Löwenzahn (Foto: pixabay/pixel2013)

Wildkräuter richtig erkennen und nutzen

Renate Wanninger / Onlinefassung: Axel Wagner   21.08.2020 | 11:07 Uhr

„Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben – wie die Brennnessel und ihre Freunde auszogen, um zu zeigen, was in ihnen steckt“: Das ist der Titel eines Buches, der Gartenfreunde aufhorchen lässt. Denn es sind ja oft die ungezähmten, wilden Pflanzen, die im Garten eher als störend empfunden werden. Völlig zu Unrecht, sagt SR3-Reporterin Renate Wanninger, die mit einer der Autorinnen des Buches gesprochen hat.

„Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben“
Audio [SR 3, Renate Wanninger, 21.08.2020, Länge: 05:19 Min.]
„Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben“

Zu den Wildpflanzen, über die wir in dem Buch mehr erfahren, gehören neben der Brennnessel, Frauenmantel, Giersch, Löwenzahn, die Rose, Schafgarbe, Gundermann, Holunder, Kornelkirsche, Schlehe, Spitzwegerich und die Vogelmiere. Letztgenannte ist ein sehr unscheinbares Kraut, das sich sehr leicht ausreißen lässt, weil die Wurzel nicht tief in die Erde geht.

Viele gesunde Inhaltsstoffe

Ein kleines Kräutchen mit vielen Inhaltsstoffen, sagt Angela Maier, Kräuterpädagogin und Mitautorin. „Die Vogelmiere enthält sehr viele Flavonoide und Vitamin C, die dem Zellschutz und der Zellerneuerung dienen. Die Mineralstoffe, die drin sind, wirken basisch. Das heißt, sie können gut unterstützen, wenn man zum Beispiel Fasten- oder Frühjahrskuren macht.“

Den Frauenmantel lassen wir eher mal in unserem Garten stehen. Denn er kann den Garten und unsere Blumensträuße durchaus schmücken, wird also als Kulturpflanze genutzt. Er legt aber wirklich auch seinen schützenden Mantel um uns Frauen „Er hat stoffwechselaktive Bitterstoffe und vor allem die Phytohormone, die dem weiblichen Sexualhormon Progesteron ähneln“, sagt Maier. „Das kann sich sehr gut im Wechsel auswirken.“

Brennnesselhaare mit Nudelholz brechen

Auch die Brennnessel könnte viel zu unserer Gesundheit beitragen, aber die reißen wir leider oft einfach mitsamt ihren Wurzeln aus. Angela Maier bedauert das. Für sie ist die Brennnessel die Königin der Heilpflanzen, weil sie sehr viele Inhaltsstoffe hat. „Sie wirkt entgiftend, Harn treibend, Blut reinigend, hat einen sehr hohen Eiweißgehalt.“

Wer Angst hat, sich an den Blättern oder dem Stengel zu verbrennen, der kann sie mit Handschuhen abschneiden und dann einen ganz einfachen Tipp beim Weiterverarbeiten nutzen: „Wenn man die Brennhaare weg haben will, kann man mit einem Nudelholz drüber gehen. Dann sind die Haare gebrochen und brennen nicht mehr“, sagt die Kräuterpädagogin.

Die Brennnessel kann man dann so wie den Giersch herrlich als Ersatz für Spinat zubereiten. Das schmeckt sogar noch etwas intensiver und ist sehr gesund. Natürlich lassen sich aber auch Tees zubereiten. Dafür eignet sich die Pflanze frisch oder getrocknet. Zum Trocknen sollten wir sie an einen luftigen Ort kopfüber aufhängen.

Verwechslungen vermeiden

Damit man die Pflanzen nicht verwechselt, rät die Kräuterpädagogin dazu, eine fachkundige Wildkräuter-Führung mitzumachen. Dort können die Teilnehmer die Pflanzen in Augenschein nehmen und auch probieren.

Verwechslung kann es zum Beispiel beim Gundermann geben, wenn er noch nicht blüht. „Den könnte man mit Taubnesselblättern im ganz jungen Stadium verwechseln“, sagt Maier. „Wenn man den Gundermann einmal probiert hat, erkennt man ihn am Geschmack, weil der so spezifisch ist.“ Aber auch vom Löwenzahn gibt es viele unterschiedliche Arten – besser fragt man da jemanden, der sich wirklich auskennt.

Ernte zur Mittagszeit

Wenn das geklärt ist und man sicher sein kann, was da im Garten wächst, fragt man sich natürlich, wann der richtige Zeitpunkt zum Ernten ist. „Normalerweise ist bei Blüten die Mittagszeit ganz gut, wenn der Tau abgetrocknet ist. Da haben die Pflanzen auch die meisten Inhaltsstoffe, bei Brennnesseln zum Beispiel.“

Trocken und sonnig sollte es sein. Regen ist eher schlecht. „Da werden zum Beispiel beim Holunder die Pollenblüten weggewaschen.“

Zahlreiche Rezepte

Auch diese Information bekommt man in dem Buch der Kräuterpädagoginnen. Man erfährt, wie man einen leckeren Likör herstellt, wie die Pflanze aussieht, was man von ihr nutzen kann, wie man sie als Heilmittel einsetzt oder auf welchem Boden sie unter welchen Bedingungen am besten wächst.

Und es gibt eine Menge Rezepte für Süßes und Herzhaftes. Diese wurden alle ausprobiert und zusammengestellt von acht Kräuterpädagoginnen. Wenn Sie nicht wissen, was sie mit dem Kraut in Ihrem Garten anfangen sollen, dann ist das Buch sicher sehr zu empfehlen.

„Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben“ ist beim Verlag Löwenzahn erschienen und kostet 26,90 Euro.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR3 vom 21.08.2020 berichtet.

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