Eine Person wird am Knie behandelt. (Foto: IMAGO / UIG)

Knieschmerzen dauerhaft stoppen?

Schmerzlinderung durch Embolisation

mit Informationen von Steffani Balle   08.08.2022 | 10:40 Uhr

Durch einen minimal-invasiven Eingriff Knieschmerzen dauerhaft stoppen – das soll bei der so genannten Embolisation erreicht werden. Die Erfolgsquote der Methode, die seit rund 3 Jahren an der Uniklinik Homburg praktiziert wird, liegt nach Auskunft der Ärzte zwischen 80 und 90 Prozent. Doris Kalker hat die Methode ausprobiert.

Knieschmerzen sind lästig und weit verbreitet. Es wäre doch toll, wenn es eine Behandlung gäbe, die schnell Abhilfe schaffen könnte.

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Schmerzlinderung durch Embolisation?
Audio [SR 3, Steffani Balle, 08.08.2022, Länge: 04:48 Min.]
Schmerzlinderung durch Embolisation?

Die Behandlung sei minimal-invasiv, risikoarm und erfordere keinen großen zeitlichen Aufwand, sagt Chef-Radiologe Arno Bücker vom Uniklinikum in Homburg.

Wie funktioniert eine Embolisation?

Ein dünner Katheter wird unter örtlicher Betäubung von der Leiste aus zum Knie an die schmerzende Stelle geführt. Dann kommt in die überflüssigen Äderchen jeweils ein kleines Plastikkügelchen in der Größenordnung von zwei hundertstel Millimeter rein. So wird das Gefäß verstopft, Blut fließt nicht mehr hindurch und es stirbt ab – und der Schmerz lässt nach.

Adern verschließen ist im Normalfall keine gute Idee – bei der Embolisation wird aber genau das gemacht. Denn bei Entzündungen am Knie wird die Durchblutung angeregt, um eine schnellere Heilung zu fördern. Das führt allerdings auch zur Neubildung von kleinen Äderchen, die dann noch mehr Schmerzen transportieren können. Deswegen verschließt das Team von Chef-Radiologe Arno Bücker vom Uniklinikum in Homburg diese kleinen Äderchen.

Noch kein Standard-Verfahren

Es sei aber noch kein Standard-Verfahren und behandle auch bloß Symptome, keine Ursachen. Deshalb sei die Behandlung nur für Patienten geeignet bei denen Standardtherapien wie Krankengymnastik, Röntgenreizbestrahlung, Stoßwellenbehandlung oder ins Gelenk gegebene Injektionen nicht angeschlagen haben.

Die Erfahrungen einer Patientin

Doris Kalker aus Dahn leidet seit über sieben Jahren an Knieschmerzen und hat schon einiges versucht, um die Schmerzen wieder loszuwerden. Egal, ob Operationen und sogar ein künstliches Kniegelenk – nichts habe geholfen. Deshalb hat sie sich 2021 für eine Embolisation entschieden. "Der nächste Tag nach der Embolisation konnte ich wirklich ohne Schmerzen ganz normal gehen", erzählt sie.

Allerdings hielt die Freunde nicht lange an. Nach sechs Wochen waren die Schmerzen wieder zurück. Normalerweise ist die Besserung für mindestens ein halbes Jahr angedacht. Das Problem sei die Dauer, erklärt Radiologe Arno Bücker. Bei Erfolgen von 80 bis 90 Prozent könne man von einer Besserung von etwa einem Jahr ausgehen.

Orthopäde Patrick Orth hat für Doris Kalkers Fall aber eine mögliche Erklärung: Sie habe auch auf der Gegenseite eine Arthrose im Knie und habe die embolisierte Seite deshalb wahrscheinlich stärker belastet um einen Ausgleich zu schaffen. Deswegen soll nun auch eine Prothese auf der linken Seite her – damit wieder ein Ausgleich hergestellt werden kann.

Wenn die Prothese eingesetzt ist, möchte Doris Kalker es aber nochmal mit der Embolisation versuchen: "Wenn das linke Knie in Ordnung ist, nehme ich das Rechte wieder in Angriff – in der Hoffnung, dass es länger hält."

Ein Thema in der Sendung "Bunte Funkminuten" am 08.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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