Geldscheine mit einem Haus, das durch das Unwetter beschädigt wurde. (Foto: SR/dpa)

Wann zahlt die Elementarschadenversicherung

  13.06.2018 | 12:30 Uhr

Um sich gegen Schäden aus Überschwemmungen, Rückstau oder auch Schneedruck abzusichern, ist zumeist eine spezielle Police erforderlich: die sogenannte Elementarschadenversicherung. Doch auch wenn der Versicherungsschutz besteht, übernimmt sie nicht jeden Schaden. Ob der Schaden versichert ist, hängt von der genauen Ursache fest.

Wer sein Haus oder Inventar gegen Starkregen oder Hochwasser absichern will, braucht den erweiterten Naturgefahrenschutz - besser bekannt als Elementarschadenversicherung. Es gibt ihn als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. In neueren Policen ist der Baustein oft schon enthalten.

Wann wird die Elementarschadenversicherung noch gebraucht?

Die Elementarschadenversicherung hilft, wenn Naturereignisse Schäden am Haus verursachen. Versichert sind Schäden durch:

  • Starkregen, Überschwemmung und Rückstau
  • Hochwasser
  • Schneedruck
  • Lawinen und Erdrutsch
  • Erdbeben
  • Vulkanausbruch

Überschwemmung: Was ist versichert?

Nach den Unwettern der vergangenen Tage sind viele Keller vollgelaufen - diejenigen, die eine Elementarschadenversicherung haben, fühlen sich gut abgesichert. Allerdings kann es im konkreten Schadensfall zu Diskussionen mit der Versicherung kommen - denn nicht bei jeder Überschwemmung übernimmt die Elementarschadenversicherung.

Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentrale ist die Überschwemmung nur dann ein Versicherungsschaden, wenn ein Fluss, Bach oder anderes Gewässer über die Ufer tritt, oder wenn das Grundstück durch Regen überflutet wird. Auch versichert ist der Schaden, wenn er durch Grundwasser angerichtet wird, dass an die Oberfläche kommt und dann ins Haus gelangt.

Nicht versichert durch die Elementarschadenversicherung sind Schäden durch eine Sturmflut, oder Schäden, die durch Grundwasser verursacht werden, dass von unten in das Mauerwerk des Kellers eintritt.

Durch die unterschiedlichen Ursachen, so die Verbraucherschutz-Zentrale, bestehe in der Praxis häufiger das Problem der Beweisführung, in welcher Weise der Schaden durch Grundwasser entstanden ist.

Rückstau - wann zahlt die Versicherung?

Gelangt Wasser aus den Ableitungsrohren des Gebäudes in Haus, dann liegt ein Rückstau vor. Die dadurch verursachten Schäden sind aber nur dann versichert, wenn der Versicherte eine funktionstüchtige Rückstausicherung eingerichtet hat. Fehlt diese, übernimmt die Versicherung den Schaden nicht.

Fragen rund um die Elementarversicherung

Sollte mit Blick auf die jüngsten Ereignisse jetzt jeder Eigenheim-Besitzer eine solche Versicherung abschließen? Jürgen Zimper, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Saar, rät Verbrauchern auf jeden Fall Angebote bei verschiedenen Versicherern einholen.

Fragen rund um die Elementarschadenversicherung
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Fragen rund um die Elementarschadenversicherung

Das sei nach den aktuellen Entwicklungen und auch den Aussagen des Deutschen Wetterdienstes, wonach die Extrem-Ereignisse zukünftig immer häufiger vorkommen sollen, empfehlenswert. Beim Einholen der Angebote sollten Verbraucher darauf achten, dass es die Elementarversicherung sowohl als Ergänzung zur Wohngebäudeversicherung als auch als Ergänzung zur Hausratversicherung gibt.

Was tun, wenn die Versicherungsprämie nach einem Schadensfall extrem stark ansteigt? "Letzlich ist es so, dass man im Schadensfall immer auch die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung hat", so Zimper. Daher sollte man in einem solchen Fall immer alternative Angebote einholen und prüfen, ob man woanders günstiger versichter werden könne. Zudem solle man immer das Gespräch mit dem Versicherer suchen.

Warum bestehen im Saarland so wenige Elementarversicherungen?

Warum bestehen im Saarland so wenige Elementarversicherungen?
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Warum bestehen im Saarland so wenige Elementarversicherungen?

Nach derart verheerenden Unwettern im Saarland stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sinn und Nutzen einer Elementarschadenversicherung. 25 Prozent der Wohngebäudebesitzer im Saarland haben sich gegen Schäden durch Überschwemmungen versichert. Vor fünf Jahren – vor dem schweren Hochwasser 2013 – waren es nur 12 Prozent. Das belegen aktuelle Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit liegt das Saarland immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent.

SR 3-Reporter Patrick Wiermer erklärt im Gespräch mit Moderator Siegfried Lambert, warum der Anteil so gering ist.

Wer kann eine Elementarschadenversicherung bekommen?

Wer ein Haus direkt am Flussufer hat und im Überschwemmungsgebiet wohnt, bekommt den Versicherungsschutz nur mit Hindernissen oder gegen Aufpreis. Im Saarland können 99 Prozent der Hausbesitzer eine Versicherung gegen Unwetterschäden abschließen. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft GDV geht bundesweit von der gleichen Quote aus. Auch die verbleibenden, besonders gefährdeten Häuser können fast alle mit Selbstbehalten oder nach individuellen baulichen Schutzmaßnahmen versichert werden.

Für die Eigentümer der nicht versicherten Wohnhäuser im Saarland bleibt bei Starkregenschäden nur der Griff in die eigene Brieftasche. Das Problem: Viele Eigentümer unterschätzen die Überflutungsgefahr durch starke Regenfälle für ihr Haus.


Unwetter
Dossier: Unwetter im Saarland
In der Nacht zum 1. Juni hat ein Unwetter Millionenschäden in mehreren saarländischen Orten angerichtet. Betroffen waren vor allem Kleinblittersdorf, Bliesransbach und Bübingen. Die Anwohner und die Kommunen werden noch lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Ein weiteres Unwetter ist am 11. Juni über das Saarland gezogen. In Heusweiler und Eppelborn waren die Einsatzkräfte fast 24 Stunden im Dauereinsatz.

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