Ältere Arbeitnehmer arbeiten in einer Werkhalle (Foto: dpa)

Arbeiten in der Rente: Was lohnt sich am meisten?

Gut zu wissen

Yvonne Schleinhege   31.03.2022 | 09:12 Uhr

Mit knapp 66 Jahren könnte man aktuell ganz regulär in Rente gehen. Doch immer mehr Menschen arbeiten auch im Rentenalter einfach weiter. Die Gründe dafür sind vielfältig. Rentner haben verschiedene Möglichkeit weiter ihrem Job nachzugehen. Aber was lohnt sich am meisten?

Wann ist der richtige Zeitpunkt um in Rente zu gehen? Früher, später, ganz regulär? Die Entscheidung ist nicht ganz einfach.

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Gut zu Wissen: Arbeiten in der Rente - was lohnt sich am meisten?
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 31.03.2022, Länge: 06:46 Min.]
Gut zu Wissen: Arbeiten in der Rente - was lohnt sich am meisten?
Rentner haben verschiedene Möglichkeiten, weiter zu arbeiten. Aber was lohnt sich am meisten? Dazu im Studiogespräch: SR-Wirtschaftsredakteurin Yvonne Schleinhege.

Der Ruhestand sollte frühzeitig geplant werden, sagt Michael Beumer von der Stiftung Warentest. „Ein guter Zeitpunkt wäre, wenn man in den 50ern ist. Denn wenn man vielleicht früher in Rente gehen will, kann es sich noch lohnen, Ausgleichszahlungen zu leisten.“ Die Deutsche Rentenversicherung ist gesetzlich verpflichtet so zu beraten, dass man den Rentenanspruch voll ausschöpfen kann. Spätestens mit Mitte 50 sollte man hier einen Beratungstermin vereinbaren.

Später in Rente: Arbeitsvertrag prüfen

Wer auch über das Rentenalter hinaus arbeiten will, kann dies tun. Wer bei seinem Arbeitgeber bleiben möchte, sollte zunächst in den Arbeitsvertrag schauen. Viele Arbeitsverträge sehen ja vor, dass mit Erreichen der Regelaltersgrenze auch der Arbeitsvertrag endet,“ erklärt Michael Beumer. In so einem Fall habe man keinen Anspruch auf eine Weiterbeschäftigung. Dennoch sollte man natürlich unbedingt mit dem eigenen Chef sprechen, denn vielleicht möchte auch der seinen langjährigen Mitarbeiter noch etwas halten. Einen anderen Job kann kann man sich natürlich immer suchen.

Drei Varianten für Arbeit und Rente

Wer das Rentenalter erreicht hat und dennoch weiter Arbeiten möchte, hat dafür drei Möglichkeiten:

  • Variante 1: Regelaltersrente und Job kombinieren, sprich volle Rente und Gehalt bekommen.
  • Variante 2: Regelaltersrente nicht beantragen und weiter vom Gehalt leben.
  • Variante 3: Vorzeitig in Rente gehen und zu gleich weiterarbeiten.
Die Stiftung Warentest hat alle Optionen in ihrem aktuell test-Heft durchgerechnet. Am lukrativsten ist für die Verbraucherschützer die Kombination aus regulärer Rente und Job.

Volle Rente und plus Gehalt

Wenn man die Regelaltersrente mit einem Job kombiniert, ist das monatliche Gesamteinkommen am höchsten. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, dürfe unbegrenzt hinzuverdienen und die Rente würde nicht gekürzt, so Beumer.

Wer sich für diese Variante entscheidet, hat dann die Wahl, ob er weiterhin auch in die Rentenversicherung einzahlen will oder nicht. „Zahlt man nicht ein, spart man sich den Arbeitnehmeranteil. Das sind dann 9,3 Prozent. Wenn man aber weiter einzahlt, dann erhöht man auch für die Folgejahre seine Rente“, so der Experte. Und genau das rät auch die Stiftung Warentest. Bei einem Jahresgehalt von 50.000 Euro habe man die gezahlten Rentenbeiträge bereits nach neun Jahren wieder reingeholt. „Das ist eine vergleichsweise kurze Zeit.“  

Rente verschieben lohnt sich kaum

Anders sieht es aus, wenn man den Rentenbeginn aufschiebt und nur das Gehalt bezieht. Zwar erhöht sich für jeden Monat, den man später in Rente geht, die Rentenzahlung um 0,5 Prozent. Nach einem Jahr wäre das ein Zuschlag von sechs Prozent. Zugleich verzichtet man natürlich auf die Rente.

In ihrem Beispielfall hat die Stiftung Warentest ausgerechnet, dass sich diese Variante aber nur lohnt, wenn man wirklich alt wird. „In unserem Fall dauert es 17 Jahre, bis man da im Plus ist,“ sagt Beumer.

Dieses Jahr lukrativ: Früher in Rente, nicht im Ruhestand

Natürlich kann man auch zusätzliches Geld verdienen, wenn man vorzeitig in Rente gegangen ist. Manchmal ist es schlicht auch notwendig.

Wer frühzeitig in Rente gegangen ist, durfte vor der Pandemie nur bis zu 6300 Euro im Jahr dazuverdienen. War es mehr Geld, wurde die Rentenzahlung gekürzt. Aktuell sei das allerdings anders, so der Verbraucherschützer Beumer. „Für dieses Jahr liegt die Grenze bei 46.060 Euro.“ Diese Regelung gilt vorerst bis Ende 2022.

Was passiert mit der Riester-Rente?

Betriebsrenten und auch Riester-Renten sollen die gesetzliche Rente ergänzen. Auch hier hat man teils die Möglichkeit, die Renten später abzurufen.

Die Auszahlung der Riester-Rente beginnt regulär zusammen mit der gesetzlichen Rente. Wenn es der Vertrag zulasse, könne man die Rente auch früher oder später auszahlen lassen, so Beumer. Möglich sei zudem, sich die Teile des angesparten Vermögens auf einen Schlag auszahlen zu lassen. „Man muss bei Riester wissen, dass die Auszahlungen auch besteuert werden. Wenn man in Rente ist, hat man ja einen niedrigeren Steuersatz, als wenn man arbeitet“. Daher könne es sich lohnen, die Auszahlung noch rauszuschieben. Hier sollte man sich dringen individuell beraten lassen. Gleiches gilt im Falle einer Betriebsrente.

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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