Chiasamen auf einem Holzlöffel  (Foto: pixabay/ValeriaJa)

Heimische Alternativen zu exotischen Superfoods

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Jessica Sproß   17.08.2020 | 11:20 Uhr

Superfoods, wie Chiasamen, Avocados, Quinoa oder Goji-Beeren, sind der neue Trend in den Supermarktregalen. Sie peppen herkömmliche Lebensmittel wie Brote, Müsliriegel und Smoothies auf oder werden selbst als Nahrungsergänzungsmittel in Kapsel- oder Pulverform angeboten. Zusätzlich sollen diese exotischen Lebensmittel super gesund sein. Aber es muss nicht immer der Exot aus der Ferne sein, denn deutsche Äcker haben auch ultimative Nährstoffriesen im Angebot!

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Heimische Alternativen zu Avocado und Co.
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 17.08.2020, Länge: 02:37 Min.]
Heimische Alternativen zu Avocado und Co.

Reich an Vitaminen, gefüllt mit Mineralstoffen, ein exorbitanter Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen – sie versprechen uns nicht nur Vitalität und Energie, angepriesen wird auch ihre Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen. Die beliebten Superfoods gelten als das ultimative Wundermittel für Gesundheit und Wohlbefinden. Superfood klingt zwar cool, aber es muss nicht immer der Exot aus der Ferne sein, denn unsere heimische Lebensmittel bieten uns auch bereits ausreichend Nährstoffe.

Walnüsse statt Avocado

Avocados werden wegen ihres hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren als Superfood angepriesen. Ungesättigte Fettsäuren können das Herz-Kreislaufsystem positiv beeinflussen und so zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko senken. Wer allerdings denkt, die wertvollen Fette sind nur in exotischen Superfoods wie Avocado enthalten, liegt falsch. Denn vergleiche man zum Beispiel Avocado mit Walnüssen, so Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes, so könne man feststellen, dass Walnüsse einen höheren Fettgehalt haben. Der Anteil an den mehrfach ungesättigten Fettsäuren, also den gesunden Fettsäuren, liege bei 42 Gramm, bei den Avocados allerdings nur bei zwei Gramm.

Avocados werden wegen ihres hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren als Superfood angepriesen. Ungesättigte Fettsäuren können das Herz-Kreislaufsystem positiv beeinflussen und so zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko senken. Wer allerdings denkt, die wertvollen Fette sind nur in exotischen Superfoods wie Avocado enthalten, liegt falsch.

Linsen statt Quinoa

Grundsätzlich brauch der Körper auch einen gewissen Anteil an Eiweiß. "Eiweiß kann der Körper nicht speichern, d.h. wir müssen das täglich mit der Nahrung aufnehmen. Viele Vegetarier oder Veganer essen Quinoa als Eiweißquelle. Eine gute heimische Eiweißquelle sind Hülsenfrüchte, zum Beispiel Linsen“, so Theresia Weimar-Ehl.

Während 100 Gramm Quinoa 13 Gramm Eiweiß enthalten, enthalten Linsen neun Gramm – sie können also problemlos ausgetauscht werden.

Blaues heimisches Obst statt Açai-Beeren oder Aroniabeeren

Açai-Beeren oder Aroniabeeren gelten vor allem aufgrund des hohen Gehalts an Anthocyanen als Superfoods. Anthocyane sind blaue Pflanzenfarbstoffe, die den Körper vor schädigenden Oxidationsprozessen schützen können. Weimar-Ehl bestätigt diese Wirkung, hat aber auch hierzu eine heimische Alternative: "Die Zellen werden geschützt von aggressiven Radikalen, die durch unsere Ernährung, Stoffwechsel und Lebensweise entstehen. Die Aroniabeeren die haben diese Anthozyane, aber die gibt’s auch bei uns im blauen Obst und Gemüse, Brombeeren, Heidelbeeren, Rotkohl. Da muss ich nicht die teuren Superfoods kaufen.“

Leinsamen statt Chiasamen

Superfoods können zwar den Speisenplan abwechslungsreicher gestalten, sind aber meist teuer und oft exotischer Herkunft. Da überlegt man sich zweimal, ob man einen Trend mitmacht, wenn man auf das Preisschild schaut. Doch oft sind die neuesten Superfoods nur vermeintlich exklusivere Varianten von alltäglicheren, günstigeren Lebensmitteln: ein Kilogramm Chiasamen kostet im Schnitt 14 Euro, ein Kilogramm Leinsamen nur 4 Euro – bei ungefähr gleichem Fettanteil, Eiweißgehalt und Ballaststoffen. Außerdem können Leinsamen regional angebaut werden, Chiasamen dagegen legen bis nach Deutschland lange Transportwege zurück und sind damit schlechter für die Umwelt – so ist es bei fast allen "Superfoods".

Superfoods können aber auch gefährlich werden

Gerade, da Superfoods Obst- und Gemüsesorten seien, die wir nicht kennen, warnt Weimar-Ehl. Es bestehe die Gefahr einer allergischen Reaktion. Man könne Hautausschlag bekommen und es könne bis hin zu asthmatischen Anfällen kommen.

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ACHTUNG: Superfoods können auch gefährlich werden
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 17.08.2020, Länge: 02:34 Min.]
ACHTUNG: Superfoods können auch gefährlich werden

Für manche Superfood-Lebensmittel sind daher sogar Tageshöchstmengen festgelegt: bei Chiasamen seien es maximal 15 Gramm pro Tag, so Theresia Weimar-Ehl. Generell rät sie dazu, für uns neues Superfood in geringen Mengen zu testen. Und auch wer regelmäßig Medikamente einnimmt, muss aufpassen: "Bei Granatapfel weiß man zum Beispiel, dass es den Abbau von Herzmedikamenten verzögert. D.h. es kann sein, dass ich mein Medikament in zu hoher Konzentration im Körper habe und dann Blutungsneigungen habe.“

Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saarlandwelle am 17.08.2020 berichtet.

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