Dachbepflanzung als Klimaschutz. (Foto: pixabay, sanremo-domains)

Ein "grünes" Dach für die Kühlung und als Klimaschutz

Mit Informationen von Yvonne Schleinhege   19.08.2020 | 11:14 Uhr

Bei den heißen Temperaturen derzeit ist es gar nicht so einfach, die eigenen vier Wände angenehm kühl zu halten. Eine Option ist das "grüne" Dach. Eine Dachbegrünung ist nicht nur Hitzeschutz, es sieht auch gut aus und hat einen hohen ökologischen Wert. Für wen es in Frage kommt, welche Fördermöglichkeiten es gibt und welche Nachteile es hat, hat Yvonne Schleinhege zusammen getragen.

Mit ein paar Gräsern, Moosen oder sogar Stauden auf dem Dach sieht so manches Haus gleich viel schöner und freundlicher aus. In großen Städten kann so ein grünes Dach auch Ersatzgarten sein, oder bietet einen neuen Lebensraum für Insekten. Zudem reinigen die Pflanzen auch die Luft, da sie Luftschadstoffe und Staub herausfiltern. Viele gute Gründe also, über ein grünes Dach auf dem Haus nachzudenken.

Bei Neubauten oder umfangreicher Modernisierung

Dachbegrünung kann auch gefördert werden.
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 19.08.2020, Länge: 05:56 Min.]
Dachbegrünung kann auch gefördert werden.

Gründächer eignen sich natürlich für Häuser mit Flachdach. Bei einem Neubau kann man so ein begrüntes Dach gleich von Beginn an mitplanen. Wohnt man in einem älteren Haus, ist eine Begrünung des Daches nur sinnvoll, wenn das Dach sowieso modernisiert werden soll, denn die bestehenden Abdichtungen sind in der Regel nicht wurzelresistent, so der Architekt Reinhard Schneeweiß aus Saarbrücken. Zudem sei es schwierig, ein begrüntes Dach im Nachhinein zu modernisieren. So sollte man sein Dach vorher ausreichend dämmen, damit hinterher eine möglichst lange Zeit keine Arbeiten am Dach mehr anfallen.

Von Moosen, Sukkulenten bis hin zu Stauden und Bäumen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer einfacheren extensiven Begrünung und der intensiven Begrünung. Weniger pflegeintensiv sind Pflanzen wie Moose, Sukkulenten und Gräser - mehr Arbeit haben Hausbesitzer, wenn sie ihr Dächer zum Beispiel mit Rasen, Blumen und Bäumchen bepflanzen. Dabei gilt: Je mehr oben auf dem Dach wachsen soll, desto höher muss der Aufbau sein und umso mehr Substrat werde benötigt, erläutert Reinhard Schneeweiß, der auch als Energieberater für die Verbraucherzentrale im Saarland arbeitet. Ganz grob könne man zwischen 50 bis 150 Euro  pro Quadratmeter Gründach rechnen.

Vorteile eines Gründaches für den Hausbewohner

Aber das grüne Dach hat auch viele Vorurteile für den Hausbewohner. Man könne zwar nicht sagen, dass sich das Gründach selbst finanziere, aber es habe durchaus auch für den Hausbewohner positive Effekte, meint Architekt Schneeweiß. Gerade bei heißen Temperaturen kühlt das bepflanzte Dach das Haus von oben deutlich runter, so dass der Eiinbau einer Klimaanlage verzichtbar wird. Im Winter kann es auch dämmend wirken. Zudem schützt der grüne Aufbau die Dachabdichtung, sodass das Dach deutlich haltbarer ist. Es verlängert damit die Lebensdauer von Flachdächern, indem es sie vor Witterungseinflüssen schützen.

Förderung

Ein wichtiger Punkt zudem: Das Gründach hält den Niederschlag zurück, das heißt es landet weniger Regenwasser in der Kanalisation. Das ist insbesondere bei Starkregen von Vorteil. Dies kann bei der Abwasser- beziehungsweise Regenwasserberechung positiv angerechnet werden. Damit sinken auch die Entwässerungsabgaben. Da ein Gründach in der Regel bei einem Neubau oder einer Sanierung gebaut und bepflanzt wird, gibt es Möglichkeiten das Biotop auf dem Dach über die KfW-Bank mitzufinanzieren. Das geht aber nur, wenn das Dach nach den Förderrichtlinien der KfW-Bank energetisch modernisiert oder gebaut werde, sagt Reinhard Schneeweiß. Das Gründach als Einzelmaßnahme lasse sich so nicht finanzieren. Auch einzelne Kommunen fördern die Dachbegrünung von privaten Wohnhäusern. Im Saarland zahlt zum Beispiel die Gemeinde Ensdorf einen Zuschuss.

Pflege des Gründaches

Den größten Teil des Jahres ist so ein Gründach relativ wartungsarm. In solchen Hitzeperioden wie jetzt, muss das Gründach allerdings auch gegossen werden, damit es nicht komplett vertrocknet und kaputt geht. Ansonsten muss man schauen, dass es keine Fremdbepflanzung gibt, spricht, dass keine Samen auf das Dach fliegen. Besonders Birken seinen da sehr beliebt. Diese können die Dächer dann kaputt machen. Das bedeutet für die Hausbesitzer, dass von Zeit zu Zeit kontrolliert werden muss, was auf dem Dach wächst.

Fassadenbegrünung als Hitzeschutz

Schaut man sich das Thema "Hitzeschutz" an, so wird immer öfter auch über Fassadenbegrünungen gesprochen. Umgesetzt wird das allerdings meist nur an besonderen Leuchtturmobjekten, so der Saarbrücker Architekt. Eine richtige Fassadenbegrünung sei technisch anspruchsvoll und kostenintensiv, und damit bei einem Einfamilienhaus kaum zu realisieren. Einfach sei es, Bäume rund ums Haus zu pflanzen. Denn je mehr das Haus im Schatten steht, desto weniger Wärme kommt an der Hausfläche an. Zudem kühlen Bäume auch die Umgebung.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR 3 vom 19.08.2020 berichtet.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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