Schattenriss eines Fingers der auf einen Laptop deutet (Foto: dpa/Ralf Hirschberger)

Online-Abzocke mit Börsenbriefen

mit Informationen von Sarah Sassou   02.09.2020 | 10:45 Uhr

Im Internet tummeln sich viele selbsternannte Finanz- und Börsenspezialisten, die sogenannte Börsenbriefe herausgeben. Sie preisen Insiderinformationen an, mit denen man angeblich schnell sehr reich werden könne. Das klingt verlockend, doch natürlich muss man für diese Informationen bezahlen. Und das kann sehr teuer werden.

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"Gut zu wissen": Online-Abzocke mit Börsenbriefen
Audio [SR 3, Studiogespräch: Carmen Bachmann / Sarah Sasshou, 02.09.2020, Länge: 07:18 Min.]
"Gut zu wissen": Online-Abzocke mit Börsenbriefen

Abzocke mit Börsenbriefen im Internet

Viel Blabla und keine nützlichen Informationen, so fasst ein Rentner seine Erfahrungen mit Newslettern für Aktienanleger bei den Verlagen Gevestor und VRN zusammen. „Stundenlang hab ich vorm Bildschirm gesessen und mir die Videos angesehen, weil es hieß, da würden bestimmte Aktien genannt, die ich kaufen soll. Und es kam einfach nichts“, ärgert er sich.

Hobby Finanzwelt

Der betroffene Rentner interessiert sich für die Finanzwelt und für das Internet. Er habe viele Newsletter abonniert, von Fachzeitschriften zum Beispiel. Und die seien meist kostenlos. Aber er sei auch bereit, für entsprechende Informationen Geld auszugeben. Und das ist das Geschäftsmodell der Verfasser von unseriösen Newslettern oder Börsenbriefen im Internet, so Verbraucherschützer Thomas Beutler. Es sei ganz einfach, heißt es in den Videos. Eine zigtausendfache Rendite sei möglich.

Lockabos für Kleinanleger

Das hatte auch lockte auch den geschädigten Rentner an. Er habe dann Probeabos von Newslettern beim Verlag Gevestor abgeschlossen. „Das Testabo sollte für drei Monate kostenlos sein. Ich habe relativ schnell herausgefunden, dass da nur heiße Luft kommt und überhaupt keine besonderen Informationen. Ich habe dann hingemailt und mich beschwert, aber es kam keine Antwort. Und dann habe ich am Monatsende festgestellt, dass mir der Verlag fast 3000 Euro für die Newsletter abgebucht hat.“ Auch die Verbraucherzentrale Hessen hat schon vor den „Mondpreisen“ für Börsenbriefe von Gevestor gewarnt.

Aufpassen bei sensiblen Daten

Mit dem Abschluss des Probeabos musste der Geschädigte seine Bankverbindung angeben. Er kenne das Prozedere, ohne die Daten preiszugeben, komme man nicht weiter. Verbraucherschützer warnen aber davor, solche sensiblen Daten weiterzugeben. Das sei schon ein Zeichen, dass das Angebot nicht seriös sei. Als der Govest-Verlag 3000 Euro abbucht, holt der geschädigte Kunde zunächst die Lastschrift zurück, dann wendet er sich an die Verbraucherzentrale. Thomas Beutler kümmert sich nun um den Fall. Er warnt: „Wenn jemand damit wirbt, dass man mit seinen Anlagetipps und Methoden an der Börse schnell reich werden kann, dann ist das meist der Weg in die Pleite. Denn niemand kann das Börsengeschehen voraussehen.“

Keine Kontrolle bei Newslettern und Börsenbriefen

Im Internet eine Vielzahl von Börsenbriefen. Jeder kann einen solchen verfassen und verkaufen, eine Kontrolle, ob sie seriös sind, gibt es aber nicht. Grundsätzlich können sie Anlegern eine Hilfe sein, zum Beispiel wenn es um Basiswissen zum Thema Aktien und Börse geht oder um Tipps, wie man am besten ein Depot zusammenstellt. Wer überlegt, einen kostenpflichtigen Börsenbrief im Internet zu bestellen, sollte aber genau überlegen, ob er diese Informationen wirklich braucht, sagt Beutler.

Der betroffene Ruheständler hat sich nun vorgenommen, künftig vorsichtiger zu sein. „Meine Kontodaten gebe ich jedenfalls nicht mehr einfach so heraus.“

Weitere Informationen unter
www.verbraucherzentrale-hessen.de

Über dieses Thema haben auch die "Bunten Funkminuten" vom 02.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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