Ein Hund in einem Rucksack (Foto: Pixabay/MabelAmbe)

Hilfe für ukrainische Geflüchtete mit Haustieren

mit Informationen von Sarah Sassou   22.03.2022 | 09:45 Uhr

Immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine kommen im Saarland an. Oft mit im Gepäck: ihre Haustiere. Tierschutzorganisationen und die Politik suchen nach Lösungen für die Versorgung und Unterbringung der Tiere.

Das geliebte Haustier im Kriegsgebiet zurücklassen, für viele Geflüchtete aus der Ukraine ist das keine Option. Doch nicht überall gibt es Unterkünfte, wo auch die Tiere bleiben können. Der Tierschutzbund Saar versucht, hier zu helfen.

Audio

Tierische Flucht ins Saarland
Audio [SR 3, Sarah Sassou/Carmen Bachmann, 22.03.2022, Länge: 05:35 Min.]
Tierische Flucht ins Saarland

Notaufnahme von Haustieren

Beatrice Speicher-Spengler ist die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbunds im Saarland und vom Verein der Katzenfreunde Oberwürzbach. In den vergangenen Tagen hat sie einige Mails von ukrainischen Flüchtlingen bekommen, die nach einer Unterbringung für ihre Tiere fragen.

Im Katzenhaus des Vereins in Oberwürzbach ist derzeit nicht viel los. Um die 20 Fundkatzen sind aktuell zu versorgen. Zur Not könne man weitere Katze und Kleintiere aufnehmen, so die Tierschützerin.

Unterbringung mit Haustieren

Aber der Tierschutzbund hat noch mehr erreicht. Das Ergebnis eines Runden Tisches mit dem Umwelt- und Innenministerium: Die Landesaufnahmestelle in Lebach ist mittlerweile verpflichtet, Menschen mit ihren Haustieren aufzunehmen.

Die Tierschützer appellieren nun an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Kommunen, Geflüchtete auch mit ihren Haustieren aufzunehmen.

Wohnungsvermittlung

Und der saarländische Tierschutzbund will noch mehr helfen. Es gibt inzwischen ein Netzwerk, das Futter und Medikamente für Tiere an die polnisch-ukrainische Grenze bringt.

Weitere Informationen
www.tierschutz-saar.de

Und wer Wohnungen für Geflüchtete anbieten will, bei denen auch Haustiere erlaubt sind, der könne sich ebenfalls beim Tierschutzbund melden, so Speicher-Spengler. Und das Veterinäramt leite entsprechende Anfragen an den Tierschutzbund weiter. Aktuell stünden bereits 28 Wohnungen stünden zur Verfügung.

Seuchengefahr gering

Angst, dass die die Hunde und Katzen aus der Ukraine Krankheiten einschleppen könnten, erwartet die Tierschützerin nicht. Die meisten Geflüchtete hätten einen Impfausweis für ihre Tiere dabei. Viele Tiere seien gechipt. Es handele sich meistens auch um Tiere, die in der Wohnung gehalten wurden.

Auch eine Tollwutgefahr sieht sie als gering an. In den letzten Jahren habe es keine Fälle bei Haustieren gegeben - lediglich bei Wildtieren.

Untersuchung beim Tierarzt

Trotzdem sollten Geflüchtete, die ihr Haustier mit dabei haben, sich beim Veterinäramt melden, um die Tiere untersuchen zu lassen, sagt Speicher-Spengler. Dort könnte auch ein Tollwutcheck durchgeführt werden, der kostenlos sei.

Auch einige Tierärzte im Saarland haben schon in den sozialen Medien angeboten, dass sie Flüchtlingstiere kostenlos behandeln.

Saarländische Tierrettung in der Ukraine

Tierschützer Jörg Langer und Beatrice Speicher-Spengler (Foto: SR/Sarah Sassou)
Tierschützer Jörg Langer und Beatrice Speicher-Spengler

Auch die Tierheime und Tierpensionen in den ukrainischen Kriegsgebieten stehen vor großen Problemen. Ihre Schützlinge müssen in Sicherheit gebracht werden. Auch hier helfen Tierschützer aus dem Saarland.

Einer von ihnen ist Jörg Langer. Im ganzen Saarland ist er für den Tiernotruf des Tierschutzbundes unterwegs. Sechs bis acht Einsätze hat er am Tag. Vor Kurzem rief ihn ein Kollege an und bat ihn, an der polnisch-ukrainischen Grenze zwei Frauen samt ihrer 47 Katzen zu retten. Innerhalb von einem Tag machten die Tierschützer drei Transporter klar und brachen zu einem polnischen Dorf nahe der ukrainischen Grenze auf.

Nach stundenlanger Fahrt erreichten sie ihr Ziel und trafen die beiden ukrainischen Tierschützerinnen. Sie erfuhren, dass die jungen Frauen eine Tierpension in der ukrainischen Hauptstadt Kiew betrieben haben. Als ihr Gebäude von einer Bombe getroffen und zum Teil zerstört worden sei, hätten sie die Katzen in Sicherheit bringen wollen – raus aus dem Kriegsgebiet, erzählten sie den deutschen Tierschützern.

Bevor die Fahrt nach Deutschland losgeht, gelingt es den engagierten Urkainierinnen sogar noch, ihre Schützlinge medizinisch zu versorgen.

Jetzt sind die beiden Frauen samt 47  Katzen erst mal bei einem Tierschutzverein im Hunsrück untergekommen. Die Tiere sollen nun in Deutschland vermittelt werden.


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Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" vom 22.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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