Fruchtwein (Foto: Christian Ignatzi)

Fruchtwein selbst gemacht

Christian Ignatzi   23.11.2018 | 10:00 Uhr

In diesem Jahr feierte der Verband der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumweinindustrie sein 50. Jubiläum – und hatte dazu aktuelle Zahlen parat. Der Umsatz in Deutschland ist von 102,5 auf 105,8 Millionen Liter gestiegen. Noch viel besser ist Fruchtwein aber, wenn er selbstgemacht ist. Wie das geht, hat sich SR 3-Reporter Christian Ignatzi von Hobby-Fruchtwinzer Dominik zeigen lassen.

Sendung: Samstag 24.11.2018 11.00 Uhr

Fruchtwein vom Hobbywinzer (Foto: Christian Ignatzi)

Handelsübliche Industrie-Fruchtweine schmecken oft sehr süß. Denn sie werden nach der Gärung meist noch einmal gezuckert. Das mag nicht jeder. Dass es auch anders geht, zeigt Hobby-Winzer Dominik aus Saarbrücken. Er keltert zuhause - zum Beispiel seinen eigenen, trockenen Brombeerwein aus selbstgepflückten Früchten. Aber auch dieser Wein braucht bei seiner Herstellung Zucker - allerdings im Gärungsprozess. Nur so kommt man auf einen Alkoholgehalt von 13 bis 14 Prozent. Das Ergebnis: ein leckerer, selbstgemachter und trockener Fruchtwein.


Brombeerwein


Ein Glas Rotwein (Foto: dpa)
"Kappes, Klöße, Kokosmilch": Fruchtwein selbst gemacht
Audio [SR 3, Christian Ignatzi, 24.11.2018, Länge: 04:50 Min.]
"Kappes, Klöße, Kokosmilch": Fruchtwein selbst gemacht

Zutaten für 25 Liter Wein
15kg frische Brombeeren
Wasser
6kg Zucker
Reinzuchthefe (Portwein oder Sherry)
50ml Antigeliermittel
8g Hefenährsalz
Milchsäure
5g Kaliumpyrosulfit

Der Hefeansatz

Zutaten
½ Liter naturtrüber, unbehandelter Apfelsaft ohne Zusätze (Reformhaus)
0,5 g Hefenährsalz
50g Zucker
1 Fläschchen Reinzuchthefe

Zubereitung
Eine Smoothie Flasche zur Hälfte mit dem Apfelsaft befüllen, den Zucker und das Hefenährsalz rein geben und ordentlich schütteln bis sich alles gelöst hat,nun die Reinzuchthefe hinzu geben. Das Ganze mit einem Gärspund oder einem Wattebausch verschließen, damit von außen nichts in die Flasche kommen kann. Keinesfalls fest verschließen (Explosionsgefahr)!

Nach zwei bis drei Tagen sollte sich eine ordentlich Gärung bemerkbar machen (Schaum und Blasen im Ansatz). Die Hefe hat sich somit zur Genüge vermehrt.

Tipp: Die Hefe sollte vor Ansatz im Wein immer vermehrt werden, dadurch hat man genügend Hefezellen und stellt damit sicher, dass die Hefe von vorneherein gut gärfähig ist. Gärt der Hefeansatz schon nicht anständig, kann man sich einen Ansatz im Wein sparen.

Der Weinansatz

Brombeeren (Foto: pixabay (CC0))

Zubereitung
Brombeeren waschen und grob zerkleinern, zerdrücken und in einen Gärballon oder Gärfass (30 Liter) geben. Den Ballon zu zwei Dritteln mit warmem Wasser auffüllen und vier Kilogramm Zucker darin auflösen.

Unbedingt auf genügend Platz zum oberen Rand achten! Bei der Maischegärung kann es heftig schäumen, es darf nichts in den Gärspund kommen! Dann auf Raumtemperatur abkühlen lassen!

Danach Antigel und das Hefenährsalz hinzufügen und ordentlich durchschütteln. Nun den Hefeansatz hinzufügen und mit einem Gärspund verschließen. Nach zwei bis drei Tagen sollte sich eine heftige Gärung einstellen.

Nach zwei Wochen sollte man den Ansatz unbedingt vom Bodensatz in einen neuen Ballonabziehen, ggf. mit einem Presstuch arbeiten. Nun sollte man unbedingt die Säure messen, ein optimaler Säuregehalt liegt bei 7 – 8g pro Liter. Ein Wein unter diesem Gehalt schmeckt fade und entfaltet später keinen richtigen Geschmack. ggf. mit Milchsäure den richtigen Säuregehalt einstellen. Mit dem restlichen Zucker je nach Geschmack die Restsüße einstellen.

Jetzt mit 2,5 g Kaliumpyrosulfit schwefeln und möglichst kühl und ruhig vier Wochen klären lassen. Danach nochmal vom Bodensatz in einen neuen Ballon abziehen und nochmals mit 2,5 g Kaliumpyrosulfit schwefeln. Nun kann der Wein in Flaschen abgefüllt werden.

Dieser Wein ist nun trinkfähig, sollte aber nach eigener Erfahrung nochmal mindestens weitere vier Wochen kühl und dunkel in den Flaschen lagern.

Tipps
Bei dem ganzen Prozess unbedingt immer sauber arbeiten, Gerätschaften desinfizieren und gut mit Wasser durchspülen. Auf Fruchtfliegen achten (dürfen keinesfalls während der Gärung in denWein gelangen). Niemals mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln arbeiten, diese enthalten Parfüm. Zur Weinherstellung finden sich unzählige Seiten im Internet. Unbedingt über die richtigen Reinigungsmittel informieren. Informationen zur Säureeinstellung und Mikrobiologie des Weines finden sich auch im Internet.

Die Kochsendung "Kappes, Klöße, Kokosmilch" - immer samstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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