Strompreise steigen (Foto: dpa)

Energiepreispauschale – für wen gibt es die 300 Euro?

Yvonne Schleinhege   25.08.2022 | 09:30 Uhr

Es klingt so einfach: Ab dem 01. September bekommen die Bürger eine sogenannte Energiepreispauschale. Die Einmalzahlung von 300 Euro soll vor allem etwas die steigenden Energiekosten für Gas und Öl abfedern. Doch tatsächlich bekommen nicht alle Bürger diese Pauschale, und gerade bei Selbstständigen, Rentnern oder Minijobbern gibt es viele Fragen. Und unterm Strich bleibt auch für alle nicht gleich viel übrig.

Es ist derzeit das große Diskussionsthema: Wie können die Bürger angesichts der rasant steigenden Energiepreise entlastet werden. Zwei sogenannte Entlastungspakete hat die Bundesregierung bereits auf den Weg gebracht. Ein drittes Paket wird aktuell von der Bundesregierung zusammengeschnürt.

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Gut zu wissen: Wer bekommt die Energiepreispauschale und wie?
Audio [SR 3, Moderation: Carmen Bachmann, 25.08.2022, Länge: 05:22 Min.]
Gut zu wissen: Wer bekommt die Energiepreispauschale und wie?
Studiogespräch mit Yvonne Schleinhege aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

„Wichtig ist, dass es nun nach diesen ganzen Einmalzahlungen auch eine dauerhafte Erhöhung bestimmter Instrumente gibt, etwa des Wohngeldes“, sagt Thomas Engelke, Leiter des Bereichs Energie und Bauen des Verbraucherzentralen Bundesverbandes. Das neue Paket dürfe nicht mehr nach dem Prinzip Gießkanne funktionieren.

Einmalzahlung im September

Im September können sie zumindest einige Bürger erstmal noch über eine Einmalzahlung freuen – auch wenn nicht jeder Anspruch auf die 300 Euro Energiepreispauschale hat.

Wer bekommt die Energiepreispauschale?

Menschen in einer Fußgängerzone (Foto: SR Fernsehen)

Wer 2022 Steuern gezahlt hat
Grundsätzlich gilt: „Die Energiepreispauschale bekommen all diejenigen, die auch Steuern zahlen“, so Thomas Engelke. Heißt: Es geht um die, die im Jahr 2022 Einkünfte hatten und in Deutschland wohnen. Dazu zählen Arbeitnehmer, Beamte, Auszubildende oder (teilweise) Minijobber.

Wie das Bundesfinanzministerium mitteilt, gehören dazu auch im Inland unbeschränkt steuerpflichtige Grenzpendler und Grenzgänger. Hinzu kommen alle mit Einkünften aus selbstständiger Arbeit, einem Gewerbe oder der Land- und Forstwirtschaft.

Elterngeld, Mutterschutz, Kurzabeitergeld
Auch wer gerade in Elterngeld bezieht, in Mutterschutz ist oder Kurzarbeitergeld oder Krankengeld bekommt, hat einen Anspruch auf den Zuschuss von 300 Euro. Wichtig: Man muss sich weiterhin in einem Arbeitsverhältnis befinden. Empfänger von Arbeitslosengeld I bekommen den Zuschuss nur, wenn sie 2022 zumindest zu irgendeinem Zeitpunkt beschäftigt waren.

Haben Rentner einen Anspruch?

Illustration: Zwei Rentner sitzen auf einem Stapel Geld. (Foto: Pixabay/wir_sind_klein)

Ganz grundsätzlich gilt hier: Beziehen die Rentner oder Beamtenpensionäre nur ihre monatliche Rente/Pension, dann bekommen sie kein Energiepreispauschale. „Die Rentner sind insgesamt bei den bisherigen Entlastungspaketen vergessen worden, das ist ein großer Fehler“, sagt Thomas Engelke, Leiter des Bereichs Energie und Bauen des Verbraucherzentralen Bundesverbandes.

Rentner mit Job
Anders sieht es aus, wenn Rentner nebenbei noch einen Job haben. Dann haben sie ein Anrecht auf die Pauschale von 300 Euro, dies gilt auch für einen Minijob. Auch wer neben der Rente noch als Freiberufler arbeitet oder ein Gewerbe betreibt erhält die 300 Euro Zuschuss.

