Ein Radiator steht im Raum (Foto: picture alliance / Zoonar | Patrick Daxenbichler)

"Finanziell machen diese Geräte keinen Sinn"

Heizen mit Strom: Experten raten davon ab

Mit Informationen von Yvonne Schleinhege   10.08.2022 | 12:00 Uhr

Der Ansturm auf Heizlüfter, Radiatoren und Co. ist riesig – auch im Saarland. Solche Geräte werden gerade aus Angst vor den steigenden Gaspreisen regelrecht gehamstert. Doch ist das sinnvoll? Experten befürchten nicht nur eine Überlastung der Stromnetze. Sie weisen auch auf die Kostenintensität solcher Geräte hin.

Elektrische Heizgeräte gehen gerade in den Geschäften "wie geschnitten Brot" und sind häufig ausverkauft. Jedoch ist das eine zweifelhafte Anschaffung: sparen lässt sich mit diesen Geräten nicht, erst recht nicht eine ganze Wohnung oder gar ein Haus heizen.

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Heizen mit Strom: "Finanziell machen diese Geräte keinen Sinn"
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege (c) SR, 10.08.2022, Länge: 03:06 Min.]
Heizen mit Strom: "Finanziell machen diese Geräte keinen Sinn"

Ansturm in den Geschäften

Mehrfach jeden Tag muss Verkäufer Marc Kallenbach besorgte Kunden erst einmal beruhigen. Heizlüfter, Radiatoren, Konvektoren sind derzeit auch bei Elektro Meyer in Heusweiler gefragte Ware: "Das ist schon eine komische Situation: 35 Grad draußen und es werden nicht Ventilatoren, sondern Heizgeräte gekauft."

Während sich die Kisten mit Ventilatoren und Klimageräten gleich am Eingang stapeln, findet man die Heizlüfter und Radiatoren etwas versteckt in der Ecke. Drei, vier Geräte findet man dort, mehr aber nicht. Und das sind nur die Ausstellungsstücke. Alles andere ist ausverkauft. Geräte gibt es nach Vorbestellung mit Glück erst im Oktober oder November.

Viele Saarländer haben sich eingedeckt

In vielen Haushalten im Saarland stehen bereits Heizlüfter und Radiatoren. Manch einer hat sich für den Winter schon eingedeckt.

Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz versteht das zwar, betont aber, dass es keinen Grund zu Panik gebe. Schließlich gehörten die Haushalte zu der geschützten Kunden-Gruppe, der nicht einfach das Gas abgedreht werde.

Einsparungen durch Stromheizungen Illusion

"Zu glauben, dass, so lange das Gas fließt, man Einsparungen erreicht, wenn man mit strombetriebenen Geräten heizt, das ist eine Illusion", sagt der Experte. Er habe das durchgerechnet. Auch weitere Experten kommen zu dem Ergebnis, dass solche Geräte finanziell keinen Sinn machen.

Besser Radiatoren als Heizlüfter

Natürlich kann es ungemein beruhigend sein, einen Heizlüfter oder Radiator für den Notfall zu Hause zu haben. Für eine dauerhafte Nutzung empfiehlt sich der Radiator, sagt Marc Kallenbach von Elektro Meyer.

Ein Heizlüfter dagegen sei relativ laut und würde auch viel Staub aufwirbeln. Zudem müsse man beim Betrieb eines Heizlüfters unbedingt darauf achten, dass dieser möglichst frei stehe und der Luftstrom nicht behindert werde. Stauwärme könne sonst zu einer Überhitzung der Geräte führen.

Gefahr der Netz-Überlastung

Diskutiert wird in diesem Tagen besonders der hohe Stromverbrauch der Geräte und die Frage, ob die kleinen Elektro-Heizungen die Stromnetze überlasten könnten. Das Risiko ist durchaus da, heißt es beim Verband der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes. Vor allem dann, wenn mehr als ein Gerät in einem Haushalt angeschaltet ist.

Ein Ersatz für die Gasheizung sind Heizlüfter und Co. auch deshalb nicht.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 10.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.


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