Berechnung von Steuern  (Foto: pixabay/yourschantz)

Steuer 2020: Was ich über die Corona-Hilfen wissen muss

mit Informationen von Yvonne Schleinhege   26.08.2020 | 09:28 Uhr

Soforthilfe für Soloselbstständige, 300 Euro-Familienbonus oder Kurzarbeitergeld – die Coronakrise hat zahlreiche Unterstützungsangebote hervorgebracht. Aber so hilfreich solche Maßnahmen waren oder sind, mit dem Steuerbescheid für 2020 können sie dem Empfänger durchaus böse Überraschungen bringen. Worauf sollte man sich also vorbereiten?

Steuer 2020: Was ich über die Corona-Hilfen wissen muss
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 26.08.2020, Länge: 06:44 Min.]
Steuer 2020: Was ich über die Corona-Hilfen wissen muss

Wenn der Steuerbescheid 2020 ins Haus flattert, müssen einige Empfänger von Coronahilfen mit Forderungen vom Finanzamt rechnen. Auch wenn das natürlich noch etwas dauert, hilft es bei der Planung, wenn man heute schon mal mögliche Abzüge kennt. Besonders bei der Soforthilfe und beim Kinderbonus sollte man ein paar Dinge beachten. Zudem hätten sich vielleicht auch die Arbeitsgewohnheiten geändert, so Michael Beumer von der Finanztest, etwa die Arbeit im Homeoffice und der damit fehlende Arbeitsweg.

Homeoffice vs. Fahrtkosten

Wenn man im Homeoffice arbeitet, ist es natürlich besser möglich, auch sein Arbeitszimmer abzusetzen. Aber nur wenn man ein eigenes, abgeschlossenes Arbeitszimmer hat. Der Nachteil ist, dass man im Gegenzug seine Fahrtkosten zur Arbeit nicht mehr absetzen kann. Und das macht sich natürlich dort steuerlich bemerkbar, wo vorher viele Fahrtkosten aufgelaufen sind, so Michael Beumer. Bekommt man sonst mit der Jahresrechnung viel Geld zurück, muss man nun damit rechnen, dass man in diesem Jahr eine deutlich geringere Steuerrückzahlung bekommt.

Selbstständige: Warten auf die Schlussrechnung

Egal ob Sporttrainer oder Musiker, viele Solo-Selbstständige haben Corona-Hilfen beantragt und bekommen. Für Einzelunternehmer oder Betriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern waren bis zu 9000 Euro Soforthilfe möglich, etwa für Miete oder Kredite. Diese Hilfen zählen steuerlich als Betriebseinnahmen, sodass nachträglich Steuern anfallen können. Zudem könne das Finanzamt auch nachschauen, ob der Empfänger das, das Geld auch zurecht erhalten haben, so Michael Beumer. Wer zu viel erhalten hat, muss eventuell auch Geld zurückzahlen.

Steuerzahlungen verschieben

Auf Antrag hat es das Finanzamt als „Corona-Hilfe“ möglich gemacht, dass man als Selbstständiger fällige Einkommens- oder Umsatzsteuern stundet. Bis Ende des Jahres muss man dafür auch keine Zinsen zahlen. Wichtig: die Steuerzahlung ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Wer Steuern stunden lässt oder Vorauszahlungen vorerst umgeht, muss wissen, dass sich die Posten summieren und später nachgefordert werden.

Familien: Was bleibt von 300 Euro Familienbonus?

Keine Schule, keine Kita – für Familien waren die Lockdown-Monate eine besondere Herausforderung. Auch deshalb gab es als finanzielle Entlastung auch einen Familienbonus: 300 Euro für jedes Kind, für das es sonst auch Kindergeld gibt. Wenn die Eltern gut verdienen, kann es sein, dass von dem Bonus nichts bleibt. Denn es gelte generell immer, dass bei der Steuererklärung das Kindergeld mit den Steuerfreibetrag verrechnet wird, so der Experte von der Finanztest. Und das was für den Steuerzahler günstiger ist wird auch gewählt. Wer als verheiratetes Paar mehr als 67.800 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, muss damit rechnen, dass von dem Bonus nichts bleibt. Wer vom Arbeitgeber Ausgleichszahlungen für Gehaltseinbußen bekommen hat, muss wissen, dass die gezahlte Entschädigung gegebenenfalls dem Progessionsvorbehalt unterliegt. Das heißt: dass dadurch der Steuersatz für die übrigen Einkünfte steigt, sodass mehr Steuern fällig werden.

Kurzarbeit und nachträgliche Belastung

Das gilt auch für das Kurzarbeitergeld. Grundsätzlich sind die Leistungen von der Arbeitsagentur Steuer- und Sozialabgabenfrei, Das gilt auch für die Aufstockung durch den Arbeitgeber, aber nur wenn das Kurzarbeitergeld dann bei höchstens 80 Prozent (mit Kindern bei 87 Prozent) liegt. Die Steuerlast kann sich also erhöhen, da auch hier der Lohnersatz dem Progessionsvorbehalt unterliegt. In der Konsequenz heißt das; man sollte sich auf darauf einstellen, dass man mehr Steuern zahlen muss oder die Rückzahlung kleiner wird, so Michael Beumer von der Finanztest.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR 3 vom 26.08.2020 berichtet.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja