Auf Lohn- und Gehaltsabrechnungen (Entgeltabrechnungen) liegen Euromünzen und Eurogeldscheine (Foto: dpa/Arno Burgi)

Neuer Auskunftsanspruch in der Praxis: Was verdienen eigentlich meine Kollegen?

Verbrauchertipp im Rahmen der ARD Themenwoche

Yvonne Schleinhege   14.11.2018 | 10:20 Uhr

Es gibt sie: die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen. Wie groß sie wirklich ist, da gibt es unterschiedliche Berechnungen. Seit Jahresbeginn gibt es jetzt zwar kein Gesetz, das die Lücke schließt, aber immerhin das sogenannte Entgelttransparenzgesetz. Damit können Arbeitnehmer erfragen, wie viel ihre Kollegen verdienen. In der Praxis ist das allerdings schwierig.

Alle wissen es. Und irgendwie reden ja auch alle darüber, über die ungerechte Bezahlung von Männern und Frauen. Nur wenn man ganz konkret nachfragt, dann kommt da wenig, so die Erfahrung von Gertrud Schmidt, Referentin bei saarländischen Arbeitskammer. So bekomme man bei den Betriebsrätebefragungen immer wieder die Rückmeldung, dass in den Unternehmen dieses Problem nicht bestehe. Doch die Expertin für Frauen- und Gleichstellungspolitik geht davon aus, dass die meisten von der Lohnungleichheit im Unternehmen nichts wissen. In der Praxis würden die Beschäftigten davon gar nichts erfahren.

 Gesetz gilt nicht für alle

Genau da soll seit Jahresbeginn das sogenannte Entgelttransparenzgesetz ansetzen. Nachdem sich große Koalition in Berlin nicht dazu durchringen konnte, die Gleichbezahlung von Männern und Frauen direkt gesetzlich vorzuschreiben, wollte sie damit immerhin für Transparenz sorgen. Denn: Wer nicht weiß, dass die Bezahlung im selben Betrieb ungerecht ist, der oder die empfindet sie nicht als ungerecht und fordert dann auch vermutlich keine gerechtere Bezahlung ein. Also mehr Information, für mehr Gerechtigkeit bei der Bezahlung.

Allerdings: das Gesetz gilt nicht für alle Beschäftigen. Es gibt Hürden, so gilt etwa für kleinere Betriebe mit weniger als 200 Mitarbeitern diese Reglung nicht. Und gerade Frauen würden in solchen kleineren Unternehmen arbeiten, so Gertrud Schmidt von der Arbeitskammer. Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts im Unternehmen geben, die einen vergleichbaren Job haben, wie der Antragssteller. Eine solche Arbeit üben zum Beispiel Kollegen aus, die sich innerhalb des Betriebes gegenseitig vertreten können.

Arbeitnehmer scheuen Klage

Beschäftigte die den Auskunftsanspruch nutzen wollen, wenden sich schriftlich an den Betriebsrat oder den Arbeitgeber. Und auch wer jetzt denkt, ganz genau zu erfahren, was Kollege Meier oder Kollegin Müller so verdient. Auch das ist nicht möglich. Stattdessen muss der Arbeitgeber einen Mittelwert aus dem Gehalt aller Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit nennen. Die Hürden sind also hoch. Und selbst wenn, klar ist, dass die eigene Bezahlung im Vergleich nicht gerecht ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch bald mehr Geld gibt.

Auf Basis der Auskunft könne man dann nur den Klageweg beschreiten, zum Beispiel auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Ob man diesen Weg tatsächlich gehen will, dass sei letztendlich eine persönliche Entscheidung, so die  Expertin der Arbeitskammer. Den Klageweg würden viele Arbeitnehmer nicht gang ohne Grund scheuen. Wirklich dazu raten kann auch die Gertrud Schmidt nicht. Wer dennoch diesen Weg gehen will, der findet bei der Arbeitskammer Hilfe. Die Hürden für eine wirklich gerechte Bezahlung sind also trotz des neuen Gesetzes immer noch sehr hoch.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 14.11.2018 im Rahmen der ARD Themenwoche auf SR 3 Saarlandwelle.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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