Fahrkartenautomat am Bahnsteig (Foto: picture alliance/dpa | Martin Schutt)

"Das ist ein All Inclusive-Tarif"

im Interview: Werner Ried vom Verkehrsclub Deutschland   05.11.2022 | 12:23 Uhr

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt die geplante Einführung des von Bund und Ländern beschlossenen 49-Euro- Tickets. So eine einfache, bundesweise Lösung sei überfällig gewesen, so Werner Ried vom VCD. Allerdings müsse das Saarland auch das ÖPNV-Angebot an das Ticket anpassen.

Nach langem Streit haben sich Bund und Länder auf eine Finanzierung des Nahverkehrs verständigt. Das digitale, bundesweit gültige "Deutschlandticket" soll für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu einem Einführungspreis von 49 Euro pro Monat im monatlich kündbaren Abonnement eingeführt werden, so der Plan.

Werner Ried vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Einführung des Tickets als äußerst positiv an. Es sei ein "All Inclusive-Ticket", dass besonders Autofahrer überzeugen könne, da unter anderem bereits Parkgebühren und Verbrauchskosten integriert seien.

Ticket längst überfällig

Für Ried sei es längst überfällig gewesen, dass man sich Gedanken über die Einfachheit und deutschlandweite Gültigkeit gemacht habe. Auch die Preishöhe mit 49 Euro sieht er als völlig in Ordnung. Denn ein günstigerer Preis würde vermitteln, dass das Ticket nichts wert sei.

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Verkehrsclub Deutschland befürwortet 49-Euro-Ticket
Audio [SR 3, Moderation: Dorothee Scharner, 05.11.2022, Länge: 03:19 Min.]
Verkehrsclub Deutschland befürwortet 49-Euro-Ticket

Das Ticket könne daher auch als Appell an die Autofahrer gesehen werden, für Alltagsfahrten auf Bus und Bahn umzusteigen und sich nur noch bei Bedarf ein Auto zu leihen. Das 9-Euro-Ticket im Sommer habe gezeigt, dass es diese Umstiege gibt. Daher erwarte Ried, dass auch das geplante "Deutschlandticket" diesen Effekt mit sich bringe.

Infrastruktur-Rückstau im ÖPNV

Trotz der Begeisterung für das Ticket müsse auch das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs im Saarland passen. Die Ausweitung der Busangebotes im ländlichen Raum sei zwar gut, dennoch gäbe es Räume in denen Verbesserungsbedarf bestehe. So werde das geplante 49-Euro-Ticket auch zeigen, dass es an vielen Stellen des ÖPNV einen Infrastruktur-Rückstau gibt.

Hinzu komme, so Ried, dass mit dem "Deutschlandticket" für knapp 50 Euro die Einnahmen für die Bus- und Bahnbetreiber fehlen würden. Die Finanzierung des Tickets müsse daher von Bund und Ländern dauerhaft auf eine sichere Grundlange gestellt werden. Befürchtungen, dass der günstige Ticketpreis zu Lasten des Netzausbaus gehen könnte, sieht auch Ried. Daher müsse weiterhin darauf hingewiesen werden, dass der Infrastrukturausbau dringend gebraucht wird.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Mittag" am 05.11.2022 berichtet.

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