätig war, kann dennoch von der vollen Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale profitieren, denn beide Pauschalen sind Jahrespauschalen.

Angeben muss man den Zusatzverdienst immer in der Steuererklärung, auch wenn die Einkünfte unter den Pauschalen liegen. Übt man die Tätigkeit als Selbstständiger aus, muss man die Einnahmen in der Anlage S der Steuererklärung angeben; ist man angestellt wird der Zusatzverdienst in der Anlage N angeben.

Kombination mit einen Mini-Job kann sich besonders lohnen

Kombiniert man etwa eine Übungsleitertätigkeit mit einem Mini-Job, kann sich das steuerlich besonders lohnen. So kann man bis zu 700 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Das kann dann ein sehr interessanter Nebenverdienst sein - zum Beispiel für einen Rentner oder eine Studierende. Natürlich müssen dann beide Tätigkeiten beim selben Träger, sprich Arbeitgeber sein.

Grundvoraussetzung für alles Beschriebene: Anspruch auf eine Übungsleiterpauschale hat man nur für nebenberufliche Tätigkeiten. Auf das Kalenderjahr gerechnet darf das Engagement höchstens ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeitjobs ausmachen. Das gilt auch für Studierende, Rentner oder Hausfrauen und Hausmänner.

"Gut zu Wissen": Neue Steuervorteile für Ehrenamtliche und Übungsleiter
Audio [SR 3, Studiogespräch: Eberhard Schilling/Yvonne Schleinhege, 19.08.2021, Länge: 04:45 Min.]
"Gut zu Wissen": Neue Steuervorteile für Ehrenamtliche und Übungsleiter
Studiogespräch mit Yvonne Schleinhege aus der SR Wirtschaftsredaktion

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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