Modell eines Hauses mit Euoscheinen und einem Taschenrechner (Foto: picture alliance / Klaus Ohlenschläger)

Bausparen kann sich wieder lohnen

Gut zu wissen: Comeback der Bausparkassen

Yvonne Schleinhege   15.09.2022 | 10:05 Uhr

Über viele Jahre galten Bausparverträge als unrentabel und altmodisch. Doch nun erleben sie ein kleines Comeback. Denn Bauspardarlehen sind angesichts steigender Zinsen wieder günstig und können vor einem weiteren Zinsanstieg schützen. Wie das gelingen kann?

Der Bausparvertrag hat bewegte Zeiten hinter sich: in den Jahren der niedrigen Zinsen war er kaum gefragt – Geld zum Bauen und Kaufen gab es schließlich billig von der Bank. In den Jahrzehnten davor war das Bausparen absolut angesagt. Gerade Eltern und Großeltern hatten für ihre Kinder und Enkel einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, damit die später mal zu niedrigen Zinsen Geld für ihr Eigenheim bekommen konnten.

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Gut zu wissen: Bausparen kann sich wieder lohnen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 15.09.2022, Länge: 06:02 Min.]
Gut zu wissen: Bausparen kann sich wieder lohnen

Steigende Zinsen sorgen für Comeback

Nun erlebt genau dieser Bausparvertrag ein Comeback, heißt es bei der Stiftung Warentest. Und das hat einen Grund: die Zinsen steigen und zwar teils deutlich. Seit Jahresbeginn haben sich die Zinsen für Hypothekendarlehen verdreifacht. Immobilienkäufer zahlen heute für einen Kredit mit zehn Jahren Laufzeit fast drei Prozent. Über viele Jahre gab es den für unter einem Prozent. "In diesen Zeiten mit den niedrigen Zinsen lagen die Bausparverträge mit ihren Konditionen im Hintertreffen", erklärt Michael Beumer von der Stiftung Warentest.

Das ändere sich aber nun. Aktuell hat die Stiftung Warentest über 200 Tarife von rund 17 Bausparkassen überprüft. In den aktuellen Tarifen werden Darlehnszinsen zwischen 1,5 und 2,5 Prozent angeboten. Diese Konditionen gelten dann bei Abschluss eines Bausparvertrags auch noch in fünf oder zehn Jahren. "Das heißt, sie machen sich von einem späteren Zinsniveau unabhängig", so der Experte 

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Grundsätzlich gilt beim Bausparvertrag: erst sparen, dann bauen. So unterteilt sich ein Bausparvertrag immer in eine Ansparphase und eine Darlehensphase. Zunächst starte die  Ansparphase, erklärt Michael Beumer, dort zahle man Geld in den Vertrag ein. Hierbei handelt es sich um die monatliche Sparrate, die über mehrere Jahre gezahlt wird.

Wenn der Bausparer dann eine bestimmte Summe erreicht hat, die sogenannte Mindestsumme, kann er das verabredete Darlehen abrufen. Die Restschuld des Darlehens wird dann mit den bei Vertragsbeginn verabredeten Zinssatz, zurückgezahlt. „Das heißt, wenn sie jetzt einen Bausparvertrag abschließen, und sie wollen in 5, 8 oder 10 Jahren finanzieren, dann wissen sie, dass sie dann den Zins bekommen, den sie jetzt abgeschlossen haben“, so Michael Beumer.

Wichtig: Bausparverträge dienen dazu, den Darlehenszins abzusichern. Nur zum Sparen seien sie ungeeignet, heißt es bei der Stiftung Warentest. Das liegt an den sehr niedrigen Guthabenzinsen in der Ansparphase und an den Abschlussgebühren.

Bausparen und Immobilienfinanzierung

"Einfach ins Blaue zu sparen lohnt sich daher nicht", sagt der Experte von der Stiftung Warentest. Der Bausparvertrag sei vor allem für diejenigen interessant, die sich perspektivisch eine Immobilie kaufen wollen oder bei denen eine Anschlussfinanzierung ansteht. Der ungefähre Zeitpunkt, wann das Darlehen benötigt wird, sollte immer bekannt sein. 

In der Regel handelt es sich bei dem Bausparen um einen Baustein der klassischen Baufinanzierung. Häufig wird er als Ergänzung zum Baukredit der Bank gebraucht. Die Bausparsumme sollte aber nicht mehr als 20 bis 40 Prozent des Kaufpreises der Immobilie betragen. Wichtig sei die gesamte monatliche Belastung, auch die in der Zukunft, im Blick zu haben, so Michael Beumer von der Finanztest. Sonst bestehe ein Risiko, dass man sich finanziell übernehme.

Aber: Wer einen Bausparvertrag hat, braucht beim künftigen Immobilienkauf weniger Geld von der Bank. Wenn es so gelingt, das Bankdarlehen unter 80 Prozent oder 60 Prozent des Immobilienwertes zu drücken, ist der Zinssatz bei der Bank häufig ein deutliches Stück günstiger.

Anschlussfinanzierung und Förderung

Natürlich könne ein Bausparvertrag auch genutzt werden, um eine Anschlussfinanzierung für den Immobilienkredit abzusichern, so Michael Beumer. Allerdings gilt auch hier: Dies muss im Einzelfall sehr genau nachgerechnet werden und hängt auch von der Restschuld ab. Möglich ist, mit dem Bauspardarlehen die Restschuld komplett zu tilgen oder zumindest deutlich zu reduzieren.

Für Michael Beumer gibt es dabei einen Vorteil: Gerade bei kleineren Kreditsummen unter 50.000 Euro würden Banken hohe Zinsaufschläge verlangen oder nur gewöhnliche Ratenkredite vergeben. Dies könnte man mit einem Bausparvertrag umgehen.

Wichtig ist es, bei einem möglichen Abschluss eines Bausparvertrages auch Förderungen im Blick zu haben. So gibt es etwa die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage oder auch die Riester-Förderung. Das Geld muss dann aber meist auch für eine Immobilie gedacht sein.

Bausparkassen im Test

Insgesamt bieten in Deutschland mehr als 17 Bausparkassen über 200 Tarife an. Welcher am günstigsten ist und welcher zur eigen Immobilienfinanzierung und -vorstellung passt, ist nicht einfach herauszufinden. Entscheidend ist, wann das Geld zur Verfügung stehen soll und wie viel Geld gespart wird.

Die Stiftung Warentest hat in der September-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" verschiedene Modelle durchgerechnet. Das Ergebnis: Den günstigsten Tarif für alle Modellfälle gibt es nicht. Dennoch konnten Testsieger ermittelt werde: so haben die Signal Iduna und die BHW in allen Beispielfällen Spitzenplätze belegt.

Zudem haben die LBS Saar, Alte Leipziger und Wüstenrot zumindest zwei Top-5-Platzierungen bekommen. Wer auf der Suche nach einem Vertrag ist, sollte zumindest die beiden Testsieger in die Überlegungen mit einbeziehen, so der Rat von Michael Beumer. Grundsätzlich gelte, sich immer mehrere Angebote einzuholen und entsprechend beraten zu lassen. Möglich ist dies auch bei den Verbraucherzentralen.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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