Ehepartner, Minijobber und Transferleistungsempfänger

Ehepartner
Die Energiepreispauschale wird laut Bundesfinanzministerium jedem Anspruchsberechtigten einmal gewährt. Auch bei verheirateten Paaren bekommen beide Ehepartner die Energiepreispauschale, sofern sie beide erwerbstätig sind.

Minijobber
Minijobber müssen dem Arbeitgeber bestätigten, dass die Tätigkeit ihr „erstes Dienstverhältnis“ ist. Bei Minijobber mit mehreren Stellen wird die Energiepreispauschale nur im Rahmen des „ersten Dienstverhältnisses“ ausbezahlt. Welches das ist, muss der Arbeitnehmer in einer schriftlichen Erklärung festlegen. Ohne diese Bestätigung darf der Arbeitgeber die Einmalzahlung  nicht auszahlen. Ein entsprechendes Musterschreiben gibt es auf der Seite des Bundesfinanzministeriums.

„Kleinst-Arbeitgeber“
Eine Ausnahme bilden sogenannte „Kleinst-Arbeitgeber“, die für keinen ihrer Arbeitnehmer Lohnsteuer an das Finanzamt abführen. Das betrifft vor allem Minijobber in Privathaushalten, heißt es bei der Minijob-Zentrale.

Staatliche Leistungen schließen sich gegenseitig nicht aus

Wichtig: Staatliche Leistungen schließen sich gegenseitig nicht aus. Das heißt, wer die Einmalzahlung für Transferleistungsempfänger – etwa den Zuschuss zu Hartz4 oder den Kinderbonus – kann auch die Energiepreispauschale beziehen. Und: Übungsleiter oder andere Ehrenamtlich können unter Umständen die Pauschale auch bekommen.

Wie bekommt man das Geld und wann?

Arbeitnehmer, Minijobber, Bezieher von Lohnersatzleistungen: über Arbeitgeber
Bei Arbeitnehmer ist das recht einfach: In ihrem Fall werden die 300 Euro über den Arbeitgeber direkt im September mit dem Lohn oder Gehalt ausgezahlt. Sie müssen nur zum 01. September Beschäftigt sein. Gleiches gilt für Minijobber. Auch in den Fällen des Bezugs von Lohnersatzleistungen, die zum Bezug der Pauschale berechtigen (z. B. Krankengeld, Elterngeld, Kurzarbeitergeld), hat der Arbeitgeber diese an den Arbeitnehmer auszuzahlen.

Gewerbetreibende, Land- und Forstwirte, Freiberufler: Steuernachlass
Gewerbetreibende, Land- und Forstwirte oder auch Freiberufler bekommen statt einer Auszahlung einen Steuernachlass. Hier kürzt das Finanzamt die Steuervorauszahlung für das dritte Quartal.

Alle anderen: Einkommensteuererklärung 2022
Alle anderen müsse sich das Geld über die Einkommensteuererklärung für 2022 selbst wiederholen. Das gilt zum Beispiel für Erwerbstätige, die zum 1. September nicht beschäftigt waren. Oder Rentner, die bis Juli in Rente gegangen sind. Hier finanzielle Erleichterung spürt man dann erst im kommenden Jahr.

Einkommenssteuerpflichtig: Was bleibt übrig?

Ein wichtiger Haken an der Energiepreispauschale: Erwerbstätige müssen die Energiepreispauschale auch versteuern. Und das heißt dann auch, dass „natürlich die meisten nicht diese 300 Euro bekommen, sondern vielleicht 250 oder sogar unter 200 Euro“, sagt Thomas Engelke, Leiter des Bereichs Energie und Bauen des Verbraucherzentralen Bundesverbandes. Wie viel am Ende tatsächlich übrig bleibt, hängt von der persönlichen Einkommens- und Steuersituation ab.

Rechenbeispiele
Der durchschnittliche Vollzeitbeschäftigte mit einem Monatslohn von rund 4500 Euro brutto bekommt nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nach Abzug der Steuern rund 190 Euro.

Nach Angaben des Bunds der Steuerzahler bleiben bei einem verheirateten Paar, wenn beide die Pauschale bekommen, von den 600 rund 420 Euro übrig.

Nur wer weniger als 10.347 Euro verdient, muss keine Steuern auf die Pauschale zahlen. So hoch ist der Grundfreibetrag für 2022.

Weiterführende Informationen
FAQ des Bundesfinanzministeriums


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"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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