Ein Hacker (Foto: pixabay / iAmMrRob)

Wann lohnt sich eine Cyberversicherung?

Gut zu wissen

Sarah Sassou   26.10.2022 | 09:45 Uhr

Immer mehr Firmen, aber auch Privatpersonen werden Opfer von Cyberangriffen. Um im Schadensfall abgesichert zu sein, gibt es sogenannte Cyberversicherungen. Doch wann und für wen lohnt sich eine Versicherung?

Ohne Computer und Internet geht in unserem Alltag fast nichts mehr. Aber wenn Viren die digitalen Systeme lahm legen, geht erst recht nichts mehr. Wir kennen das vor allem von Firmen, in die sich Kriminelle einschleusen und eine Art Lösegeld fordern, damit sie verschlüsselte Firmendaten wieder freigeben.

Sicherheitssoftware dringend empfohlen

Experten raten Unternehmen deshalb unbedingt dazu, in Sicherheitssoftware zu investieren. Außerdem gibt es mittlerweile einige Versicherungen auf dem Markt, damit Firmen im Angriffsfall die hohen Kosten für Reparaturen und Computerfachleute nicht selbst bezahlen müssen. Aber was ist mit Privatleuten, macht für sie eine solche Versicherung auch Sinn?

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Gut zu wissen: Wie nützlich sind Cyberversicherungen?
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 27.10.2022, Länge: 05:43 Min.]
Gut zu wissen: Wie nützlich sind Cyberversicherungen?

Wie viel Sinn macht eine Cyberversicherung?

Computer an, Mailfach auf und schon hat man auf eine Nachricht mit virenverseuchtem Anhang geklickt. Kriminelle, die schadhafte Dateien verschicken, gibt es jede Menge und nicht immer landen sie sofort im Spamfach. Das sollten sie aber. Denn jeder, der einen PC samt Internetzugang nutzt, sollte ein gutes Anti-Virenprogramm installiert haben. Wer das nicht nachweisen kann, hat  bei einer privaten Cybersicherung im Schadensfall schlechte Karten, sagt Henriette Neubert von Stiftung Warentest. „Die Versicherer verlangen, dass ich Backups mache, die aktuellsten Virenprogramme verwende. Ich bekomme nur Leistung, wenn ich darauf achte.“

Das sollte die Versicherung abdecken

Wird der Schadensfall anerkannt, dann sollte die Versicherung diese Punkte abdecken:

  • Die Entschädigung, wenn das Konto leer geräumt wurde
  • Eine Art Haftpflicht mit Kostenübernahme, wenn ich versehentlich einen Virus weitegeschickt habe und dadurch andere schädige (Vermögensschäden bei Dritten)
  • Kostenübernahme für die professionelle Wiederherstellung von Daten
  • Rechtschutzversicherung

Hilfe bei Cybermobbing

Außerdem im Angebot: Spezielle Absicherung zum Beispiel für die Kostenübernahme bei psychologischer Betreuung, wenn man Opfer von Cybermobbing geworden ist. 

Lohnt eine Versicherung für Privatpersonen?

Bei ihren Stichproben hat Neubert Versicherungen für Privatleute gefunden, die im Jahr bis zu 60 Euro kosten. Für das Geld bekommt man auch schon sehr gute Sicherheitssoftware. Und mit der wird das Risiko, Opfer eines Cyberangriffes zu werden, ohnehin ziemlich gering. 

Aus ihrer Sicht macht es wenig Sinn, wenn man sich als Privatperson gegen solche Cyberattacken mit einer speziellen Versicherung schützt. Denn möglicherweise zahlt man dann doppelt. „Viele Versicherungen, die man schon hat, decken auch solche Fälle ab. Entsteht ein Schaden Dritter, könnte das ein Fall für die Haftpflicht sein“, gibt Henriette Neubert ein Beispiel. Schäden am Bankkonto könnten ein Fall für die Hausratversicherung sein.

Schutz für das Arbeiten zuhause

Anders sieht die Sache bei Menschen aus, die von zuhause aus arbeiten. Aber auch nur dann, wenn sie das freiberuflich tun. Andernfalls ist das Sache des Arbeitgebers. „Der Versicherer wird auch sagen, dass die Mitarbeiter nur mit Rechnern arbeiten dürfen, die die Firma zur Verfügung gestellt hat und die mit entsprechender Sicherheitssoftware ausgestattet sind“, sagt die Versicherungsexpertin. Wer aber kein Gerät vom Arbeitgeber bekommt und deshalb mit seinem privaten Rechner arbeitet, der wiederum nicht ausreichend geschützt ist, muss sich im Schadenfall aber keine Gedanken machen. Denn dann müsse der Arbeitgeber den Schaden übernehmen, so Neubert.

Einzig für Selbständige stellt sich tatsächlich die Frage, ob sie nicht von einer solchen Cyberversicherung profitieren könnten. „Ein Grafiker zum Beispiel sollte sich überlegen, wie hoch der Schaden ausfallen würde, wenn er ein paar Tage oder auch ein paar Wochen nicht an seine Daten käme.“ Entsprechend hoch sollte dann auch die Summe sein, die eine Cyberversicherung abdecken würde.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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